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The VICE Guide to Europe 2014

Die englische Hauptstadt kann mehr als Buckingham Palace und Binge-Drinking

Londoner sind ständig betrunken und haben die höchste Kokain-Konsumrate Europas. Wenn du dich trotzdem hintraust, dann solltest du unsere Tips lesen.
17.7.14

Foto: Jamie Lee Curtis Taete

In vielerlei Hinsicht ist London die übelste Stadt der Welt: Sie ist teuer, grausam, verbittert und affektiert. Aber auf viele Arten ist es auch die beste: ein kulturelles Kraftpaket, wo Leute wissen, wie man verdammt lange wach bleibt und im Minutentakt neue Arten von Dance Music erfindet. Und in den letzten 20 Jahren haben sie auch noch endlich verstanden, wie man richtig gutes Essen macht! Es gibt viele Homosexuelle, wenig Rassisten, und alle trinken gerne. Gleichzeitig gibt es aber auch viele Oligarchen, wenig soziale Mobilität, und alle trinken gerne bei dämlichen komerziellen Straßenfestivals. Wie auch immer. Das ist dein Guide für die netten Teile der Stadt (und ein paar beschissene).

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Zu den einzelnen Rubriken:

FEIERN
WIE SIEHT’S AUS MIT DROGEN?
POLITIK, DEMOS UND WIE RASSISTISCH SIND DIE LEUTE HIER?
ESSEN
WAS ESSEN DIE EINHEIMISCHEN?
TRINKEN
ÜBERNACHTEN
LGBT LONDON
ORTE, DIE AUCH NÜCHTERN SPASS MACHEN
WIE DU NICHT ZUSAMMENGESCHLAGEN UND AUSGERAUBT WIRST
WIE DU DICH NICHT WIE EIN BESCHISSENER TOURIST VERHÄLTST
LEUTE UND ORTE, DIE DU MEIDEN SOLLTEST
TRINKGELD UND SÄTZE, DIE DU KENNEN SOLLTEST
EINE YOUTUBE-PLAYLIST MIT FRAGWÜRDIGER EINHEIMISCHER MUSIK
DER VICE-STADTPLAN

London langweilt dich jetzt schon? Hier haben wir noch 15 andere Städte-Guides.

Foto: Will Coutts

FEIERN

Bussey Building, Peckham
133 Rye Lane, SE15 4ST
Das Bussey ist Bar, Veranstaltungsraum und Galerie zugleich und erstreckt sich über vier Stockwerke. Am bekanntesten ist es aber als der Club mit dem breitesten musikalischen Spektrum. Es kostet normalerweise weniger als £5 Eintritt, die Leute sind schön und der Raucherbereich allein ist größer als manch anderer Club. Wenn du Glück hast, wird dein London-Aufenthalt mit Soul Train zusammenfallen. Bei dieser Veranstaltung, die das Bussey zwei Mal im Monat hostet, wird Disco und House gespielt, der für gute Vibes sorgt. Es ist im Prinzip, als wärst du high auf einer Hochzeit auf einem Parkplatz gefangen, auch wenn du gar nicht auf Drogen bist. Eine Alternative gleich nebenan ist das Canavan’s, eine Karaoke-Pool-Bar mit kürzlich upgegradetem Soundsystem und jeder Menge Typen aus Irland, die keine Ahnung haben, was Feminismus ist. Außerdem hostet die Bar ein oder zwei Mal im Monat die Rhythm Section, die erste Party, zu der du gehen solltest, wenn du London besuchst.

Dance Tunnel, Dalston
95 Kingsland High Street, E8 2PB
Von all den Kellerclubs in Dalston, und davon gibt es viele, ist der Dance Tunnel wohl der beste—dank seines extrem starken Soundsystems. Er befindet sich direkt neben Voodoo Ray’s Pizzeria (iss da nichts, die Pizza ist teurer als Krieg). Du wirst dort bei Partys wie Trouble Vision, Principals oder FWD>> die besten neuen House-, Techno-Tracks zu hören kriegen, und zudem noch jede Menge andere Arten von Dance Music, die noch nicht einmal einen Namen haben.

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Corsica Studios, Elephant & Castle
4/5 Elephant Road, SE17 1LB
Corsica Studios ist gut hinter einem heruntergekommenen Einkaufszentrum beim Elephant & Castle-Kreisverkehr versteckt und spielt hauptsächlich House und schnellen, harten Techno. Je nachdem wann du hingehst, kann es sein, dass du auch Grime, Disco oder die Art von Gitarrenmusik zu hören kriegst, über die The Wire auch schreiben würde, ohne dass man ihnen eine Pistole an den Kopf hält. Ihre Politik was Bookings angeht sorgt dafür, dass sich die Tanzfläche immer wie eine anfühlt und nicht nur wie ein Ort, an dem DJs vor einer Zusammenkunft gut angezogener Mütter spielen. Und die beschissenen Toiletten halten Yuppies fern. Ein bisschen weiter die Straße runter befindet sich ein 24-Stunden-Bagelshop, der Bagel King. Am Sonntag um 5 Uhr morgens wird dir das wie ein Geschenk Gottes vorkommen, wenn du realisiert, dass du seit Freitag Mittag nichts anderes als Kaugummi gegessen hast.

Oval Space, Bethnal Green
29 - 32 The Oval, E2 9DT
Ist im Grunde nur ein großer, rechteckiger Raum. Aber die Promoter, deren Aufgabe es ist, ihn zu füllen, machen ihre Arbeit meistens ziemlich gut. Musiktechnisch bist du am besten dran, wenn du dir das Programm vorher ansiehst, weil sich die Events ständig ändern. Wenn es dir lieber ist, keine Ahnung zu haben, was gespielt wird, dann geh einfach hin. Die Wahrscheinlichkeit, dass du enttäuscht wirst, ist nämlich ziemlich gering. Profi-Tipp: Mach dir nicht die Mühe, ein Foto des Sonnenaufgangs über dem Gasometer nebenan auf Instagram zu posten. Das ist abgesehen vom Big Ben und den furchtbaren Graffitis auf der Brick Lane das am meisten fotografierte Motiv Londons.

Foto: Jake Lewis

Boiler Room
Vor ein paar Jahren war die Vorstellung, jemandem online beim Auflegen zuzusehen, noch verdammt lächerlich. Boiler Room hat unsere Einstellung dazu aber verändert. Wenn du auf hübsche Mädels in Oversize-Rap-Shirts, schöne Männer mit Undercuts und die besten DJs der Welt stehst, dann solltest du dir auf jeden Fall ihr Programm ansehen.

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Plan B, Brixton
418 Brixton Road, SW9 7AY
Gut für Garage, Dancehall, Bashment und zweifelsohne die besten House-Bookings in Südlondon. Hat nichts mit dem Rapper oder mit der Pille danach zu tun.

Birthdays, Dalston
33 - 35 Stoke Newington Road, N16 8BJ
2014 gibt es nicht mehr viele Leute, die sich noch Bands ansehen. Das Birthdays bucht aber genau die richtigen. Ihr DJ- und MC-Booking ist auch nicht schlecht und neben dem Dance Tunnel haben sie das beste Soundsystem in Ostlondon. Und oben drüber ein Restaurant!

Fabric, Farringdon
77A Charterhouse Street, EC1M 6HJ
Zur Fabric pflegen wir eine gewisse Hass-Liebe. Im Prinzip ist es ein super Club, der aber keine Euphorie verursacht. Weil es aber normalerweise die erste Club-Pilgerreise aller in London ist und sie ein Soundsystem haben, das dir deine inneren Organe zerreißen könnte, ist es einen Besuch wert. Der Eintritt ist ziemlich teuer, die Getränke Wucher und die Treppen sind überfüllt mit Italienern, denen auf Ecstasy die Gesichtszüge entgleisen. Aber mit dem Line-up ist nicht zu scherzen. Und es ist zweifelsohne der beste Club der Hauptstadt, um 35-jährige Marketing Manager zu sehen, die sich die Oberlippen zerkauen, während die Sonne aufgeht und DJ Hype sein dreitausendstes Zwei-Stunden-Set zu Ende bringt.

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Foto: Bruno Bayley

WIE SIEHT’S AUS MIT DROGEN?

