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Kotze, Analketten und Kruzifixe: Was man so alles in seiner neuen Wohnung findet

Die Spuren der vorherigen Bewohner können manchmal richtig unheimlich sein.
Dana  Alecu
Bucharest, RO
30.5.16

Titelfoto: Ein Überbleibsel von den vorherigen Bewohnern meiner jetzigen Wohnung. Auf die fehlenden Teile bin ich noch nicht gestoßen

Vor zwei Jahren bin ich zusammen mit zwei Kommilitoninnen in eine Zweizimmerwohnung gezogen. Besagte Wohnung war dabei in einem ziemlich schlimmen Zustand: Ich musste mit Cola den Dreck von den Wänden schrubben und die Rohre reinigen. Im Gemüsefach des Kühlschranks sowie auf meiner Matratze befand sich etwas, das wie Blut aussah. Die vorherigen Bewohner hatten uns außerdem noch ein paar ihrer Sachen in einem Schrank hinterlassen, aber wir durften nichts davon wegwerfen, denn die Bank war gerade dabei, die Wohnung zwangszuversteigern. Wir waren quasi so etwas wie Zwischenmieter. Anstatt den ganzen Kram also wegzuschmeißen, entschloss ich mich dazu, Fotos davon zu machen. Alle Bilder in diesem Artikel zeigen deswegen (sofern nicht anders angegeben) die Sachen, die ich im Schrank der Vormieter gefunden habe.

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Da ich mir außerdem noch sicher war, dass ich nicht der einzige Mensch sein kann, der beim Einzug in eine neue Wohnung auf Überbleibsel der vorherigen Bewohner gestoßen ist, habe ich mich bei Freunden erkundigt, ob ihnen auch schon mal etwas Ähnliches widerfahren ist.

Claudia, 23

Mein Freund und ich sind im April 2014 in eine Einzimmerwohnung in Bukarest gezogen. Der Vermieter war ein Taxifahrer im Ruhestand, der ungewöhnlich viel Interesse an uns zeigte—so fragte er mich zum Beispiel auch, auf welche Schule meine Eltern gegangen sind. Ich habe die Angewohnheit, meine Matratze zweimal im Jahr zu wenden, und da ich nicht davon ausging, dass der Vermieter das gemacht hatte, haben mein Freund und ich eben als Allererstes die Matratze umgedreht. So haben wir auch ein gebrauchtes Kondom am Kopfende des Betts gefunden.

Wir rätselten dann etwas herum, konnten uns aber nicht vorstellen, dass das Kondom vom einstigen Taxifahrer der Wohnung stammte. Eigentlich halte ich nur ein Szenario für plausibel: Eine Bekannte aus dem Studium hat mal vor mir in der Wohnung gewohnt und ich kann mir richtig gut vorstellen, wie sie dort ein letztes Mal mit ihrem Freund schlief und anschließend ihr Revier "markierte." Ich meine, das Ganze muss Absicht gewesen sein, denn ich glaube nicht, dass man einfach so spontan seine Matratze hochhebt, um darunter ein benutztes Kondom zu platzieren. Ich täuschte dann einfach ein Rückenleiden vor und schaffte es so, den Vermieter davon zu überzeugen, eine neue Matratze zu kaufen.

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Christian, 25

Während meines Studiums in London zog ich 2011 in eine Einzimmerwohnung. Eine etwas ältere Dame, die wir immer nur Angie nannten, kümmerte sich um das Stockwerk, in dem ich lebte. Als ich einen ersten Blick unter mein neues Bett warf, fand ich dort eine Sammlung an alten englischen Porno-Magazinen—so 10 bis 15 Stück und alle aus den 50er Jahren. Die abgebildeten Frauen waren ziemlich fein angezogen und eine von ihnen hatte blonde Locken, riesige Titten und lag in einem schwarzen Badeanzug an einem Strand. Die ist mir besonders im Gedächtnis hängengeblieben. Ich habe Angie dann die Heftchen gezeigt und sie meinte nur: "Mein Gott!" Irgendwie war der Fund aber auch nicht wirklich überraschend, weil vor mir ein Philosophiestudent in der Wohnung gelebt hatte.

Laura, 23

Vor ungefähr fünf Jahren zog ich von zu Hause aus und in die Dreizimmerwohnung ein, in der schon einige meiner Freunde wohnten. Die Wohnung gehörte einer jungen Frau, die jedoch im Ausland lebte—OK, genauer gesagt ihren Eltern, die aber schon tot waren. Als wir anfingen, zu renovieren, fanden wir im Wohnzimmer einen kleinen Schrank, den noch niemand von uns geöffnet hatte. Darin lag ein Fotoalbum mit ganz vielen alten Schwarzweiß-Bildern, auf denen Kinder zu sehen waren—ich vermute bei einer traditionellen christlich-orthodoxen Taufe. Auf einer Seite hatte man auch eine Strähne braunes Haar geklebt. Wir haben das Ganze dann weggeschmissen, nachdem die Wohnungsbesitzerin uns das erlaubt hatte.

