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Donald Trumps lockere Telefonate rauben Diplomaten den letzten Nerv

"Er macht sich so nicht nur zum Elefanten im Porzellanladen, sondern zum Elefanten im Porzellanladen einer nuklearen Großmacht."

von VICE Staff
05 Dezember 2016, 11:15am

Foto: Gage Skidmore | Flickr | CC BY-SA 2.0

Donald Trumps US-Präsidentschaft wird aus vielen Gründen etwas sein, das es so noch nie gegeben hat. Er ist zum Beispiel der erste designierte US-Präsident, der weder jemals ein gewähltes, politisches Amt innehatte noch Militärdienst geleistet hat.

Trump hat von Beginn seines Wahlkampfs an nie einen Hehl daraus gemacht, dass ihm alle Regeln und der normale Ton der Politik egal sind. Und auch nach seinem Wahlsieg am 8. November ignoriert er weiterhin alle Gepflogenheiten, die die 44. US-Präsidenten vor ihm etabliert haben.

Offizielle Telefonate bilden da keine Ausnahme. So nahm Donald Trump vergangenen Freitag einen Anruf der Taiwanesischen Präsidentin Tsai Ing-wen an. Dabei hat die US-Regierung nach 1979 alle diplomatischen Beziehungen zu Taiwan abgebrochen.

Grund dafür ist die sogenannte "One China"-Politik, die Präsident Nixon 1972 als Teil seiner historischen Annäherung an China einführte. Sie besagt, dass Taiwan weiterhin eine Provinz Chinas ist und deswegen nicht als eigenes Land gilt.

Egal, welche Motive jetzt auch hinter diesem Anruf stecken könnten, er hat China auf jeden Fall gar nicht geschmeckt und wird das sowieso schon angespannte Verhältnis zwischen den beiden Weltmächten noch weiter verkomplizieren.

Ned Price, ein Sprecher des United States National Security Councils, reagierte folgendermaßen auf den Anruf: "Unsere langjährige Linie in Bezug auf die Beziehungen zwischen China und Taiwan hat sich nicht geändert. Wir werden nicht von unserer 'One China'-Politik abweichen, die auf den drei Kommunikees sowie dem Taiwan Relations Act beruht. Unser grundlegendes Ziel ist ein friedliches und stabiles Verhältnis zwischen China und Taiwan."

"Er macht sich so nicht nur zum Elefanten im Porzellanladen, sondern zum Elefanten im Porzellanladen einer nuklearen Großmacht."

Donald Trumps freimütige und oftmals ungehobelte Art zu reden war einer der Hauptgründe, warum so viele Leute überhaupt für ihn gestimmt haben. Und auch jetzt als designierter US-Präsident macht Trump bei den Telefonaten mit der politischen Führungsriege dieser Welt keine Anstalten, sich zu ändern. Es ist jedoch genau dieser ungezügelte Smalltalk, der laut der New York Times einigen Diplomaten nun Kopfzerbrechen bereitet.

- Als Trump zwei Tage nach seinem Wahlsieg bei der britischen Premierministerin Theresa May anrief, meinte er zu ihr: "Geben Sie mir doch Bescheid, wenn Sie mal in den USA sind." Normalerweise ist das britische Regierungsoberhaupt die erste oder zweite Person, die der neugewählte US-Präsident anruft. Laut der Times stand May auf Trumps Liste jedoch nur an zehnter Stelle.

- Trump bezeichnete Pakistans Premierminister Nawaz Sharif im persönlichen Gespräch ganz nonchalant als "großartigen Typen". Trump würde außerdem liebend gerne mal "in das fantastische Land mit fantastischen Menschen" kommen. Das geht aus einer von der pakistanischen Regierung veröffentlichten Zusammenfassung des Telefonats hervor.

- Trumps Telefonat mit den australischen Premierminister Malcolm Turnbull fand erst statt, nachdem der weltbekannte Golfer Greg Norman die Handynummer des designierten US-Präsidenten an den australischen Politiker weitergegeben hatte. Das berichtet CNN.

Es gibt jedoch noch andere Telefongespräche, die etwas besorgniserregender sind. So lud Trump am Freitagmorgen auch Rodrigo Duterte, den kontroversen und unverblümten Präsidenten der Philippinen, für nächstes Jahr ins Weiße Haus ein. Laut Reuters beschrieb einer von Dutertes Assistenten das Telefonat als "sehr angenehm" und "lebhaft".

Trump und Duterte wurden aufgrund ihrer schonungslosen Rhetorik und ihrer populistischen Zügen schon öfters miteinander verglichen. Der philippinische Präsident befindet sich mit seinem rigorosen Vorgehen gegen Drogen jedoch noch mal auf einem ganz anderen Level: Seit seiner Amtsübernahme setzt er vor allem auf außergesetzliche Tötungen sowie willkürliche Festnahmen—ein Vorgehen, das schon mehr als 3.000 Menschen das Leben gekostet hat. Dutertes Wut richtet sich inzwischen auch vermehrt gegen lokale Journalisten, die ebenfalls ins Fadenkreuz geraten könnten, wenn er sie als "korrupt" einstuft.

Normalerweise folgen US-Präsidenten bei ihren Telefongesprächen mit anderen politischen Oberhäuptern immer den bedachten Vorgaben des Außenministeriums. Trump ist allerdings nicht gerade dafür bekannt, sich an irgendwelche Vorgaben zu halten.

"Wenn er diese ganzen wichtigen Gespräche weiterhin mit einer solch ungezwungenen Einstellung angeht, dann läuft er Gefahr, nicht ernst genommen zu werden", erklärte Daniel F. Feldman, ein ehemaliger Vertreter des US-Außenministeriums, gegenüber der New York Times. "Er macht sich so nicht nur zum Elefanten im Porzellanladen, sondern zum Elefanten im Porzellanladen einer nuklearen Großmacht."

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