Großbritannien hat die höchsten Konsumraten von Kokain, Ketamin und Opiaten in ganz Europa. Und wir haben uns alle geschworen, mehr Gras zu rauchen und MDMA zu nehmen, damit wir nächstes Jahr das Full House schaffen. Als rauskam, dass wir so viel koksen, dass Spuren davon in unserem Wasserhaushalt auftauchten, wurde das eher mit bürgerlichem Stolz als schockiert aufgenommen.

Den Briten gefiel es immer schon, sich komplett zuzudröhnen. Da sich London aber immer mehr zu einem gentrifizierten Pop-up-Freudenpalast entwickelt, explodiert der Kokainkonsum. Die meisten Leute der Stadt lassen es sich bringen. Manchmal gibt es aber auch Leute, die in Pubs und Clubs rumlaufen und versuchen, dir ihr Zeug anzudrehen. In Gegenden wie Camden oder Brixton laufen sie die Straße auf und ab und erzählen gerne jedem, der es hören will, dass das Säckchen mit dem weißen Pulver in ihrer Hand genau das ist, was der Käufer haben will. Keiner der in London länger als 45 Minuten gewohnt hat, redet mit diesen Leuten.

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Vielen nehmen hier auch Ketamin, weiß der Geier, wieso. Du musst kein Genie sein, um draufzukommen, dass vor Burger King in Peckham in ein Ketamin-Loch zu fallen wohl nicht der größte Spaß ist. Außerdem explodiert deine Blase, wenn du zu viel davon nimmst. Abseits der Schwulen-Slamming-Partys nimmt hier eigentlich keiner mehr Crystal Meth oder Speed. Mephedron hatte mal ein kurzes Hoch, als eine chemische Fabrik in China abbrannte und keiner mehr MDMA kriegen konnte. Seit Mandy aber wieder zurück ist, haben bis auf ein paar Studenten und einige Typen in der Schwulenszene alle vergessen, dass Mephedron je existiert hat. Halluzinogene sind in London nicht sehr weit verbreitet—im Grunde genommen, weil London einem riesigen, kalten Gefängnishof gleichkommt und demnach nicht der beste Ort ist, den Himmel zu küssen.

Wie überall rauchen hier viele Leute Gras. Leider halten sich die meisten Dealer an das stärkste und unangenehmste Skunk, dass sie finden können. Allgemein gilt die Gegend um Ladbroke Grove als der Ort für thailändischen Stick und jamaikanischen Bushweed, und in Südlondon gibt es tonnenweise Hasch. Es gibt zahlreiche Shops, die Weed unterm Ladentisch verkaufen. Deren Standorte werde ich aber nicht im Internet veröffentlichen, ich bin ja schließlich kein Drogenfahnder.

Egal wie oft wir auch high sind, sind Drogen natürlich immer noch illegal. Obwohl die Türsteher dein Zeug generell eher wegschmeißen oder einstecken, als dich der Polizei zu überliefern, haben die Bullen das Recht, dich anzuhalten und zu durchsuchen. Und es kommt durchaus vor, dass Leute wegen Drogenbesitzes eine Vorstrafe kassieren.

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Foto: Jake Lewis

POLITIK, DEMOS UND WIE RASSISTISCH SIND DIE LEUTE HIER?

EIN PAAR EINSAME RASSISTEN

London ist ein erstaunlich erfolgreiches Beispiel kultureller Integration. Bei den jüngsten Europawahlen schnitt die EU-kritische und rechtspopulistische UKIP (United Kingdom Independence Party) mit ihrer Leier von den Gefahren der Massenimmigration in der Hauptstadt (wo es am meisten Massenimmigration gibt) am schlechtesten ab. Idioten gibt es trotzdem überall. Seitdem der Soldat Lee Rigby 2013 auf offener Straße von einem Verrückten ermordet wurde, der irgendetwas über den Dschihad herumschrie, versuchen die anti-islamischen Rechten nach London vorzudringen. Alles, was bisher dabei rauskam, ist ein quasi-religiöser Bandenkrieg zwischen den schwachköpfigen Ex-Mitgliedern der EDL (English Defence League), die sich jetzt Britain First nennen, und den anderen Schwachköpfen um Anjem Choudary, einem radikalen muslimischen Kleriker. Du kannst dir unseren Film darüber hier ansehen.

Allgemein wird mit rechten und nationalistischen Parteien wie der BNP (British National Party) und der EDL in London kurzer Prozess gemacht. Trotz der derzeitigen Anti-EU-Attitüde in unserem Land ist London eine multikulturelle Stadt, und das ist auch gut so. Manchmal marschieren die Rechtsextremen irgendwo rum und du kannst dir sicher sein, dass die Antifaschisten in mindestens gleicher Zahl aufkreuzen, um sie zu aufzuhalten. Meistens werden sie aber dafür verhaftet. Im September letzten Jahres zum Beispiel wurden 286 antifaschistische Protestanten in Whitechapel verhaftet, weil sie versuchten, die English Defence League davon abzuhalten, durch die Tower Hamlets zu marschieren. Viele interpretierten diesen Vorfall als ein Versuch der Metropolitan Police, die Leute davon abzuhalten, mit ihren Beschwerden auf die Straßen zu gehen.

Foto: Henry Langston

Leute verschiedener kultureller Herkunft können vielleicht koexistieren—das heißt aber nicht, dass alle gleich sind. Offenkundige rassistische Bemerkungen beschränken sich meistens auf vereinzelte Schimpftiraden in den öffentlichen Verkehrsmitteln und die Ränge bestimmter Fußballstadien. Trotzdem ist die Wahrscheinlichkeit, Ärger mit der Polizei zu bekommen, um einiges höher, wenn du schwarz bist. Im Grunde ist die britische Gesellschaft immer noch so ausgerichtet, dass—Jahrzehnte nach der Masseneinwanderung und trotz des Aufkommens pop-feministischer Blogs—immer noch so ziemlich alles von (und für) weiße Menschen mit Schwänzen und dem Akzent der Mittelschicht betrieben wird. Die einzige Gegend, in der das nicht der Fall ist, sind die Tower Hamlets. Dort hat der kontroverse Bürgermeister Luftur Rahman sich eine Enklave erkämpft, in der man leichter eine Position im Gemeinderat bekommt, wenn man Bangladeshi ist.

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Irgendwie hat es eine gewisse Ironie, dass sich im Zuge der ganzen Einwanderung polnische Neonazis in der Hauptstadt niedergelassen haben. Sie nennen sich Zjednoczeni Emigranci Londyn (das heißt Vereinigte Emigranten London, für alle, die Buchstaben noch nie in so einer Reihenfolge gesehen haben), hängen in Tottenham rum und tragen Blood & Honour-T-Shirts. Kürzlich tauchten sie bei einem Familienmusikfestival auf und erstachen jemanden. Realistisch betrachtet ist es aber sehr einfach, ihnen aus dem Weg zu gehen—und es gibt gerade eine Menge Antifaschisten, die dafür sorgen wollen, dass sie sich für immer aus der Stadt verpissen.

Davon abgesehen ist das größte politische Reizthema in London im Moment, ob sich normale Leute überhaupt noch leisten können, dort zu leben. Die Mieten werden nämlich ausschließlich zum Vergnügen der Vermieter und einer winzigen Gruppe korrupter Bänker und Ölmagnaten von Übersee gestaltet, die sie sich auch leisten können. Alle anderen werden mehr und mehr in die Vorstädte vertrieben. Trotzdem ist Häuser besetzen nicht mehr so üblich wie in den 1960er Jahren—vielleicht weil es seit zwei Jahren als strafbare Handlung gilt.

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Foto: Henry Langston

DEMOS

2010 sah es noch so aus, als befände sich London am Anfang einer großen Ära des sozialen Umbruchs. Irgendwann gaben aber alle auf und gingen zum Mittagessen zu Pret A Manger. Die Studenten versuchten zu mobilisieren, um gegen die von der Regierungskoalition geplanten Erhöhung der maximalen Studiengebühren zu protestieren. In einem aufregenden Winter kam es zu einer Reihe von Protestmärschen und Aufständen, die ihr verrücktestes Level erreichten, als die Demonstranten die Oberhand gewannen und das Hauptverwaltungsgebäude der konservativen Torys zerstörten. Irgendwie war es amüsant, aber jemand hätte beinahe einen Polizisten mit einem Feuerlöscher umgebracht. Wir haben damals auch einen Film darüber gedreht.

