Vleisch, Vurst & Co.

Die Schweizer Fleischlobby geht in die Offensive gegen Vegi-Produkte

Mit fleischigen Bezeichnungen könne es zu "ärgerlichen Verwechslungen" kommen.
Fotos von Pixabay und Pexels

Dieser Artikel stammt aus unserer Redaktion in Zürich.

Stell dir vor, du würdest in eine Grillwurst beissen. Aber statt totem Tier schluckst du eine pflanzenbasierte Masse. Du fühlst dich betrogen. Ekel macht sich in dir breit. Als eingeschworener Fleischesser kommt dir Soja sonst nicht auf den Teller. Was würdest du tun: die Vegetarier-Lobby wegen Betrugs verklagen, weil die ihre "Vurst" so täuschend echt hingekriegt haben? Dann solltest du dich mit Elias Welti auf ein Steak treffen.

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Der stellvertretende Direktor des Schweizerischen Fleisch-Fachverbandes fordert Strafen für Fake-Fleisch, das als "Steak" oder "Wurst" deklariert wurde. "Ein Verbot der Fleischbezeichnungen ist aus unserer Sicht dringend nötig", sagte er kürzlich zu Blick. In Frankreich ging gerade erst so ein Verbot durch. Wer sein Soja-, Seitan- oder anderweitig pflanzenbasiertes Produkt dort mit Bezeichnungen bewirbt, die vermuten lassen, es handle sich um Fleisch, zahlt Strafen von bis zu 350.000 Euro. So ein Verbot wünscht sich Welti auch von Schweizer Politikern. "Es geht darum, dass Konsumenten nicht getäuscht werden und Produkte nicht mit irreführenden Bezeichnungen angepriesen werden", sagt er zu MUNCHIES. "Ein Beispiel: Wenn jemand auf sein Produkt 'Rindsfilet' schreibt, und es ist Pferdefleisch drin, wird er zu Recht bestraft. Nicht anders sollte es sein, wenn er 'Rindsfilet' schreibt, und es ist Soja drin. Wenn auf der Etikette 'Veggie' drauf steht, macht es das Ganze ein Bisschen besser, aber eben nur ein Bisschen."


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Während wir uns fragen, welcher Vegetarier jemals etwas kaufen würde, auf dem das Wort "Rind" gedruckt wurde, schiesst die Fleischlobby weiter gegen Hersteller vegetarischer Produkte: "Bei der Strafe sollte man sich an die üblichen Sanktionen bei Falschdeklaration orientieren", so Welti. In der Schweiz wurde bei einem solchen Vergehen zuletzt der ehemalige Geschäftsführer der Firma Carna Grischa mit einer Strafe von über 6.300 Franken (rund 5.300 Euro) abgemahnt. Das Unternehmen, das zwischen 2009 und 2013 Pferdefleisch als Rindfleisch, ausländisches als Schweizer Geflügel und Gefrierfleisch als Frischfleisch verkaufte, musste Konkurs anmelden, nachdem der Skandal 2014 bekannt wurde.

"Schlechtes" und "gutes" Fleisch landet allerdings auch im gleichen Regal. Vegi-Produkte findest du oft in separaten Regalen, meistens farblich getrennt und stets mit dem Gütesiegel für Vegetarier oder Veganer versehen. Zudem – für alle, die sich nicht von Verpackungen oder Marketing-Tricks blenden lassen – stehen die Zutaten immer auf der Rückseite der Packung. Und von einer Vegi-Wursttheke mit freundlicher Vurstfachkraft, die dir deinen Vurst-Aufschnitt zusammenstellt und dir "das saftigste Stück der Sojabohne" anbietet, haben wir bis jetzt noch nichts gehört.

Und trotzdem hat Elias Welti scheinbar Angst. Angst vor Betrug. Angst vor Vegi-Fleisch. Die räumliche Trennung funktioniere nicht immer, sagt er gegenüber MUNCHIES. Dabei habe er auch "selbstverständlich" schon Fleischersatzprodukte probiert: "Die Bandbreite ist gross, ich fand sie von sehr gut bis sehr schlecht." Daniel Hack, hält indes nichts von Weltis Vorschlag eines Verbots. Der Vizepräsident der Swiss Barbecue Association sagt gegenüber MUNCHIES: "Ich verstehe es nicht. Ich gehe von mündigen und frei entscheidenden Konsumenten aus." Der Grillprofi, dessen BBQ-Motto "You kill it, I grill it" ist, bezeichnet sich selbst als "bewussten Einkäufer" und findet an Sojawurst und Quinoaburger nichts verwerfliches. "Ich habe mich auch schon in der Herstellung vegetarischer Würste probiert", so Hack. Er könne die Beweggründe für Vegetarismus verstehen, "meins ist es aber nicht".

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