Die Schätze aus den beiden Wohnungen von Clau

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Clau, 26

2014 ließ ich endlich die Studentenwohnheime hinter mir und zog zusammen mit ein paar Freunden in eine alte Villa in Bukarest. Auf dem Dachboden fanden wir dann eine Kiste voll mit Schaumstoffkügelchen, die eine riesige Glasbong schützten. Wir wussten nicht genau, was für Leute vor uns in der Villa gewohnt hatten, aber wir führten die Tradition fort und die Bong wurde zu unserem treuen Mitbewohner.

Anfang 2016 bin ich dann erneut umgezogen. Das Haus, in dem ich jetzt wohne, gehört einer etwas älteren Frau, die in Deutschland als Physiklehrerin arbeitet. In ihrem Zimmer haben wir einen Teddybären gefunden, der auch direkt aus einem Albtraum stammen könnte. Wir haben das Teil natürlich nicht angerührt—es sitzt immer noch auf der Kommode und starrt in die hintersten Ecken deiner Seele. Normalerweise halte ich mich nicht im Zimmer der Frau auf, aber ich spüre ständig, wie der Teddybär da ist und mich beobachtet. Und daran wird sich wohl so schnell auch nichts ändern.

Motherboard: Mein Freund, der Messie

Andrei, 20

Ich bin 2014 in eine neue Wohnung gezogen, um näher bei meiner Schule zu wohnen. Besagte Wohnung gehörte einer Frau Mitte 40, die eine Weile zuvor ins Ausland gezogen war. In ihrem Schlafzimmerschrank fand ich dann ein paar Peitschen, die scheinbar schon einiges mitgemacht hatten, denn deren Enden waren schon richtig abgenutzt. Ich habe die Teile dann einfach weggeschmissen und das Thema nie angesprochen.

Vergangenen Frühling zog ich dann erneut um und stieß in der neuen Wohnung, die einem älteren Ehepaar gehört, auf etwas ganz Anderes: Als ich die Möbel im Schlafzimmer verrücken wollte, fand ich hinter dem Bett einen Haufen Kotze. Das Erbrochene war schon richtig ausgetrocknet und muss so zwei Tage alt gewesen sein. Ich habe das Zimmer daraufhin erstmal ordentlich geputzt, weil ich nicht wusste, was ich sonst hätte tun sollen.

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Ema, 23

2014 entschied ich, dass es an der Zeit war, zu meinem Freund zu ziehen, mit dem ich schon drei Monate zusammen war. Er hatte vorher mit seiner Ex zusammengelebt und mit dieser Tatsache wurde ich dann auch konfrontiert, als ich meine Klamotten in den Schrank hängen wollte und dort einen Badeanzug, Oberteile und Socken von ihr fand. In einer Schublade voller Überraschunsgsei-Fuguren stieß ich außerdem auf einige Fotos von einer jungen Frau mit Sonnenbrille.

Besagte Fotos und Figuren gehörten natürlich seiner Ex, mit der mein Freund schon über sechs Monate nicht mehr zusammen war. Er meinte dann, dass ihm das Zeug nie aufgefallen wäre, und ich glaube ihm. Ich habe dann alles von ihr einfach weggeschmissen und mir gesagt, dass ich im Falle meines Auszugs alle zurückgelassenen Sachen an einen Ort packe, damit das Mädchen nach mir nicht so viel Stress hat. Mein Freund und ich sind jedoch quasi unzertrennlich.

Eduard, 23

Vor zwei Jahren bin ich nach den Semesterferien zurück nach London und zog dort in eine neue Wohnung, die einem kleinen und ziemlich arroganten Typen gehörte. Das Apartment war wirklich super, aber eines Tages musste ich dann mal in den Keller, um die Sicherung nach einem Stromausfall wieder zu richten. Dort stieß ich dann auf eine alte Matratze, einen Kinderwagen und sechs große Tüten voll mit Kinderspielzeug. Außerdem hing an der Wand ein Bild, auf das etwas auf Arabisch geschrieben worden war. Als ich irgendwann später erneut in den Keller musste, bekam ich den Eindruck, als ob man dort noch mehr Tüten abgeladen hätte.

Andreea, 23

Ich habe mich dieses Jahr auf die Suche nach einer Eigentumswohnung gemacht und in Bukarest sogar eine ganz schöne Immobilie gefunden. Eine Maklerin hat mir das Objekt dann gezeigt, aber ich sah mich auch selbst noch mal um, während sie telefonierte. Mir war zwar bewusst, dass eine Frau in der Wohnung gestorben war, aber ich habe trotzdem nicht erwartet, im Badezimmer auf so viel zurückgelassenes Zeug zu stoßen. An der Tür hing zum Beispiel ein altes, orange-gestreiftes Hemd inklusive Muster aus der Sowjet-Ära. Obwohl das Hemd so alt war, machte es einen einwandfreien Eindruck. Im Allgemeinen sah das ganze Badezimmer so aus, als würde die Frau jeden Moment wieder auftauchen. Das war irgendwie schön, aber gleichzeitig auch richtig unheimlich. Ich glaube nicht, dass sich die Maklerin dessen bewusst war. Ich habe die Wohnung letztendlich dann doch nicht gekauft. Ohne das Hemd wäre es jedoch vielleicht anders gekommen.