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Fotos

Ein Interview mit Ben Ritter

2.8.10

Meine Lieblingsanekdote über Ben Ritter passierte vor Jahren auf seiner Hausparty. Ein gemeinsamer Freund zeigte uns sein brandneues, unheimlich buntes Haitattoo. Wir flippten vollkommen wegen der grellen Farben aus und nachdem wir uns endlich  wieder eingekriegt hatten, sagte Ben mit seiner ruhigen Stimme: „ bald wird das ganze verwelkt sein.“ BOOM! Nun ja, das war die Wahrheit und sie tat weh, insbesondere dem Tattoobesitzer. Ben ist ein ehrlicher Mensch und das erkennt man auch sofort in seinen Photos.

Er steht nicht besonders auf Digitalebearbeitung. Er fängt den Moment ein und lässt seine Aufnahmen als wilde kultige Erinnerungen leben, anstatt die Vergangenheit zu manipulieren. Er hat ein geübtes Auge für Geschehnisse und ist geschickt darin, mit jedem seiner Bilder Einen zu fesseln. Er war clever genug Photographie zu seinem Beruf zu machen, den er überaus ernst nimmt. Für mich ist Photographie so etwas wie „hmmmm OK“, aber die Art in der Benny darüber spricht fühlt sich für mich  eher wie „ooooooohhhhh, KLICK!“ an.

Vice: ich habe einen guten Freund von dir gefragt, worüber ich dich am besten ausfragen soll. Seine erste Antwort war: „frag ihn wie es ist, ein Grufti zu sein“. Ein guter Freund, nicht?

Ben Ritter: Ja, als Jugendlicher war ich ein Grufti.

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Nun weiß ich das und frage mich, wie hat wohl Ben ausgeschaut?

Ich war halt ein Grufti.

Nein, ich glaub dir deine Gruftivergangenheit. Ich wünschte bloß, ich wäre auch da gewesen.

Hey, nicht mal ich will wieder da sein. Ich stand auf verrückten Mädchen und es war der einzige Weg, mich für sie attraktiv zu machen.

Ein guter Punkt. Jeder hat seine Tricks.

Es ist etwas, was nie vorbeigehen wird. Wir werden immer etwas anstellen müssen um die Mädchen dorthin zu kriegen, wo wir sie haben wollen. Es ist die Natur!

Dies war ein frecher Kommentar, aber wenn ich darüber nachdenke frage ich mich, wie sich sowas in deiner Arbeit widerspiegelt.

Ich bin mir nicht sicher, ob es sich visuell widerspiegelt. Allerdings gab es da eine Zeit in meinem Leben, die meine Persönlichkeit und meine Zukunft beeinflusste. Uns so ist es: trage niemals einen Anzug und habe einen riesigen Mittelfinger für die übrige Welt. Das hört sich jetzt zwar so leichtherzig an, stimmt aber.

Wenn ich über deine professionelle und persönliche Arbeit nachdenke, denke ich an Bewegung. Du bist ein echter „Momentmensch“. Es braucht nur den  Bruchteil einer Sekunde, in der du einen Look oder eine Laune auffängst. Dieser Moment sieht dann meistens sehr aufregend, wild und lustig aus, trägt jedoch auch eine unterschwellige Dunkelheit in sich.

Nun, ich mag es wenn schöne Menschen üble Dinge verrichten. Das macht es so besonders und ästhetisch. Nicht alles muss prosaisch sein, aber ich möchte, dass die Leute den Fokus meiner Linse erkennen.

In deinen Bildern ist viel Glück zu finden.

Die meisten Bilder schieße ich, wenn ich bei guter Laune bin. Wenn ich schlecht geschlafen habe, lasse ich die Kamera in der Tasche.

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Hast du drei Lieblingsphotos von dir?

Da bin ich mir nicht so sicher. Ich mag meine Arbeit mehr als ein Ganzes.

Echt? Schaust du dir nie deine vergangenen Arbeiten an?