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Irgendwann hörten die Proteste auf und die Leute sprachen ganz aufgeregt davon, wie die Studenten, die bei den Protesten dabei waren, sich jetzt vielleicht politisch betätigen werden und wie London ein anderer Ort werden würde. Stattdessen wurden alle stundenlang im Schnee eingekesselt, und die Regierung hat es trotzdem nicht interessiert. Dieser brutale Antiklimax nahm der Studentenbewegung den Wind aus den Segeln und Studenten werden inzwischen wieder als rüpelhafte Tunichtgute angesehen.

Mittlerweile handelt es sich bei Protesten um relativ ruhige und missmutige Angelegenheiten. Die Polizei hat nicht das Gefühl, dass es nötig wäre, auf ihren Pferden auf die Demonstranten loszugehen. Aber sogar wenn es mal richtig zur Sache geht, ist es noch nichts im Vergleich zu vielen anderen europäischen Ländern. Es wird kein Tränengas eingesetzt und die Polizisten schießen auch nicht mit Gummigeschossen auf Leute. Der Londoner Bürgermeister Boris Johnson kaufte einige Wasserwerfer aus Deutschland (Danke, Deutschland!), diese dürfen aber bisher noch nicht eingesetzt werden. Also gibt’s vorerst nur die guten alten Knüppel und noch mehr Polizeikessel. Was viel schlimmer als Tränengas ist, weil sie stundenlang anhalten.

Die großflächigen Aufstände, die das Land im Jahr 2011 heimsuchten, hatten ihre Ursprünge in einem Londoner Protest gegen die Ermordung von Mark Duggan durch die Polizei. Von manchen wurde es als Protest gegen die Metropolitan Police gewertet, die immer wieder die ärmsten Gruppen der Stadt ins Visier nimmt und diese verfolgt (andere sahen die Ereignisse eher als opportunistische Plünder-Orgien—du kannst es dir aussuchen). Die strafrechtlichen Folgen waren aber derart schwerwiegend—zum Beispiel vier Jahre für Facebook-Posts, in denen es darum ging, einen Aufstand anzuzetteln, zu dem es im Endeffekt nie wirklich kam—dass das wahrscheinlich so bald nicht wieder passieren wird. Was wahrscheinlich auch für alle Beteiligtem gut so ist, außer für Journalisten.

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Foto: Bruno Bayley

ESSEN

St John, Farringdon
26 St John Street, EC1M 4AY
Auf den ersten Blick verursacht die aufdringlich britische Karte von St. John’s—da stehen beispielsweise Knochenmark oder gefüllte Nieren drauf—trockenen Brechreiz. Es ist aber tatsächlich eins der besten Restaurants Londons. Leider ist es eine ziemlich seltene Kunst, Innereien in etwas Leckeres zu verwandeln, wass sich auch im Preis widerspiegelt. Aber du kriegst einen richtigen Stuhl und musst nicht wie überall sonst auf einer komischen Milchkiste sitzen, also ist es den Preis durchaus wert.
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Needoo Grill, Whitechapel
87 New Rd, E1 1HH
In Whitechapel befindet sich der legendäre Panjabi-Schuppen Tayyabs. Der ist so legendär, dass jeder in London weiß, dass es dort die besten Currys gibt. Was wiederum bedeutet, dass es immer eine extrem lange Warteschlange gibt. Deshalb gehen schlaue Leute um die Ecke zum Needoo Grill. Dort ist es fast genauso gut und du musst dich nicht eine Stunde lang im Regen in die Warteschlange stellen. Es wird von einem Überläufer von Tayyabs geführt, deshalb ist es wohl keine Überraschung, dass es sich im Prinzip um eine Miniversion der ultimativen Londoner Curryeinrichtung handelt.
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Bone Daddies, Soho
31 Peter St, W1F 0AR
London folgt pflichtbewusst in den Fußstapfen des Big Apple, deshalb schießen regelmäßig Ramen-Restaurants aus dem Boden. Die meisten davon befinden sich nahe beieinander im kulinarischen Koordinatennetz von Soho. Dort kriegst du Udon bei Koya, Ramen bei Shoryu Go und es gibt ein paar nette Koreaner wenige Minuten von Tottenham Court Road entfernt. Bei Bone Daddies gibt es aber die beste Suppe und stimmige Beilagen wie Chicken Karaage und Chashu vom Schwein. Versuch einfach die antiosteopathischen Barstühle und die alles übertönende Klassik-Rock-Playlist zu ignorieren. Mit einem Kater lässt du’s wohl lieber sein.
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Negril, Brixton Hill
132 Brixton Hill, SW2 1RS
Seien wir mal ehrlich: Das meiste scharfe Essen schmeckt nicht besonders gut. Für den Geschmack und den Nährwert, die in einem durchschnittlichen Vindaloo übrig bleiben, könntest du auch gleich einem Inder 25 Pfund (32 Euro) geben und ihn dein Arschloch tasern lassen. Aber so muss es nicht sein. Du kannst es auch einfach selbst rausfinden, wenn du Negril einen Besuch abstattest, einem jamaikanischen Restaurant direkt am Brixton Hill, das Jerk Chicken serviert. Anders als die meisten Restaurants, in deren Garten du einen Ausblick auf die Hauptstraßen hast, ist das hier wirklich der Wahnsinn und die Angestellten sehen nicht wie Mörder aus. Bestellt euch zusammen die Spezialität des Hauses – eine Platte mit zwei Viertel Jerk Chicken, Kochbananen, Reis und Erbsen, Krautsalat, Salat, frittierten Fischkrapfen und Pommes – und bring deine eigene Flasche/Dose mit, damit du auf ihre ausgezeichnete scharfe Sauce einen kräftigen Schluck eiskaltes Bier trinken kannst.
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Mangal 2, Dalston
4 Stoke Newington Rd, N16 8BH
Eine türkische Istitution im Londoner Eastend, die großartiges Essen serviert. Das Künstlerpaar Gilbert und George geht dort jeden Abend essen. Das wichtigste am Mangal 2 ist aber ihr Twitter-Feed. Exemplarische Tweets lauten: „Heute ist die Gay Pride. Heute ist Tag der Streitkräfte. Heute ist der erste Tag des Ramadans. Schwule muslimische Soldaten müssten heute sehr zufrieden sein.” oder: „Ein Typ mit einem Mumford & Sons-T-Shirt kommt rein und bestellt etwas zum Mitnehmen. Spricht und verhält sich genau wie der Trottel, den du erwartest.” Unvergesslich: „Hast du manchmal Heißhunger auf einen dreckigen, saftigen Kebap, wenn du vom Ausgehen nach Hause gehst? Ein richtig mieser Döner, wenn du betrunken bist? Ja? Dann verpiss dich!” Wer der Twitter-Feeds des Mangal 2 überdrüssig ist, ist des Lebens überdrüssig.

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Silk Road, Camberwell
49 Camberwell Church St, SE5 8TR 
Dieses chinesische Restaurant in Camberwell ist eines der besten der Stadt. Es sieht wie ein komplettes Dreckloch aus, was es Neulingen erschwert, es zu finden. Erwarte keine Tischdecken, englischsprachige Kellner oder süßsaures Schwein. Wenn du deinen verklebten Verdauungstrakt aber mit Unmengen an frischen Chilis, ungewöhnlichen Köstlichkeiten, Grillspießen und Unmengen eiskalten Tsintaos durchspülen willst, dann erfüllt dieses Restaurant seinen Zweck. Erwarte aber nicht, dass du kurzfristig einen Tisch für 10 Leute kriegst. Es ist nämlich beliebt. Tipp: Eine Portion Schweinefüße ist wirklich genug für eine große Gruppe, übertreib es also nicht.
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Foto: Bruno Bayley

WAS ESSEN DIE EINHEIMISCHEN?

Full English
Wir Briten sind nicht gerade berühmt für unser Essen und wir akzeptieren das auch. Trotzdem haben wir alle übertrumpft, als wir es doch mal mit Frühstück versucht haben. Ein typisch englisches Frühstück ist ein warmes Gericht mit Würstchen, Speck, Bohnen, Eiern, Toast und ein paar anderen Gemüsesorten. Manchmal kriegst du auch frittierte Blutwurst, die du idealerweise mit einer Tasse milchigem Schwarzee runterspülst. Du bist schnell mal 10 Pfund (fast 13 Euro) los, wenn du dein Full English mit so etwas wie Grünkohl oder glutenfreiem Brot beschmutzt. Für das einzig Wahre solltest du zu The Regency in Pimlico gehen, das stellvertretend für eine aussterbende Art an kleinen, dreckigen Cafés mit fettigen Speisen steht. Oder du gehst in die schäbigere Entsprechung des East Ends, das E Pellicci, das bekanntermaßen von den Krays frequentiert wurde, aber mittlerweile von Bauarbeitern, netten Kellnern und Capital FM bevölkert wird. Wenn du über Zugang zu einer Küche verfügst, koche es dir einfach selbst (die Tescos, an denen du täglich vorbei gehst, haben das Zeug, das du dafür brauchst, relativ weit vorne aufgestapelt).

