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Die heulenden Derwische im Kosovo

Jedes Jahr am 22. März treffen sich die Mitglieder des Rifai’i-Ordens, um ein Jahrhunderte altes Ritual zu vollziehen. Dazu gehören stundenlanges Heulen und das Durchbohren der Wangen.

von Michael Biach
24 März 2014, 9:00am

Jedes Jahr am 22. März treffen sich die Mitglieder des Rifai’i-Ordens, einer Sufi-Bruderschaft im Süden des Kosovo, um in ihrem Gebetshaus, der Tekke, ein Jahrhunderte altes Ritual zu vollziehen. Die Sufi-Derwische feiern Nevruz, das regionale Neujahrsfest. Das Datum markiert auch den Geburtstag des Imam Ali, der für die Sufis der Ausgangspunkt einer kontinuierlichen Übertragung des spirituellen Erbes von Allahs Propheten Mohammed ist.

Heulend rufen die Derwische über Stunden den Namen Gottes und tanzen sich langsam in Trance. Zum Höhepunkt des Rituals werden Wangen und andere Teile des Körpers mit Metallnägeln durchbohrt.

„Es handelt sich dabei keinesfalls um eine Art Selbstgeißelung“, versichern die Derwische. Ziel des besonderen Glaubensrituals ist es vielmehr, sich die ständige göttliche Präsenz bewusst zu machen. „Wer den Geist von seinem Körper lösen kann, der kann Gott erkennen und den Weg zur Vervollkommnung gehen.“