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Das Satire-Kollektiv Hydra wurde in den Ruin getrieben – und rettet sich jetzt durch Crowdfunding

Ziel ist es, 3000 Euro zu sammeln—nicht nur, um weiter Satire machen zu können, sondern auch als "Zeichen für die Meinungsfreiheit."
Screenshot via YouTube

In einem Anflug von Naivität könnte man ja meinen, dass Satire heutzutage tatsächlich alles darf, zumindest hier im liberalen Österreich. Ganz so ist das in der Realität natürlich nicht immer der Fall—das hat das Wiener Satire-Kollekiv Hydra nun sehr bitter zu spüren bekommen: Weil sie in einem Facebook-Posting das Logo der Discounter-Kette Hofer verwendete, steht die Gruppe nun vor dem finanziellen Ende. Was genau passiert ist, erklärt die Hydra so:

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"Die Hydra veröffentlichte vor Kurzem ein Posting auf Facebook, welches das Logo und den Namen einer Supermarktkette mit einem der beiden Präsidentschaftskandidaten in Verbindung brachte. Darauf reagierte die Kette über eine Rechtsanwaltskanzlei mit einer Klagsdrohung wegen Urheberrechtsverletzung und Kreditschädigung sowie einer vierstelligen Honorarforderung, die binnen 24 Stunden zu begleichen war. Trotz sofortigen Einlenkens der Hydra beharrten die Anwälte auf einer umgehenden Bezahlung."

Noch so einen Angriff würde das unentgeltlich arbeitende Kollektiv finanziell nicht überstehen, heißt es weiter. Am Leben halten will man sich jetzt mit einer Crowdfunding-Kampagne—oder wie die Satiriker es selbst nennen, dem "HYDRA Kraut-Fun-Ding": Fans und Unterstützer werden auf wemakeit.com gebeten, mit ihrer Spende ein vorzeitiges Ende der Hydra abzuwenden. Ziel ist es, 3.000 Euro zu sammeln—nicht nur, um sich in Zukunft eine Rechtsschutzversicherung für mögliche ähnliche Fälle leisten zu können, sondern unter anderem auch als "Zeichen für die Meinungsfreiheit." Wie viel schöner eine Welt mit Hydra ist, veranschaulicht das Video zur Kampagne von Hydra-Mitglied und Immer-wieder-mal-VICE-Autor Maximilian Zirkowitsch am schönsten:

Momentan sieht es gut aus für die Hydra: Binnen kürzester Zeit konnten bereits mehr als zwei Drittel der benötigten 3.000 Euro gesammelt werden—gleichzeitig hat sich die

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Facebook-Pinnwand von Hofer

zu einem kleinen Schlachtfeld entwickelt: Haufenweise Kunden und Hydra-Fans beschweren sich dort über die Vorgehensweise des Konzerns:

Bezirkowitsch selbst scheint ziemlich verblüfft von all den Solidaritätsbekundungen, die ihn und sein Kollektiv in den letzten Stunden erreicht haben: "Wir haben Unterstützungserklärungen von der Titanic aus Deutschland, auch Fritz Jergitsch von der Tagespresse und Steffi Sargnagel haben sich sehr geneigt gezeigt", erklärt er am Telefon. "Und ein bisschen genussvoll stöbert man dann schon auf dem Facebook-Profil der Firma Hofer herum und freut sich über all die Postings—die reichen von 'ich kauf nie wieder was bei euch!' bis zu 'Warum ist das grüne Pesto aus!?'"

Zur Crowdfunding-Kampagne geht's hier. Update: Die Hofer KG hat auf die Kritik an ihrem Vorgehen reagiert—sie wird Hydra das Geld rückerstatten. Hier das Statement von Hofer im Wortlaut:

„Wir dürfen festhalten, dass wir das Magazin 'Hydrazine' zu keinem Zeitpunkt geklagt haben! Unsere juristische Vorgehensweise beinhaltete die Aufforderung zur Löschung des oben erwähnten Facebook-Postings. Die Verbindung zu politischen Gruppierungen widerspricht zu tiefst der Hofer Unternehmenspolitik. Ferner distanzieren wir uns in aller Deutlichkeit von jeglichen politischen Engagements. Das Posting des Magazins überschreitet unserer Überzeugung nach die Grenze der politischen Satire und des ethischen Geschmacks.

Trotzdem und unter Berücksichtigung, dass wir das Magazin finanziell nicht belangen wollen, sind wir nach nochmaliger interner Diskussion zum Entschluss gekommen, die entstandenen Anwaltskosten - die in solchen Angelegenheiten üblicherweise weiter verrechnet werden - dennoch selbst zu übernehmen. Die vom Magazin 'Hydrazine' bereits bezahlten Kosten werden wir vollständig refundieren, sodass keine finanzielle Belastung bleibt."