Jerk Chicken
Der Notting Hill Carnival ist eines der besten Straßenfeste der Welt, geschweige denn der Hauptstadt. Wenn du aber kein abgehärteter Westlondoner bist, kann das aber auch bedeuten, dass du die Styroporbox voll mit Jerk Chicken, die du dir in einem Anflug von Panik gekauft hast, jetzt verdammst, weil du dir fast in die Hosen machst, während du auf der Suche nach einem netten Einheimischen bist, der dir für 5 Pfund Eintritt zu seinem privaten Scheißhaus gewährt. Zum Glück kann man aber das ganze Jahr über in den Genuss von Yum Yum in Ladbroke Grove—die sich beruhigenderweise auf leuchtend gelbe Plätzchen spezialisieren—, Jerk City in Soho und das vorher erwähnte Negril kommen und du ersparst dir die Angst davor, von einem übereifrigen Polizisten getasert zu werden, während du gerade in eine Telefonzelle scheißt.

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Sunday Roast
Ein wichtiges wöchentliches Element der britischen Küche: gebratenes Fleisch und Kartoffeln mit Füllung, Gemüse, Sauce und Yorkshire Pudding. Heutzutage kriegst du es in jedem Pub mit einem motivierenden Zitat auf der Tafel für ungefähr 15 Pfund (19 Euro—was unglaublich viel Geld ist, wenn du berücksichtigst, dass die einzige Kochtätigkeit schneiden und den Ofen ein- und ausschalten ist). Du wirst schnell eins finden, aber dir muss klar sein, dass auf deinem Teller ein HAUFEN Material sein sollte. Es handelt sich hier nicht um ein leichtes Gericht. Der Traum wäre natürlich, dich bei einem Einheimischen zu einem selbstgekochten Sunday Roast einzuladen und den Rest des Sonntags in einem Dunst von Fleischfürzen und Zeitungsbeilagen zu verbringen. Zum Glück ist London eine sehr freundliche Stadt. Klopf einfach bei jemandem an die Tür und bitte um ein Mittagessen. Man wird dich dann einfach in die Küche durchwinken.

Chicken Tikka Masala
Indien spielt einen große Rolle in der Selbstwahrnehmung Englands, angefangen von den Gräueln des Britischen Empires, den Vorteilen des Exports durch die industrielle Revolution bis hin zu Cricket, das die Inder übernahmen, und dem indischen Essen, das die Briten übernahmen. Chicken Tikka Masala ist eines der beliebtesten Currygerichte hier. Es ist rot, cremig, Foodsnobs blicken darauf hinab—und es wurde in Großbritannien erfunden. Es ist im Prinzip der Heinz-Ketchup des Currys. Es ist ziemlich heftig, und wenn die Sauce von deinem Naan runtertropft, wird es dir deinen 700-Pfund-Nasir-Mazhar-Pullover versauen, den du dir in Ekstase gekauft hast, nachdem du eine Ausgabe von i-D gelesen hast.

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Brick Lane Beigels
Wenn du besoffen bist und es spät ist, stehen die Chance gut, dass du am Ende irgendetwas essen wirst, das von jemanden mit einer ziemlich avantgardistischen Vorstellung von Genießbarkeit zubereitet wurde. Vielleicht entscheidest du dich für einen Kebab, der dir ziemlich wörtlich die Scheiße aus dem Bauch prügelt oder vielleicht für ein frittiertes Hähnchen, das den pH-Wert deiner Haut verändert. Solltest du dich aber irgendwo in der Nähe der Brick Lane befinden, dann vergiss das alles. Stattdessen solltest du in einen der beiden nebeneinanderliegenden Bagel-Shops gehen und zwei warme Corned Beef- und ein Lachs-Frischkäse-Sandwich bestellen und dir wie ein cooler Alternativ-Fast-Food-Konsument vorkommen.

Ein Kebab, der dir ziemlich wörtlich die Scheiße aus dem Bauch prügelt oder ein frittiertes Hähnchen, das den pH-Wert deiner Haut verändert
Weil die eigentlich ziemlich gut sind.

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Foto: Jake Lewis

TRINKEN

Soho
Soho ist ein Irrgarten, der sich der Gentrifizierung erfolgreicher als viele andere Gegenden in London widersetzt. Wenn du dich dort volllaufen lassen möchtest, hat die Sam Smith Brewery einige Bars in der Gegend. Das ist eine der letzten wirklich unabhängigen Pubketten, die einer Brauerei gehört. Du kriegst bestimmt keine Markenbiere und schon gar keine Coca-Cola, aber dafür wirst du erstaunlich wenig für gutes Bier bezahlen. Wenn du auf Kellerbars stehst, ist die spärlich beleuchtete The Glasshouse Stores auf der Brewer Street eine gute Wahl. The John Snow ist ein guter Ort, um an einem sonnigen Tag draußen zu stehen und dich mit Fahrradkurieren zu unterhalten. The Cross Keys ist ein Treffpunkt für übergewichtige Freimaurer und ist mit allem möglichen verrückten Krimskrams wie Taucherhelmen aus Messing und anderem Müll dekoriert. Versuche die Bar zwischen fünf und sieben am Abend zu vermeiden, denn wie alle Pubs in der Innenstadt wird es voll von Innenstadt-Arschlöchern sein.

The Old Blue Last, Shoreditch
38 Great Eastern St, EC2A 3ES
Das ist unser Pub. Wir besitzen es. Es heißt The Old Blue Last und ist das beste verdammte Pub auf der ganzen verdammten Welt. Es gibt drei Stockwerke, es befindet sich am Standort von Shakespeares erstem Theater und es ist älter als Amerika. Es gibt regelmäßig Konzerte (alles von Winehouse, Lil B bis hin zu den Arctic Monkeys und Wiley), es gibt eine geheime Bar im obersten Stock, es ist in der Nähe unseres Büros und du sollest unbedingt hierher kommen. (Aber stiehl bitte nicht unsere Gläser und kokse nicht auf den Klos). Hier erfährst du alles über seine dreckige Vergangenheit.
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The Holly Bush, Hampstead
22 Holly Mt, NW3 6SG
Früher war Hampstead voll von einflussreichen Poeten wie John Keats und Lord Byron. Dann war es voll von einflussreichen Schauspielern wie Richard Burton und Peter Cooke. Dann voll von Arsenalspielern. Jetzt ist es voll von Wichsern und russischen Pultokraten, die sich Frauen auf ihren iPads bestellen und deren Körper im Hampstead-Teich entsorgen. Trotz alledem gibt es nichts Besseres, als über die Heide zu wandern und im The Holly Bush zu landen, um sich auf einer der ruhigsten Straßen Londonds so richtig einen anzusaufen.
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Foto: Bruno Bayley

Queen's Head, Stockwell
144 Stockwell Road, SW9 9TQ
Fat White Family ist derzeit die aufregendste Liveband Londons—und sie benutzen diese Bar als eine Art Basecamp, um dort Shows zu spielen, sich abzuschießen und ihrem Schlachtplan gegen Yuppies nachzugehen, die gerade damit beschäftigt sind, Brixton in ein einziges, gigantisches Stück teuren, italienischen Käses zu verwandeln. Sie hassen uns jetzt wahrscheinlich dafür, dass wir quasi ihr Zuhause in einem Reiseführer erwähnt haben. Wenn es in London aber einen Ort gibt, an dem du einen schreienden Mann sehen kannst, der seinen Schwanz rumwirbelt und dem Drummer Gläser ins Gesicht schmeißt, dann ist es definitiv hier.
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Clerkenwell
Clerkenwell ist eine seltsame Unterwelt von Yuppies, vornehmen Küchengeschäften und anderen widerwärtigen Dingen. Wenn du aber am Wochenende nach Clerkenwell gehst, kannst du dich an einigen der besten Pubs der Stadt erfreuen. The Three Kings hat einen großartigen Namen und ein großartiges Schild. Wenn das Wetter schön ist, kannst du dein Bier mit auf den gegenüberliegenden Kirchplatz nehmen. Ich bin mir sicher, dass das eigentlich verboten ist, aber bist jetzt hat mich noch keiner davon abgehalten. The Jerusalem Tavern um die Ecke hat ein bisschen einen 14. Jahrhundert-Flair und befindet direkt neben der eigenen Brauerei. Also nein, du kriegst hier kein beschissenes Foster’s. The Gunmaker ist noch so eine uralte Trinkstätte, dann gibt’s noch The Betsey Trotwood, Ye Old Mitre, … Eigentlich gibt es zu viele, um hier alle aufzuzählen. Bleib weg von The Crown—dort gehen nur Wichser hin.

