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Mini-Armbrüste nach Beschwerden von Eltern aus Online-Shops verbannt

Der inoffizielle Nachfolger der Fidget Spinner hat laut Medienberichten bereits 69 Verletzte gefordert. Die zwei größten chinesischen Online-Shops haben die “Spielzeuge” deshalb vorerst aus dem Sortiment entfernt.

von Dennis Kogel
23 Juni 2017, 11:30am

Bild: YouTube, Robert de Wit

Es ist der Sommer der chinesischen Spielzeugtrends. Nach Fidget Spinnern sind unter chinesischen Kinder und Jugendliche jetzt Mini-Armbrüste der Hype der Stunde, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet. Die handballengroßen Geräte werden dabei als harmloses Spielzeug zum Verschießen von Zahnstochern beworben; allerdings können die Mini-Armbrüste mit Nadeln oder Metallbolzen auch problemlos zu gefährlichen Waffen aufgerüstet werden. Geschosse erreichen dabei Geschwindigkeiten von bis zu 200km/h, wie ein Video des chinesischen Blogs Radii zeigt.

Laut einem Bericht des Guardian melden sich immer mehr besorgte Eltern im chinesischen Twitter-Pendant Weibo zu Wort: "Schüler schießen zum Spaß auf Menschen. Das wird früher oder später Unfälle verursachen."

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Die chinesischen Behörden setzen dagegen gerade auf die Verantwortung von Eltern und Lehrern: "Wir hoffen, dass Lehrer und Eltern unsere Schüler aufklären, damit diese gefährlichen Spielzeuge nicht zu Körperverletzungen führen", verkündete laut China Daily etwa die Behörde für Öffentliche Sicherheit der Provinz Hunan auf Weibo.

Nach den Medienberichten und Warnungen der Polizei haben derweil die beiden größten chinesischen Online-Shops, JD.com und Taobao.com, den Verkauf der Armbrüste eingestellt. Auch sollen Läden in der Nähe von Schulen von der Polizei angewiesen worden sein, keine Mini-Armbrüste mehr zu verkaufen. Andere Online-Shops machen dagegen bisher weiter.

Wie gefährlich die Mini-Armbrüste tatsächlich sein können, zeigt ein Video des chinesischen Blogs Radii. Im Video ist zu sehen wie mit die "Toothpick Crossbows" nicht nur Kartons durchschießen, sondern auch Blechdosen. Wird eine solche Mini-Armbrust mit Metallbolzen oder Nadeln geladen, könnten die Geschosse sogar tief ins Fleisch eindringen. Und das, laut chinesischen Staatsmedien, die AFP zitiert, auf Distanzen von bis zu 20 Meter.

Laut Shanghai Daily soll die Nachfrage nach den Mini-Armbrüsten unter Schülern so hoch sein, dass Ladenbesitzer mit dem Bestellen nicht hinterherkommen. Die Polizei in Chengdu, Ningbo und Chongqing hat bereits vor den Spielzeugen gewarnt: 69 Verletzungen soll es allein in Chongqing bereits gegeben haben, so People's Daily, die offizielle Zeitung der Kommunistischen Partei Chinas.


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Europa und die USA sind von den chineischen Armbrüsten bisher verschont geblieben. Zwar finden sich auf Amazon und eBay vereinzelte Angebote aus China, vom allgegenwärtigen Fidget Spinner-Hype sind die Spielzeugwaffen aber noch weit entfernt.

In Deutschland fallen Armbrüste eigentlich unter das deutsche Waffengesetz. Ob diese Bestimmungen auch für die Mini-Armbrust herangezogen werden können, ist unklar. Eine Anfrage von Motherboard Deutschland an die Polizei Berlin blieb bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels unbeantwortet.

Update (26.06.2017, 10:13): Die Pressestelle der Polizei Berlin hat unser Anfrage beantwortet. "Grundsätzlich ist die Größe der Waffe irrelevant. Die Mini-Armbrust ist einer Schusswaffe gleichgestellt und fällt somit unter das Waffengesetz." Das Kaufen einer solchen Mini-Armbrust oder "Toothpick Crossbow" wäre also erst für Volljährige legal und das Führen in der Öffentlichkeit ein Verstoß gegen das Waffengesetz. Das ist zumindest der aktuelle Stand der Polizei nach Rücksprache mit der Waffenbehörde. Noch sind keine Fälle bekannt, in der die Mini-Armbrust eine Rolle gespielt hat. Und es müssten auch ballistische Tests durchgeführt werden, um die tatsächliche Stärke der Armbrust bewerten zu können, so der Polizeisprecher.