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Wie du der EM aus dem Weg gehst

Ohne Rihanna bleibt diese EM das langweiligste Sport-Ereignis der letzten Jahre. Eine Anleitung, um dem Ganzen zu entkommen.
14.6.16

Lalala, I can't hear you! Foto: Public Domain & velkr0 | Flickr | CC BY 2.0 (cropped). Montage via VICE Media.

"Gegen wen?", fragte sich das Internet am Tag der Begegnung Österreich-Ungarn in der diesjährigen Männerfußball-Europameisterschaft. So pfiffig und geistreich das auch sein gewesen mag, in Wahrheit müssen wir uns an dieser Stelle ganz anderen, weitaus wichtigeren Unklarheiten stellen: Was? Seit wann läuft das eigentlich schon? Wann ist es wieder vorbei? Was passiert? Wo ist eine Shakira-Hymne, wenn man sie braucht? Und wie kann ich dem Ganzen am besten aus dem Weg gehen?

Sei unbesorgt—wir haben Antworten. Wenn du nämlich einer dieser Menschen bist, die es einfach nicht schaffen, sich auch nur ansatzweise für Fußball zu interessieren—obwohl du eigentlich richtig gerne würdest, weil dieses ganze Gemeinschafts-Ding ja von außen immer ganz lustig aussieht—dann sind wir jetzt schon zu zweit. Und ja, womöglich waren wir beide auch die einzigen Menschen in Österreich, die erst gemerkt haben, dass die EM jetzt läuft, nachdem dieses synchronisierte David Guetta-Eröfnungsvideo viral ging ("I also have headphones!"). Aber das muss man auch erst mal schaffen! Jetzt geht es also darum, diesen Spirit bis Mitte Juli aufrechtzuerhalten—ich weiß, ich weiß, ich hatte auch keine Ahnung, dass es sich so lange ziehen würde, aber was soll man machen. Da müssen wir jetzt durch. Folgende Ratschläge solltest du dir zu Herzen nehmen, wenn du EM-frei durch den Sommer kommen möchtest.

Meide den Rathausplatz

Der Rathausplatz im Juni 2015. Heuer anders. Foto: Martin Darling

Im Normalfall wäre der Rathausplatz in der vergangenen Woche ein bunter Haufen Liebe gewesen und weil du dachtest, dass es auch dieses Jahr im Zuge der Regenbogenparade ein Pride Village geben würde, hast du dich blauäugig auf den Weg dorthin gemacht. WARNUNG: Es ist eine Falle. Eine Fußball-Falle. Die Regenbogen-Einstimmung musste dieses Jahr nämlich in den kleineren Sigmund-Freud-Park ausweichen, um den Rathausplatz für's Public Viewing freizumachen. Das sagt viel über Wiener Prioritäten—aber EM ist immerhin nur alle vier Jahre, da bleibt wenig Platz für Missgunst. Der Durchführung der Parade konnte die verkleinerte Version des Pride Village nichts anhaben, im Gegenteil—das Public Viewing am Rathausplatz bedeutet aber trotzdem, einen größtmöglichen Bogen darum zu machen, wenn du Fußball wirklich gänzlich aus dem Weg gehen möchtest. Und das ist nicht der einzige Ort, den du meiden solltest.

Striktes Donaukanal-Verbot

Foto: Joadl | Wikimedia Commons | CC BY-SA 3.0 AT

Der Donaukanal und alles um ihn herum ist im Wiener Sommer einer der Plätze, an denen du mindestens einmal landen wirst, ob du nun willst oder nicht. Sei es zum Vorglühen, zum Nachglühen oder weil jemand aus deinem Freundeskreis es als angenehm empfindet, Sand zwischen den Zehen zu haben und dich in eine "Strandbar" verschleppt. Leider sind die Lokale entlang des Donaukanals ein äußerst fruchtbarer Nährboden für Fußballübertragungen—die Bildschirme sprießen dort nämlich in einer Dichte aus den Wänden, die ein Entkommen nahezu unmöglich machen.

