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Musik

Friends in anderen Dimensionen

Man sollte seiner Band seit den Neunzigern eigentlich nicht mehr den Namen „Friends“ geben.

von Zora Beer
22 Juni 2012, 10:00am

Man sollte seiner Band seit den Neunzigern eigentlich nicht mehr den Namen „Friends“ geben. Da denken alle an Ross und Rachel und fragen einen „How are you doin?“ während sie versuchen, mit schmieriger Eleganz die Augenbraue hochzuziehen. Und auch wenn sie Neunziger Klischees lieben und in Ehren halten, so haben die fünf New Yorker (zum Glück) nichts mit ihnen zu tun. Sie klingen wie eine Band aus Brooklyn derzeit klingen muss, nach entspannter Elektromusik mit Indieschlagseite und um das Ganze auf die Spitze zu treiben, singt bei ihnen eine umwerfend heiße Dame, die zu der Zeit des Interviews noch in anderen Sphären weilte. Der Rest von Friends eröffnete uns dafür neue Einblicke in andere Dimensionen.

VICE: Hier fehlt doch jemand.
Nicki: Samantha unsere Sängerin. Wir dürfen nicht verraten wo sie gerade ist. Ist auch egal.

Was hast du letzte Nacht geträumt?
Lesley: Oh Scheiße. Der Traum war ziemlich verrückt. So verrückt sogar, dass als ich aufwachte, ich mir den Rekorder nahm, um den Traum nicht zu vergessen. Mein kleiner Bruder kam darin vor. Er ist zwölf, aber im Traum war er sechs oder so und wir lebten in New York, wo ich auf ihn aufpasste. Es war Nacht und es regnete und jemand, der nicht wirklich existiert, versuchte mich umzubringen. Ich lief nachts in New York die Straße entlang und konnte fühlen wie jemand hinter mir ist und da war dieser Typ mit einem Messer. Ich wusste einfach, dass er mich töten wollte. Der Traum fühlte sich unglaublich real an. Als ich aufwachte, war ich so erleichtert, dass es nur ein Traum war.

Nimmst du verrückte Träume immer auf?
Lesley: Normalerweise schon. Ich nehme oder schreibe sie auf.

Werden da dann Songs draus?
Lesley: Bei Friends bin ich nicht für die Songs verantwortlich.


Wer dann?
Nicki: Samantha macht das Meiste. Sie summt oder singt andauernd Dinge in ihr iPhone, damit sie sie nicht vergisst. Sie wirkt dabei manchmal etwas unheimlich und sehr verwirrend auf Menschen. In der U-Bahn setzten sie sich dann von ihr weg zum Beispiel.

Dann kann ich gar nicht über Stay Dreaming mit euch reden? Keiner von euch hat es geschrieben.
Nicki:
Versuchs trotzdem mal.

Ich finde, es ist das beste Stück auf der Platte. Jetzt ihr.
Oliver: Eigentlich klang der Song ursprünglich völlig anders. Mehr wie ein U2 Stück.
Nicki: Gab es nicht sogar drei verschiedene Versionen?
Matthew: Ja ja. Ich habe sie alle auf meinem IPod.
Oliver: Nicki spielte da zuerst Gitarre und wechselte dann zum Keyboard. Auf einmal hatte das ganze Stück mehr so einen 80s-Vibe. Ich dachte an Peter Gabriel oder so. Das ist jedenfalls das, was ich mit den Drums versuche rüberzubringen. Gehört auch zu meinen Lieblingsstücken.
Nicki: In der ersten Version von Stay Dreaming ist der Text noch anders.
Matthew: Oh ja, es geht um Samanthas Freund und der Text änderte sich mit dem Stand der Beziehung.
Nicki: Nein der Typ war nicht ihr Freund.
Matthew: Sie hat ihn ständig als ihren Freund bezeichnet.

Ist es der gleiche Typ, über den es in I’m his Girl geht?
Lesley: Ja genau. Sie haben eine offene Beziehung oder so.

Offene Beziehungen sind keine richtigen Beziehungen.
Lesley: Darum geht es irgendwie in I’m his Girl. Darum, dass man mit jemandem zusammen ist, aber machen kann, was man möchte, dass man zu jemandem gehört, aber nicht jemandem gehört.
Matthew: Samantha braucht diese Art der Beziehung. Ich finde es immer kompliziert.
Lesley: Ich kann das auch nicht.

Hört ihr euch euer Album gerne an?
Matthew: Ich hab die gemasterten Versionen noch gar nicht gehört
Lesley: Nachdem wir fertig waren und es gemastert wurde, wartete ich zwei Wochen und dann habe ich mir die ganze Platte einmal angehört. Seitdem habe ich es nicht mehr gehört.
Matthew: Man verbringt einfach zu viel Zeit mit Stücken. Ich werde es mir bestimmt noch Mal anhören, aber nicht im Moment.
Oliver: Man denkt sich auch jedes Mal, so würde ich das jetzt nicht mehr machen und das ist irgendwie scheiße, da macht das Hören keinen Spaß.
Lesley: Ich kann gar nicht sagen, wie ich das Album finde. Manche Stücke spiele ich nicht mal gerne live.
Nicki: Welchen Song auf dem Album magst du gar nicht?

Mindcontrol. Der klingt sehr künstlich und erinnerte mich ein wenig an – wollt ihr das wirklich wissen ? – irgendetwas von Gwen Stefanie.
Lesley: Das Stück sollte gar nicht aufs Album, aber das Label wollte, dass es die nächste Single wird.
Matthew: Mich erinnert es sehr an Groove is in the Heart.

Was lest ihr so?
Lesley: House of Leaves ist ein großartiges Buch. Das sollte jemand mal verfilmen und wir könnten dann den Soundtrack machen.

Worum geht es?
Lesley: Es ist ziemlich kompliziert. Es gibt dieses Haus durch das man in eine andere Dimension gelangt. Es ist sehr düster und depressiv geschrieben und ab und an verwirrend, aber ich mag so etwas.
Nicki: Warum wurde das Buch noch nicht verfilmt?
Oliver: Sie haben glaub ich einen Fernsehfilm draus gemacht. Ich habe nie verstanden, warum alle so begeistert davon sind.
Lesley: Es ist eine geniale Coming of Age Geschichte. Ich habe es allerdings mit elf gelesen. Du bist spät dran damit.

Was ist das merkwürdigste, dass euch als Band jemals passiert ist.
Nicki: Unser Bandbus brannte.

Was?
Nicki: Wir waren unterwegs auf Tour in diesem alten Bus und wurden von der Polizei angehalten. Sie schrien uns an: Raus aus dem Fahrzeug. Es brennt.
Oliver: Es war kalt und wir waren mitten im Nirgendwo. Die meisten Sachen konnten wir retten. Ein paar waren angeschmolzen. Der Bus war natürlich ruiniert. Irgendetwas war mit den Bremsen kaputt und es gab Funken oder so.
Lesley: Wir verpassten tatsächlich nur eine Show und mussten in dieser merkwürdigen Kleinstadt in Wyoming übernachten.
Friends Manifest! ist bei Cooperative Music erschienen.

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