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Fotos

Erinnerungen an Jouku Lehtola

24.9.10

Jouko Lehtola, einer unserer Favoriten unter allen Fotografen ist vergangene Woche verstorben. Er hat die wohl eindrucksvollsten und ehrlichsten Fotos von Jugendlichen in Finnland geschossen, die wir jemals gesehen haben und hatte die Fähigkeit eine Stimmung zwischen ihm und dem Motiv seiner Fotos zu generieren, so das der Moment perfekt eingefangen wurde. Wir hatten zwei Bilder seines Buches Finlandia in unserer Foto Issue 2007 gefeatured und er schoss für uns den Fotoshoot auf auf Big Calf Island. Wir hätten gerne mehr mit ihm gemacht, aber nun ist es leider zu spät. Stattdessen haben wir unsere Lieblings-Fotos von ihm zusammengestellt und unsere Skandinavischen Freunde gebeten, ihrer Erinnerungen an ihn niederzuschreiben.

„Ich glaube, dass es Sanna Charles war, die mir als erste von Jouko Lehtola erzählte und seitdem habe ich ihn und seine Arbeit immer bewundert. Ich bewundere sie nicht nur, weil er wunderschöne, einfache und ehrliche Fotos machte, sondern weil er einer der anständigsten, normalsten Menschen war, die ich jemals kennenlernen durfte. Er ist der Typ, den man mitten in der Nacht vollkommen panisch auf der Suche nach Fotos anrufen konnte - etwas, dass ich häufig tat - und er einem nur antwortete „Nun, es fahren keine Buse mehr, aber lass mich nur kurz warten, bis der Schneesturm nachgelassen hat und ich fahre mit dem Fahrrad ins Studio. Morgen früh muss ich eh ziemlich früh zum Flughafen, es passt mir also perfekt in den Zeitplan.“ Das ist eine wahre Geschichte. Ich hatte ihn zuvor niemals getroffen und dennoch hat er mir immer ausgeholfen. Ich kann es mir gar nicht vorstellen, was es für die Leute die ihm nahestanden bedeutet, ihn verloren zu haben.

Elin Unnes, frühere Vice Chefredakteurin.

„Es kommt mir vor, als wäre es gestern gewesen, als Elin mir eine Mail schickte, in der sie mich fragte, einen Foto-Shoot mit Jouko Lehtola zu koordinieren. Es hat mich wahnsinnig nervös gemacht, denn für mich war er eine lebende Legende. Er war für mich unberührbar. Wir alle kannten seine Bilder aus dem Buch Finlandia, in dem er die Finnische Jugend in ihrer Umgebung porträtierte - jung, betrunken und mit einem Anflug Verzweiflung. Ich habe also einen Termin mit Jouko ausgemacht, aber habe mich verlaufen und kam wahnsinnig spät zu unserem Treffen. Ich erwartete eigentlich nur ein „verpiss dich“, aber als er die Tür öffnete begrüßte er mich einfach herzlich und witzelte meine Nervosität einfach weg.

Am Tag des Shoots beobachtete ich ihn bei der Arbeit; er brachte die Models dazu einen Schritt weiter zu gehen, als sie es eigentlich gewohnt waren und schaffte es dennoch sie in die richtige Stimmung zu bringen. Nackt zu sein war nur ein Aspekt des ganzen, doch statt einer gezwungenen Atmosphäre erschuf er ein entspanntes und vollkommen natürliches Umfeld. Auch als es Abends wurde, wurde Jouko nicht langsamer. Ich glaube nicht, dass er Shoot jemals geendet hätte, wenn nicht die Batterien seiner Kamera schlapp gemacht hätten. Alle wollten einfach nur ihre Sachen packen und ein Bier trinken, aber Jouko war ernsthaft niedergeschlagen. Für ihn war Fotografie etwas, das mit der Stimmung und der Energie des Momentes zu tun hat und solange existieren kann wie man will und nichts mit der Kamera, die man an und ausschaltet. Ich schätze mich glücklich, ihn kennengelernt zu haben und bin mir sicher, dass er von vielen vermisst wird.

Timothy Kühn, früherer Vice Mitarbeiter