Keine Zugreisen

Solltest du innerhalb der nächsten Wochen planen, aufs Land zu reisen, deine Eltern zu erschrecken oder spontan ein Festival zu crashen—vergiss es. Wenn du das echt durchziehen möchtest, musst du entweder mit dem Auto fahren, einen Radausflug machen oder—Gott bewahre—in Meidling zusteigen. Denn ja, auch der Hauptbahnhof, dieses unfassbar riesige Gebäude, das einen mit seiner elektrisierenden Flughafen-Atmosphäre erschlägt, wurde zur Public Viewing-Zone erklärt. Einige Menschen wollen die Welt einfach nur brennen sehen.

Schlaf nicht in der U2 Richtung Seestadt ein

Statistisch gesehen hast du sowieso keinen triftigen Grund, überhaupt in die Seestadt zu fahren, weil du nicht dort wohnst. Abgesehen davon hat ein einmaliger Badeausflug schon gereicht, um zu wissen, dass du erst dann zurückkehren wirst, wenn die Bäume dort Schatten werfen. Was wiederum bedeutet: Der einzig logische Weg, der dich irgendwie in die Seestadt bringen könnte, führt über die Abzweigung Unfreiwilligkeit. Und die liegt gefährlich nahe an dem Örtchen Ich-bin-rotzfett-in-der-U-Bahn-eingeschlafen.

Warum du nicht in die Seestadt solltest, kannst du dir an diesem Punkt bereits denken—die haben dort Public Viewing. Du hast also zwei Möglichkeiten: Prinzipiell nicht in die U2 Richtung Seestadt einsteigen, weil man weiß ja nie, oder einfach wach bleiben. Immer. Beide Optionen sind nicht gerade unaufwändig, aber hey, immerhin bist du hier derjenige, der offenbar alles tun würde, um der EM zu entkommen. Ich versuche ja nur, dir bei diesem wahnwitzigen Vorhaben zu helfen.

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Aber mal ehrlich: Normalerweise gibt es doch in jedem Fußball-Event einen Aspekt, einen Funken, der früher oder später auch auf Normalos überschlägt und es letztendlich doch noch schafft, alle anzuzünden. Goleo VI, Vuvuzelas, irgendwas, das Spaß macht. Die aktuelle EM wirkt aber nochmal ein Stückchen uninteressanter als alles bisher Dagewesene—und das, obwohl es in Österreich diesmal sogar sowas Ähnliches wie Team-Spirit gab und Jogi Löw kurz ein Ding war. Wir alle wissen, dass es jetzt nur noch eine Person gibt, die uns aus dieser faden Misere rausholen kann.

Bete für Rihanna

The shooter aka My hitta — Rihanna (@rihanna)14. Juli 2014

Rihanna, Süße, wo zur Hölle steckst du? Seit der letzten Fußball-Weltmeisterschaft vor zwei Jahren wissen alle und ihre Mütter, dass Fußball dein Leben ist. Dein Live-Ticker zu jedem Match bekam fast mehr mediale Aufmerksamkeit als die Spiele selbst, jeder Tweet war eine kleine Offenbarung und dein Enthusiasmus gegenüber allen Teams hat uns daran erinnert, wie so eine Meisterschaft eigentlich ablaufen sollte. Du hast hat die WM 2014 für eine Zielgruppe unterhaltsam gemacht, die eigentlich rein gar nichts mit Fußball anfangen kann.

Ich würde ja nichts sagen, wenn du gerade auf Urlaub wärst—und Gott weiß, du bist oft auf Urlaub. Aber gerade tourst du durch Europa, es ist Fußball-Europameisterschaft, und was machst du? Nichts. Kein einziger Tweet, kein Selfie, kein beleidigender Kommentar in Schiri-Richtung. Und mit jeder Minute, in der du dich weiterhin in Schweigen hüllst, vergeht eine Minute, in der diese EM einzig und allein David Guetta gehört. Verdammt Riri, tu endlich was.

Twitter mit Franz über alles außer der EM: @FranzLicht