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Frank’s Cafe, Peckham
95 Rye Lane, SE15 4ST
Dieses Lokal hat nur im Sommer offen, was auch gut so ist, weil es sich auf einem mehrstöckigen Parkhaus befindet und im Dezember verdammt trostlos wäre. Es ist wahrscheinlich auch die einzige Bar/Kunstgalerie/Restaurant in London, das einen unglaublichen Ausblick auf die Stadt bietet und wo die teuersten Cocktails trotzdem nur 7,50 Pfund (9,50 Euro) kosten. Es ist nur so, dass du wahrscheinlich ziemlich früh hingehen solltest—entweder direkt nach der Arbeit oder, wenn du arbeitslos bist, nach dem Familienduell, also um fünf. Um halb sieben ist es nämlich gerammelt voll und sie halten sich normalerweise relativ strikt an die „Einer rein, Einer raus“-Türpolitik.
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New Cross
Obwohl New Cross vielleicht wirklich nur eine Gegend zwischen zwei Hauptstraßen ist, die von Kebab-Shops und ein paar christlichen Buchläden getragen wird, gibt es dort trotzdem ein paar großartige Pubs. The Hobogoblin hat meinen Lieblingsbiergarten in London und ist normalerweise voller Kunststudenten, was gut oder schlecht sein kann. Kommt drauf an, wie sehr du dich für Interkontextualität und mikoethnographischen Diskurs interessierst. Außerdem geriet Shia LaBeouf hier schon in zwei Schlägereien! Wenn dich diese Mischung aus Bildender Kunst und öffentlichen Zusammenbrüchen von Celebrities jedoch nicht so anmacht, solltest du ins The Royal Albert gehen, wo es Qualitätsbiere und verlässliches Pub-Essen gibt. Oder ins Marquis of Granby, wo dich Billard, billiges Bier und Streits mit alten Männern erwarten.

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Clapton FC
The Old Spotted Dog Ground, 212 Upton Lane, Forest Gate, E7 9NP
Hier ist natürlich jeder Fußballfan. Aber seien wir mal ehrlich—die Premier League ist dafür  gemacht, im Fernsehen gesehen zu werden. Die sollen den ganzen Zirkus also verdammt noch mal endlich in den Oman verfrachten. Dann haben wir mehr Zeit damit, unseren lokalen Clubs zuzusehen und anarchistisch-syndikalistische Ultragruppen zu gründen, wie das zuerst in Clapton und dann in Dulwich passiert ist (zur Überraschung der Spieler, die vor dem Black Bloc noch nie einen Anarchisten oder einen Fan gesehen hatten).
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Foto: Jamie Lee Curtis Taete

ÜBERNACHTEN

In Central London zu leben ist wie tausende Pfund in einen Eimer zu scheißen, der dir andauernd einredet, dass du dich in irgendeine Sozialwohnung in Zone 5 verpissen sollst. Angesichts dessen brauchen wir ein bisschen Hilfe beim Bezahlen der Miete und mögen folglich Airbnb ziemlich gerne. Die Wohnungen werden winzig sein, aber dafür können wir dir verflucht noch mal garantieren, dass sich ein Tesco Metro um die Ecke befindet.

Die Australier stellen hier ein echtes Problem dar. Sie sind unsere riesigen, attraktiven, ungebildeten Cousins. Unsere Hostels, in denen sie verängstigte Japaner vollkotzen, sind voll von ihnen. Wenn du aber ein Bett in einem Mehrbettzimmer brauchst, in dem du auch zu ein paar Stunden Schlaf kommst, ist Palmers Lodge ein ziemlich guter Tipp (ein Bett im Mehrbettzimmer gibt es für 24 Euro pro Nacht). Ihre zwei Standorte (in Swiss Cottage und Hillspring) sind etwas außerhalb des Stadtzentrums, aber das machen sie wieder gut mit Sauberkeit, gratis Wlan und der Sicherheit, dass du am Ende nicht mit australischen oder neuseeländischen Körperflüssigkeiten überströmt wirst.

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Ein bisschen zentraler liegt der Generator (Betten ab 12,50 Euro). Er befindet sich direkt neben Russel Square, was alle Amerikaner für die Art von Gegend halten, in der alle Londoner wohnen, weil es wunderschön ist und nach Penguin-Klassikern riecht. Wir wohnen nicht dort, sondern in ziemlich beschissenen Fertighäusern 10km weiter die Straße runter.

Wenn du Geld für ein Hotel ausgeben willst, bietet Russel’s of Clapton (für 124 Euro pro Nacht im Doppelzimmer) die richtige Mischung aus Geschmack und Effizienz, die du von einem ehemaligen Musikmanager erwarten würdest. Es ist ziemlich weit im Osten von London, wo auch alle im VICE UK-Büro leben. Du kannst uns also allen auf den Sack gehen, indem du die Schlange bei Tesco aufhältst, dich darüber beschwerst, weil wir uns über Matrix lustig gemacht haben und jeden auf der Straße nach Clive Martins Telefonnummer fragst.

Wenn du über Geld wie Heu verfügst, kannst du im Ace Hotel (250 Euro pro Nacht im Doppelzimmer) eine gute Zeit verbringen. Bands übernachten dort und der Club daneben hat gute Veranstaltungen von den Leuten von Boiler Room und Young Turks. Auf der Website steht, es wäre ein Ort für „bahnbrechende Kreative und rebellierende Künstler”. In Wirklichkeit sind wir aber nichts davon und wir wurden trotzdem immer reingelassen.

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Foto: Jamie Lee Curtis Taete

LGBT LONDON

Vauxhall ist zu einer riesigen Schwulengegend geworden, in der du als Hetero nicht willkommen bist. Es gibt dort eine Reihe an Clubs, wo du alles ficken, schlucken oder schlagen kannst, das dir gefällt, während es Sperma und Vodka vom Himmel regnet (das bedeutet, dass sich Lesben ein bisschen ausgeschlossen fühlen werden). Fire und Barcode sind gute Tipps, um zu tanzen und zu ficken, es gibt auch ein paar Lederbars und Veranstaltungen der Bear Community. Wenn du aber nur entspannt ein Bier trinken möchtest, ist The Royal Vauxhall Tavern eines der bekanntesten Schwulenpubs der Stadt. Wenn du nur auf der Suche nach Sex bist, gibt’s auch eine Vielzahl an Saunas in der Gegend. Aber ja, in Vauxhall geht’s wirklich nur um Männer.

Egal ob Frau oder Mann, Soho ist schon seit langem Londons Queer-Mekka. Es gibt unzählige Lokale um zu trinken, zu tanzen und jemanden abzuschleppen. Rund um Brewer Street und Old Compton Street findest du die bekanntesten Lokale wie den dreistöckige G-A-Y Club oder die Burlesque-Bar Madame Jojo’s. In den G-A-Y Club kannst du jeden Tag gehen, aber am Freitag und Samstag wird es dort die dämlichste Musik, die violetteste Deko und die billigsten Getränke Londons geben.

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Das Spektrum der Schwulenbars und -clubs in Soho bewegt sich eher im Mainstream. In East London findest du ein paar gute Alternativen dazu. The Joiners Arms ist eine geschätzte Kellerbar, in der dir die Füße am Boden kleben bleiben werden, The George and The Dragon ist ein typisch englisches, gemütliches Pub, nur eben mit Schwulen und Dragqueens. Beide befinden sich auf der Hackney Road in Shoreditch und beide schließen relativ früh. Wenn du danach noch weiterziehen willst, bietet sich East Bloc gleich um die Ecke an. Es ist Old Streets Underground-Labyrinth der heruntergekommenen Ecken und der pulsierenden Elektro-Beats.