Eines Tages habe ich eine Box mit den Photos gefunden, die ich in der Schule geschossen habe. Ich habe diesen Moment gehasst. Ich will die Bilder nicht mal wegschmeißen, weil sie jemand finden könnte. Ich brauche einen Schredder. Es sind übrigens  die Bilder, über die wir gerade sprechen.

Das ist schön. Aber ich habe grade über eine deiner Arbeiten gesprochen. Warte. Bedeutet es, dass du automatisch die neuen Arbeiten von Dir magst?

Manchmal kommen schlechte Tage, da muß man durch. Meinen Schlaf verliere ich jedoch, wenn ich daran denke was ich noch alles vollenden möchte und vor allem wie. Im ernst, ich mag meine Arbeiten aus der Vergangenheit, ich habe bloß in den letzten zwei Jahren große Fortschritte gemacht, also sehe ich sie jetzt mit anderen Augen.

Wann kam es denn eigentlich zu deinem Durchbruch?

Ich benutze nun das Wort, das ich nicht sonderlich mag, aber ich glaube, dass meine Arbeiten früher eher “organisch” waren. Ich kann mich zwar nicht an den EUREKA Moment erinnern, aber wenn ich meine Portfolios und Wesbites update, fällt es mir immer schwerer meine alten Arbeiten auszusortieren. Weil sie auch nicht so alt und immer noch gut sind. Ich habe es also nicht gemerkt, wann meine beste Zeit kam.

Kommen wir zu den wichtigen Themen: Meistens arbeitest du von Zuhause aus. Nackt. Wie lange bist du denn so nackig am Tag?

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Ich bin kein großer Nudist, aber ich habe einige gute Arbeiten nur mit einem Handtuch um die Hüfte gemacht.

Wie lange, war die Frage.

15 Arbeitsstunden in der Woche können ruhig in einem Handtuch verbracht werden. Das hängt davon ab, was so alles passiert. Manchmal gehe ich aus der Dusche und dann fängt es an: E-Mails, Photoshop, Rechnungen und dann ist schon drei Uhr und ich habe immer noch mein Handtuch um. So drücke ich meine Freiheit aus.

Oh ja, ich kenne das. Ich habe auch unzählige Tage im Handtuch oder auch nackt verbracht. No boss = no clothes!

Das sollte meine Atwort sein. Nein, das ist meine Antwort.

Was ist deine lieblings Nationalität?

?

…ich meine, Essen!

Ich werde mein Hirn zertrümmern um dir einen lustigen Namen zu geben. “Klappt nicht. Mexikanisch wenn ich in Kalifornien bin, Italienisch in New York.” Mexikanisch in NYC ist nicht besonders.

OK, hier ist was Lustiges. Du hast die Wahl: Du sollst für ein Jahr Photographie (also das was du liebst) oder Koriander (das was du am meisten auf der Welt hasst) aufgeben.

Also müsste ich Koriander essen und mit meiner Karriere abschließen?

Ich bin mir nicht sicher ob es vom ganzen Essen oder nur von einem kleinen Stückchen abhängt, aber wie ich es verstanden habe, könnte es dein komplettes Essen ruinieren.

Ja, ein kleiner Bruchteil könnte ein ganzes Burrito ruinieren. Warte, habe ich denn keine Wahl? Warum bin ich  überhaupt in dieser misslichen Lage gelandet?

Weil wir 2012 haben und die Außerirdischen gelandet sind, um mit bekloppten Regeln unser Leben zu ruinieren.

Haben Außerirdische vielleicht einen guten Job für mich? Was ist wenn sie irgendwelche Hobbys haben, in den ich so gut bin, dass ich eine Karriere starten kann?

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Nö.

Also stellen sie nicht an. Dann bleibt mir derselbe Photojob, den ich nun beenden muss?

Oh mein Gott, ist denn dein Plan Außerirdische mit Fragen zu bombardieren, bis sie aufgeben und dir einen Job als Photograph geben?

Wenn du es mir sagst, dann werde ich den Scheiß aus den Außerirdischen rauskloppen und dann ist alles getan.

Ich glaube du hast meine Fragen beantwortet vor allem die zu deiner Persönlichkeit.

Ich mag einfach kein Koriander!