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Wir haben mit den Machern hinter dem Merkel-Lesben-Video gesprochen

Mit ‚STRAIGHT' soll sich ein neues Lifestyle-Magazin für die Belange von homosexuellen Frauen einsetzen—und der erste Werbespot hat es in sich.
21.7.15

Die Kamera schleicht sich an die Tür eines Hotelzimmers heran. Das Bild ist schwarz-weiß, wirkt sehr stilisiert. Aus dem Off hört man eine Stimme, die die Legalisierung der Homo-Ehe verkündet. Auf dem Bett sitzt eine Frau mittleren Alters, ganz am Rand. Sie fährt sich durch den kurzen Bob und macht den Verschluss ihrer Kette zu. Eine dunkelhaarige Frau kommt von hinten an sie heran, umarmt sie, und schließt ihr Kleid. Ein Bild von Intimität und Glück. Nur: Die Frau auf der Bettkante sieht Angela Merkel zum Verwechseln ähnlich. Unserer Bundeskanzlerin, die sich immer wieder entschieden gegen das Recht von Homosexuellen auf eine ganz normale Ehe ausspricht. Und die dürfte über diesen Clip nicht gerade amüsiert sein.

Mit dem kurzen Werbespot soll STRAIGHT beworben werden. Ein neues Lifestyle-Magazin, das sich explizit an lesbische Frauen richtet. In den sozialen Netzwerken wird das Video gefeiert, mehrere Nachrichtenseiten haben es bereits aufgegriffen und ganz im Allgemeinen kann man sich als Medienschaffender wahrscheinlich keinen besseren Start für ein neues Print-Produkt wünschen. Grund genug, mal bei den Damen und Herren hinter STRAIGHT nachzufragen, wie es eigentlich zu dem kontroversen Spot gekommen ist—und was sich die lesbische Community von Angela Merkel wünschen würde.

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Ganz Europa hasst Merkel? Ja, bis auf diese Frau… — STRAIGHT magazine (@STRAIGHT)16. Juli 2015

VICE: Wie kam die Idee zum Spot zustande?
Felicia Mutterer: Wir wollten etwas Unterhaltendes machen. Das war die Vorlage. Und unser Grafik-Designer Andreas Pietsch hatte dann in einer unserer Teamsitzung diesen famosen Geistesblitz. Wir waren alle begeistert. Ich habe mich dann sofort ans Telefon gesetzt und die Doppelgängerin von Angela Merkel von unserem Vorhaben überzeugt.

Jemanden zu finden, ist eigentlich kein Kunststück. Es gibt Agenturen. Die Doppelgängerin jedoch für den Spot und die Szenen zu begeistern, das ist dann doch eine kleine Herausforderung. Aber das zeigt ja auch, dass wir mit dem Spot den Zeitgeist treffen. Er funktioniert. Das freut uns.

Wie war das bisherige Feedback?
Super Feedback! Wir sind ganz glücklich, dass der Spot so positiv aufgenommen wird. @Medienheld schrieb zum Beispiel auf Twitter: „Wie gute Werbung geht zeigt @Straight." Und natürlich werten wir es auch als super Zeichen, dass so viele den Spot toll finden und das Video teilen. Wobei ich zugeben muss, dass unsere Mütter es anfangs kritisch sahen, dass wir Frau Merkel so in Szene setzen. Das hat etwas Aufklärungsarbeit gekostet. Mittlerweile lachen auch sie und mögen den Spot gern.

Merkel hat zuletzt im Interview mit LeFloid betont, dass die Ehe für sie nur zwischen Mann und Frau existieren kann. Was würdet ihr ihr entgegnen, wenn ihr die Chance auf eine Diskussion mit ihr zu diesem Thema hättet?
Ich würde Frau Merkel raten, die Stimmung in der Bevölkerung zu lesen. Es gibt großen Rückhalt von der Mehrzahl der Deutschen. Laut der repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov sind die meisten der Befragten für die Gesetzesänderung einer Ehe für alle—und zwar „voll und ganz". Es ist auch für mich nicht nachvollziehbar, warum diese Unterscheidung zwischen Mann-Frau und Frau-Frau weiterhin beibehalten werden soll.

Denn Aussagen, die ein Lebensmodell als minderwertig erachten, sind schlichtweg beleidigend und für eine christliche Partei wie die Union doch mehr als fragwürdig. Die offenkundige Arroganz in der Haltung, wie zum Beispiel von Erika Steinbach, die twittert „allen militanten Homoaktivisten: Die Welt besteht nicht nur aus ihrer Meinung! Meinungsfreiheit gilt für alle!" sind haltlos. Hier wurde nicht verstanden, dass es um Menschenrechte und Akzeptanz geht. Menschen und Gesellschaften entwickeln sich und offenbar hinkt da die Union hinterher, Frau Merkel.

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Aufgrund ihrer Position als einer der mächtigsten (wenn nicht die mächtigste) Frauen der Welt wäre Angela Merkel doch eigentlich in der idealen Position, Frauenrechte voran zu treiben. Findet ihr es schade, dass sie diese Chance nicht so richtig wahrnimmt?
Die Bundeskanzlerin sieht ihre Rolle offenbar nicht darin, sich explizit für Frauen stark zu machen. Wir sind aber ja auch selbst stark genug und setzen uns mit ganzer Kraft für uns ein, nicht zuletzt jetzt mit STRAIGHT. Wir sind in erster Linie Lifestyle, doch dass dazu auch Politik gehört, ist klar. Da kommt es auf die Dosis an.

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