Wenn du es bis nach Dalston schaffst, findest du dort den Dalston Superstore und Vogue Fabrics, zwei rauhe Clubs, die schweißtreibende, modische Schwulenparties schmeißen. Während der Superstore ein jüngeres und besser gekleidetes Publikum anzieht, ist Vogue Fabrics ein herrlicher Schmelztiegel der Sonderbaren, in dem die Toiletten keine Türen haben. Beide sind Frauen gegenüber immer aufgeschlossen, aber im Superstore gibt es auch extra Lesbenpartys, die besser sind als alles andere, was in Soho so passiert.

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Foto: Bruno Bayley

ORTE (UND LEUTE), DIE AUCH NÜCHTERN SPASS MACHEN

The British Museum
Great Russell Street, WC1B 3DG
Wie du ganz genau weißt, gehörte dieser Planet mal uns. Aber irgendwann in der 40er Jahren waren wir großzügig genug, ihn wieder zurückzugeben. Die besten Sachen haben wir aber behalten, na klar—wir sind ja keine Idioten. Also komm her und sonne dich im Ruhm unserer vergangenen Plünderungsfeldzüge! Bestaune unsere wunderschönen Elgin Marbles! Sieh dir die allmächtigen kastrierten Pharaonen an, die in einer Plastikbox 200 Meter von einem Whetherspoon-Pub entfernt liegen! Bestaune in Ehrfurcht, wie die ältesten und prächtigsten Antiquitäten in irgendwelchen dunklen Schubladen im privaten Archiv verstaut werden, weil wir einfach nicht genug Platz haben, um all dieses unglaubliche ausländische Zeugs auszustellen!
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Edgware Road
Der lange Abschnitt zwischen Paddington und Marble Arch beheimatet eine riesige asiatische Community. Erwarte dort keine große Auswahl an Bars, dafür aber großartiges Essen, Süßigkeiten und Wasserpfeifen. Fast jedes Lokal auf der Edgware Road bietet Shishas an—hauptsächlich aber für junge, wohlhabende arabische Männer, die sich unterhalten und irgendwelche Scheiße auf ihren Tablets ansehen. Die Shisha-Lokale haben lange offen, meistens so bis 3 Uhr morgens. Wenn du ein bisschen entspannen möchtest, während die Lamborghinis an dir vorbei rasen und du dir Lungenkrebs mit Traubengeschmack holst, solltest du definitiv zu Little Bahrain gehen. Es ist auch ein guter Ort, um Angriffe hirnloser Betrunkenheit und möglicher Gewalt aus dem Weg zu gehen, die dir während deines sonstigen London-Aufenthalts nicht erspart bleiben werden—auf dieser Straße ist jeder unglaublich zuvorkommend.

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Lincoln’s Inn Fields
Das ist ein genialer Ort. Er befindet sich direkt hinter den Royal Courts of Justice, also hängen dort auch alle Anwälte mit ihrem Mittagessen von Itsu rum, aber es gibt dort auch drei der besten Dinge Londons. Erstens: The Hunterian Museum—eine Sammlung mittelalterlicher Kuriositäten im Royal College of Surgeons, wo es Babys in Gläsern, ein Skelett eines Riesen und ein ganzes Kreislaufsystem gibt, das in einen riesigen Tisch gegossen wurde. Zweitens: Sir John Soanes Museum—die verrückte Sammlung eines einzigen Mannes, die aus Artefakten aus der ganzen Welt besteht, die alle in seinem Haus ausgestellt sind. Von Hogarth-Cartoons in seinem Büro bis zu ägyptischen Mumien in seinem Keller und römischem Zeug in allen anderen Räumen. Und schließlich drittens: The Seven Stars—das beste Pub um tagsüber in Central London zu trinken. Und wenn die Anwälte auf der gegenüberliegenden Straßenseite einen Fall gewinnen, kriegst du vielleicht auch ein bisschen was von ihrem Champagner ab.

Hampstead Heath
Hampstead Heath ist ein bisschen Land in der Stadt. Das bedeutet, dass dort die Jugendliche von Nordlondon hingehen, um Acid zu nehmen und Gras zu rauchen. Außerdem gibt es dort eine florierende Dogging-Szene, für alle, die mit gefährlichen Unbekannten im Wald ficken wollen.

Foto: Bruno Bayley

Die Kanäle
Lauf zu Fuß von Camden nach Notting Hill oder von Bow nach Islington—oder von Little Venice nach Brentford, wenn du wirklich willst. Die Kanäle sind komische, altmodische Adern, die die Stadt verbinden und dank der Technologie den Ale-trinkenden Fans von Fantasy-Romanen überlassen worden sind, die in ihren Lastschiffen herumtuckern und sich weigern zu akzeptieren, dass wir uns im 21. Jahrhundert befinden.

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Seltsame politische Gruppierungen
Je schwieriger es ist, eine politische Gruppierung zu finden, desto cooler ist sie wahrscheinlich. Deshalb sind Leute, die dir ihre sozialistischen Zeitungen nachschmeißen, unausstehliche Langweiler, die du besser meiden solltest. Wenn aber eine Gruppe einen komischen Namen hat und du nicht weißt, wer sie sind, werden die viel spaßiger sein. Ein jüngstes Beispiel ist die Gruppe „The Imaginery Party” – ich bin mir nicht sicher, ob sie noch existieren oder jemals über Tumblr hinaus existiert haben, aber ihre Kopfschmerzen verursachenden Grafiken reichen aus, um dir klar zu machen, dass sie keine spießigen, linken Bartkrauler sind. Die London Antifascists sind bekannt dafür, gute Partys zu veranstalten und den Ertrag dafür auszugeben, so viele Rassisten zu verkloppen, dass es für ein ganzes Jahr reichen würde. Das kommt aber eher selten vor. Dann gibt es noch die London Black Revolutionaries, oder kurz Black Revs, die Beton auf Anti-Obdachlosen–Spikes gießen oder illegale Immigranten vor der Ausweisung retten. Das sind gute Jungs. Geh einfach auf eine Demo und anschließend in ein Pub oder eine Studentenbar und vielleicht freundest du dich mit ein paar interessanten Leuten an.

Foto: Luke Overin

Gillett Square, Dalston
Vor einiger Zeit verlor die Stoke Newington High Street ihren Charme unter dem Gewicht tausender Paare Air Max. Aber am Gillett Square ist noch ein bisschen was davon übrig geblieben. Es ist im Prinzip ein Platz für Fußgänger mit einem Jazz Club, einigen Essenständen und einem Funken Unsicherheit in der Luft. NTS Radio sendet dort aus seiner Hütte alles von Klatsch- und Schicksalssendungen bis hin zu Reggae- und Houseshows. Wenn du hübsch bist, kannst du dich wahrscheinlich zum DJ schleichen, ihm ein Dosenbier geben und schon bist du auf Sendung. Bring also eine blaue Plastiktüte mit Bier mit und setz dich in die Sonne (was eigentlich sowieso das beste ist, was du in London machen kannst, aber wir mussten uns eben eine Menge anderes Zeug einfallen lassen, um einen 10.000 Wörter langen Reiseführer zu füllen).

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Greenwich
Es ist buchstäblich exakt das Gegenteil von The Land That Time Forgot, weil es nämlich die Heimat der Zeit ist. Wenn du dort stehst, bis du definitionsgemäß „on time”. Und wenn die Witze über die Mittlere Greenwich-Zeit langweilig werden, gibt es dort einen großen Hügel, ein paar ganz gute Second-Hand-Geschäfte und ein paar nette Pubs.

