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Vice Blog

Auch brasilianische Drogendealer stehen auf Selfies

Es gibt einfach keinen besseren Weg mit seinen Waffen, Goldketten und Frauen zu protzen.

von Eduardo Pininga
19 März 2014, 12:51pm

In einem Versuch, Drogenhandel und andere Verbrechen in ihren Nachbarschaften zu bekämpfen, haben Bewohner brasilianischer Favelas angefangen, Fotos und Videos von Gangkonflikten im Internet zu posten. Beispielsweise zeigt dieses Video, gefilmt von Einheimischen während einem zwei Stunden langen Feuergefecht im Februar, dass offensichtlich Spannungen zwischen den CV- (Comando Vermelho) und TCP- (Terceiro Comando Puro) Banden in Rios Vila-Kennedy-Slum bestehen; eine Warnung an alle Einheimischen, die Gegend zu meiden.

Gangmitglieder nehmen auch an dem Ganzen Teil und nutzen z.B. Facebook, YouTube oder WhatsApp, um sowohl ihre Stärke zu demonstrieren, als auch ihre Gegner zu bedrohen. Die brasilianische Zeitung Folha de S. Paulo benutzte vor Kurzem die Facebook-Profile der Gangmitglieder „Lacosta“ und „Dennis“ als Quellen für einen Artikel über die Rivalität und Konkurrenz um Territorium in den Hügeln von Serrinha, im Osten Brasiliens, und Cajueiro, im Westen Brasiliens. Obwohl beide Männer Berichten zufolge von der Polizei untersucht werden, hat Dennis regelmäßig sein Profil aktualisiert—meine Freundesanfrage hat er aber immer noch nicht angenommen.

Der zunehmende Zugang zum Internet in den Favelas des Landes wurde ursprünglich als Sieg für diese ärmeren Gemeinschaften gesehen, dient jetzt aber als Echtzeitfenster in die Leben derer, die in Drogenverbrechen verwickelt sind.

Und diese Dreistigkeit in sozialen Medien ist nichts Neues. Ende 2012 wurde ein Krimineller namens „Shrek“ festgenommen, nachdem er dank Fotos, die er bei Facebook hochgeladen hatte, identifiziert worden war. Nando Bacalhau, einen Drogenbaron aus Chapadão (im Nordosten des Landes), sah man auf einer Reihe von Bildern, die ihn, seine Bodyguards, seine Waffen, Goldketten und Frauen zeigten—obwohl eine Belohnung von 2.000 Dollar für seine Festnahme ausgeschrieben war. Er wurde, kurz nachdem er das Album hochgestellt hatte, festgenommen.

Ich musste nicht allzu lange suchen, um die Profile von anderen gesuchten Verbrechern zu finden, etwa Marcelo Santos das Dores—der seinem Profil nach ein Entrepreneur im „Handel mit Besos“ („Küsse“) ist. Marcelo ist momentan als Flüchtiger gemeldet, hat jedoch zuletzt am 12. Februar sein Facebook aktualisiert und scheint somit nicht allzu besorgt über seinen Status als gesuchter Mann zu sein.

Beim Durchschauen dieser Profile—manche offensichtliche Fakes—bemerkte ich, dass sie neben der Präsentation auch als Kommunikationsmittel zu anderen mutmaßlichen Händlern dienen. Auf Timelines gepostete Nachrichten, Gruppen und Seiten zeigen Gangmitglieder beim Austausch von Informationen und Drohungen, so offen und scheinbar unbedarft wie deine Tante, die 600 unkommentierte Fotos von ihrem Menorca-Urlaub hochlädt.

Ein Bild, das konstant auftaucht, ist das Batman-Symbol, welches Marcio Jose Sabino Pereira repräsentiert, auch bekannt als Paizão Bat-Gol, Big Daddy Bat-Gol, Mathematician und Astronaut—ein Anführer der TCP, der 2012 in einer der größten Polizeiverfolgungen Brasiliens erschossen wurde. User gedenken ihm und betrauern seinen Tod, indem sie Bilder von speziell angefertigten Waffen und kleinen Koksbeuteln mit Batman-Zeichen posten.

Natürlich haben diese Typen wie der Großteil der restlichen Menschheit auch eine weiche Seite. Die drohende Sprache, die sie gegen die Polizei und Milizien benutzen, kommt meist gemischt mit Kundgebungen, die ihre Leser darüber informieren, dass das, was sie tun, angeblich der Gemeinschaft gut tut.

Aber das muss ich dir nicht sagen; such bei Twitter nach TCP und du wirst selbst sehen, wie es ist.