Primitive London
73-75 Shacklewell Ln, London E8 2EB
Wenn du auf hübsche Mädels in Sportklamotten zweifelhafter britischer Marken und auf gutaussehende, ganz in Schwarz gekleidete Männer stehst, dann solltest du zu Primitive London gehen. Das ist eine Boutique auf der Shacklewell Lane, die auch gelegentlich Partys veranstaltet. Sie haben mal Halsketten aus Kangaroohoden verkauft, was ziemlich gut ankam, als sie den Shop zwei Wochen lang nach Tokyo verlagerten. Hier waren die nicht ganz so beliebt. 
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Anarchistische Buchhandlungen
Freedom, 84b Whitechapel High St, London E1 7QX / Anarchist Bookfair
Die Briten sind nicht besonders gut darin, das Establishment zu zerstören, aber wir können uns großartig darüber auslassen. Um aber zu vermeiden, ein Altardiener von Russel Brand zu werden, solltest du dir Freedom ansehen. Das ist ein anarchistischer Buchladen, der vermutlich einen Scheißdreck wert ist, nachdem er gerade den zweiten Brandbombenanschlag überlebt hat. Ein mal im Jahr findet der Anarchist Bookfair statt, wo die Anarchisten Großbritanniens zusammenkommen, um anarchistische Bücher und T-Shirts an andere Anarchisten zu verkaufen. Man könnte meinen, es wäre eine gesellige Messe, aber sie schaffen es meistens, sich über irgendetwas uneinig zu sein. Wie auch immer, es gibt dort einige interessante Vorträge darüber, wie du bei einem Aufstand nicht verhaftet wirst. Such dir aber einen Platz in der Nähe des Ausgangs, damit du gehen kannst, falls es langweilig wird. 
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The Institute of Contemporary Art
The Mall, SW1Y 5AH
The ICA befindet sich auf The Mall, der Straße, die zum Buckingham Palace führt. Wenn du also hierher kommst, um dir eine Art brut-Ausstellung von costa-ricanischen Geisteskranken oder was auch immer anzusehen, kannst du ein bisschen an der Bar trinken, dir eine Band ansehen, rausstolpern und in die Ferne schielen und das Haus der Queen von deiner Liste von albernen Sachen, die man in London angeblich gesehen haben muss, streichen.  
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Royal Parks
Genau wie die Schwäne gehören sie der Queen. Das bedeutet, dass sie ein bisschen prätentiös und nachts geschlossen sind—aber sie sind alle ziemlich hübsch. Regent’s Park, Hyde Park, Green Park, Richmond Park—alle voller Rosenbeete, Trauerweiden und Gruppen von Jugendlichen, die über die Köpfe bekiffter, picknickender 40-Jähriger hinweg Fußball spielen. Du wirst viel Zeit in Londoner Drecklöchern verbringen, also bieten diese Parks eine nette, vornehme Erholung.

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Foto von Jamie Lee Curtis Taete

WIE DU NICHT ZUSAMMENGESCHLAGEN UND AUSGERAUBT WIRST

Es lohnt sich, die Nummer einer Taxifirma ausfindig zu machen, diese anzurufen und dich abholen lassen,  wenn du mitten in der Nacht in der Gegend rumtorkelst. Auf ein schwarzes Taxi zu warten kann echt nervig sein, und irgendein Taxi ohne Lizenz (was also nur ein Mann in einem Auto ist) in den frühen Morgenstunden zu nehmen, um nach Hause zu kommen, ist eine dumme Idee.

Ehrlich gesagt ist London aber so gentrifiziert, dass es von Sicherheit betäubt ist. Was gut ist, wenn wir später mal Kinder haben (vorausgesetzt, wir können es uns dann noch leisten, hier zu leben), aber im Moment ist das einfach nur langweilig. Natürlich solltest du immer noch die Augen nach der Art von Kriminalität offen halten, die es in jeder Stadt gibt; Handtaschen und Laptops können und werden gestohlen, während du daneben sitzt. Also pass darauf auf.

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Klar gibt es Gangs, Bandenkriege und Waffen und so weiter, aber wenn du nicht gerade vorhast, dich in irgendeine polnische Kokain-Crew einzupflanzen oder dich in die Revierkämpfe in Bow einzumischen, dann ist wahrscheinlich alles gut. Nichtsdestotrotz ist England aber auch das Land, das Richard III., den Kindesmissbraucher Jimmy Savile, den Serienkiller Harold Shipman, Joffrey, Henry VIII, den Kinderfänger und all die anderen großen Monster der Geschichte hervorgebracht hat. Du kannst also nie vorsichtig genug sein.

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Foto: Jamie Lee Curtis Taete

WIE DU DICH NICHT WIE EIN BESCHISSENER TOURIST VERHÄLTST

Niemand mag es, dass Touristen immer alles aufhalten. Aber du müsstest wohl ein ziemlicher Idiot sein, wenn du nicht verstehst, dass sie in unserer lächerlichen, planlosen, chaotischen Stadt verloren sind. Oyster Cards (brauchst du für die U-Bahn) sind zum Kotzen und ich bin immer wieder beeindruckt, dass Touristen es irgendwie schaffen herauszufinden, wo man eine herbekommen kann. Für das zieh ich vor euch den Hut, ihr liebenswerten, langsamen Bastarde.

Wir sind nicht unbedingt böse auf euch, wenn ihr in den Touristenwirbel von Leicester Square und den umliegenden Bars gezogen wird, aber ihr seid vielleicht böse auf uns, weil wir euch nicht gewarnt haben. Ich hab immer noch nicht ganz verstanden, was die Leute dort machen. Es gibt ein paar Bars, die allesamt weniger schön sind als jede andere Bar im Stadtzentrum, ein paar Multiplex-Kinos – aber wer zum Teufel sieht sich schon Maleficent an, während er im Urlaub ist? – und ein verdammt großer Store, der M&Ms-Souvenirs an Idioten verkauft. Und das war’s. Ich schätze, es gibt dann noch die Typen, die in zehn Minuten ein komisches Porträt von dir zeichnen, aber ich dachte, die hättet ihr bei euch zuhause auch?

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Die beschissensten der beschissenen Touristen sind aber die, die nur zum Einkaufen nach London kommen. Zum verdammten Einkaufen. Hast du zu Hause keine Klamotten? ASOS liefert nicht dorthin, wo du herkommst? Im Endeffekt gibt es zwei Arten von Shops, in die Touristen gehen—die, in denen sie sich leisten können, etwas zu kaufen (deren gesamtes Sortiment auch online verfügbar ist) und die schicken, in denen sie sich nichts leisten können, die also im Prinzip Museen für die Dummen sind. Wen interessiert’s schon, ob der Stein von Rosette gleich um’s Eck vom Britischen Museum ist? Hier hast du einen 60 Pfund teuren Tennisball von Harrods!

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Foto: Tom Johnson

LEUTE UND ORTE, DIE DU MEIDEN SOLLTEST

Banker
Banker sind nirgends besonders beliebt, oder? London ist da nicht anders, bis auf dass wie viel mehr von ihnen haben. Das liegt an The City of London—die zentral gelegenen zweieinhalb Quadratkilometer des richtigen, alten Londons—, was im Grunde das Finanz-Gehirn des Planeten ist. Das heißt, dass die Pubs im Umkreis voll von jungen Männern sind, bei denen es sich im Prinzip um Finanz-Hooligans in Anzügen handelt. Es ist, als wärst du auf einem Millwall FC-Spiel in der 80er Jahren, nur mit massenhaft schnieken Leuten, die ihr Geld damit verdienen, irgendwelche Schurken-Nationen zu hintergehen und sich dann riesige Landstriche Londons kaufen und diese zurück an den Rest von uns verpachten. Ich hab zwar keine Beweise dafür, aber ich wette, sie sind alle Pick-Up-Artists.

Jeder, der barfuß rumläuft
Es ist London, kein Strand. Bist du etwa immun gegen Tetanus und Spott?

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Stylishe Heroinsüchtige
Es ist schon ein Jahrzehnt her, seit es die Libertines in ihrer Show aus Hüten und Elend zerriss und es gibt immer noch Leute, die meinen Heroin wäre ein angemessenes Modeaccessoire. Mal ehrlich, es hat Kurt Cobain, Coco Chanel, Basquiat, Chet Baker und GG Allin besiegt. Es wird auch dich besiegen—du Gitarre spielender Vollidiot. Entscheide dich für’s Leben, entscheide dich für E.

Comedians
Armando Iannucci, Chris Morris, Stewart Lee und Steve Coogan sind alle verdammt alt und trotzdem noch die witzigsten Leute des Landes. Heutzutage besteht britische Comedy im Grunde aus Leuten mit interessanten Frisuren, die die Scheiße wiederholen, die sie in der Bar um die Ecke gehört haben. Trotzdem sind sie alle Millionäre, treten vor einer gigantischen, kichernden Menge von Schwachköpfen auf und bekommen mehr Sendezeit beim BBC als ISIS. Scheiß auf diese Typen.

Camden Town
In jeder europäischen Stadt gibt es eine Gegend mit Märkten, auf denen Punks ihre John Lennon- und i-Pood-T-Shirts verkaufen—neben Gangstern, die Hasch verticken. Camden ist aber der einzige Markt, der so furchtbar ist, dass er in den letzten fünf Jahren zwei Mal versucht hat, sich selbst abzufackeln. Camden Town ist der Ort, an dem Szenen sterben. Es ist eine Maschinerie, die dazu gemacht ist, um Eltern zu zeigen, dass sie mit den Jugendkulturen Recht hatten—es ist geschmacklos, billig, kommerziell und aufgeblasen. Vor ungefähr einem Jahrzehnt hatte es noch einen letzten großen Auftritt dank der unermüdlichen guten Vibes von gewissen DJs und ein paar guten Bands, die das mittlerweile hinter sich gelassen haben. Heute ist die Gegend in den Händen der Steampunks, Cybergoths und 50-jährigen Koksnasen. Geh einfach zehn Minuten die Straße rauf bis du nach Kentish Town kommst. Dort kannst du in jedem beliebigen Pub einen trinken gehen.

Foto: Holly Lucas

Kensington und Chelsea
Ein dämliche Gegend, die in den letzten zehn Jahre so extrem reich geworden ist, dass die neuen Bewohner es geschafft haben, Mohamed Al-Fayed, den verrückten Besitzer von Harrods, wie einen liebenswürdigen Flegel aus der Nachbarschaft wirken zu lassen. So wie Del Boy, aber mit mehr Verschwörungstheorien. Es gibt in London 72 Milliardäre und alle leben genau in dieser Gegend. Viele von ihnen sind wegen der Steuererleichterungen, dem Schutz des Staates und der unausstehlichen „coolen” Aura, für die London im Ausland bekannt ist, gekommen. Es sind gelangweilte reiche Männer, die in Restaurants essen wollen, in denen eine Chance besteht, dass Lily Allen oder Nicholas Serota neben ihnen sitzt. Du kannst dir diese Restaurants sowieso nicht leisten, also wieso solltest du überhaupt hingehen?

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Die Bars in der O2-Arena
Möglicherweise ertappst du dich dabei, wie du aus blinder Stammesloyalität ein Konzert in der O2-Arena besuchst; ein Raum, der ungefähr der dreifachen Größe deines Heimatlands entspricht. Es ist bedauernswert, aber das ist zur Zeit der einzige Ort, an dem große Popacts (Rihanna, Kate Bush, Prince, etc.) auftreten. Falls du also dort hingehen solltest, dann a) tut es mir leid, dass es so weit von allem entfernt ist (ziemlich dämlich, was?), und b) kreuz nicht früher auf, nur um im Atrium rumzulungern und 200 Pfund für ein Steak aus der Mikrowelle bei TGI Friday’s zu bezahlen. Ach ja, und c): Ich war mal mit Nick Rhodes von Duran Duran im Auto unterwegs und er sagte, die O2-Arena wäre der beste Veranstaltungsort Londons, weil man dort bequem parken kann. Wenn du also mit dem Auto nach London gekommen bist, wirst du dich wie ein Schneekönig freuen.

Oxford Street
Genau die gleichen Geschäfte, die du von allen anderen britischen Einkaufsstraßen kennst und liebst, nur doppelt so teuer und mit 45 mal mehr Kunden. Ignoriere die Mülleimer-Trommler und finde ein Sam-Smith-Pub.

Die Westfield Shopping Centres
Wie die Oxford Street, aber auf mehreren Stockwerken. Dantes Inferno.

Foto: Joe Ridout

The Strip
So nennen alle den langen Straßenabschnitt von der Kingsland Road bis zur Stoke Newington High Street—und es ist ein einziger Alptraum. Trotzdem wirst du dort unweigerlich früher oder später landen. Deshalb ist es gut zu wissen, dass der Garten im The Haggerston gerade noch so geht, und das Birthdays [weiter oben schon erwähnt] hat mindestens genauso gute Konzerte wie überall sonst. Allgemein ist es dort aber mittlerweile am Wochenende ein Fuckfest, bei dem Leute in Kellern in Drogenstrudel geraten und Studenten so viel Geld mit solcher Lautstärke rauswerfen, dass sie die Mietpreise gleichzeitig rauf und runter treiben.

Die Tube
Ein Fehler, den viele Leute bei ihrem ersten Londonbesuch begehen ist, sich zu sehr auf die U-Bahn verlassen. Es mag zwar bequem scheinen, aber es ist während jeder Rush Hour unfassbar widerwärtig und der einzig konstant heiße Ort Großbritanniens. Der Londoner Bürgermeister weiß genau, wie eklig es dort unten ist und veranstaltete deshalb einmal einen Wettbewerb, bei dem der Gewinner mit der besten Idee für ein funktionierendes Kühlsystem für den Sommer mehrere tausend Pfund erhielt. Der Wettbewerb wurde irgendwann ohne Gewinner beendet und wir schwitzen alle immer noch. Die Busse sind viel netter und wenn du dich im Stadtzentrum befindest, ist sowieso alles in Gehdistanz.

Upper Street
Die schrecklichste Straße der Welt. Es sind zweieinhalb Kilometer voll mit teuren Ketten und schnieken Leuten, die ihr Erbe in traurige Boutique-Kuchen-Geschäfte, unfassbar unsympathische Pubs und überteuerte Restaurants verprassen. Das war nicht immer so. Als London aber immer größer und die Verbindung zur Innenstadt besser wurde, erreichten Gegenden wie Covent Garden die Grenzen ihres Arschloch-Fassungsvermögens, die mussten schließlich irgendwo anders hinüberschwappen. Das Gemeindeamt in Islington öffnete ihnen die Tore und verwandelte somit das Gebiet in ein Konsummekka mit dem Charme eines Helikopterlandeplatzes. Das ist schade, weil The King’s Head Theatre Pub echt großartig ist. Wenn du dich tagsüber auf der Upper Street wiederfinden solltest, zieh ganz schnell in Richtung Holloway Road ab.

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Foto: Joe Ridout

TRINKGELD UND AUSDRÜCKE, DIE DU KENNEN SOLLTEST

Trinkgeld
Meistens wird es dir viel zu viel vorkommen, wenn das Trinkgeld in der Rechnung im Restaurant bereits eingerechnet wurde. Dagegen kannst du aber nicht sehr viel machen. Außer dir macht es nichts aus, einen Masterstudenten anzuschreien, der seine Miete mit einem Kellnerjob für Mindestlohn bezahlen muss. Wenn es nicht schon inklusive ist, sind 10 Prozent der Gesamtsumme OK. Das ist aber keine allgemein gültige Regel. Du kannst ruhig weniger geben, wenn deine Kellnerin dir ins Essen gehustet hat oder dich mit rassistischen Bemerkungen beleidigt. In Taxis ist es üblich aufzurunden, und in Bars kannst du dir das Trinkgeld sparen. Keiner, der hier lebt, macht das, und wenn du einer hübschen Kellnerin einen Fünfer zuviel zusteckst, lässt dich das nur wie einen schmierigen Typen aussehen.

Ausdrücke, die du kennen solltest
Aggy – Wenn jemand aggressiv ist oder dir auf die Nerven geht. 
Mate – Geh nicht davon aus, dass du weißt, was das heißt. Auf dieselbe Art wie “cunt” liebenswert gemeint sein kann, kann “mate” auch einleitend verwendet werden, wenn du gleich eine Glasflasche in den Nacken kriegst.
Moist – Wenn das jemand zu dir sagt, dann nennt er dich ein Arschloch, mate.
Allow – Heißt eigentlich “tu es nicht”. Wie wenn du rufst "Allow that!”, wenn dir jemand deine Pommes klauen will.
Taking the piss – Amerikaner haben nicht nur Schwierigkeiten, diese Redewendung zu verstehen, sie klingen auch wie absolute Vollidioten, wenn sie es verwenden. Es kann heißen, a.) sich über jemanden lustig machen oder b.) dass jemand dich abzieht, zum Beispiel: „He wouldn't lend you £50 for another gram? That's a piss take, mate."

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EINE YOUTUBE-PLAYLIST, DIE ALLES ZUSAMMENFASST

Alle anderen Büros haben eine Playlist mit fragwürdiger lokaler Musik erstellt, aber das hier ist sogar richtig gut und fasst zusammen, was in London momentan musikalisch so abgeht.

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VICE-STADTPLAN

Gut, das war's so ziemlich. Wir freuen uns drauf, dich im British Museum über die Mumien lachen zu sehen.

Yours sincerely,

– VICE UK

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Alle 16 Städte-Guides 2014 in einer Übersicht