Film

Pokémon und Pudding: im Gespräch mit dem heimlichen Star von „Stranger Things“

Der liebenswert lispelnde Dustin ist der erklärte Zuschauerliebling der neuen Sci-Fi-Serie. Wir haben Gaten Matarazzo gefragt, was er und seine Rolle so alles gemeinsam haben.
12.8.16
Screenshot via Netflix

Wer sich die neue Netflix-Serie Stranger Things mit Winona Ryder anschaut, begibt sich in eine Parallelwelt, in der Menschen von Monstern terrorisiert werden. Viele von uns haben Abende oder ganze Wochenenden damit zugebracht, diese großartige neue Sci-Fi-Horror-Serie in einem Rutsch durchzuschauen. Die Teenager, die die Hauptrolle in diesem teilweise auch sehr witzigen Coming-of-Age-Drama spielen, machen einen großen Teil der Faszination der Serie aus. Vor allem einer scheint die Herzen der Fans wie im Sturm erobert zu haben: Dustin, ein sympathischer Lockenkopf, der zusammen mit seinen Freunden versucht, das kinderentführende Monster zu erlegen.

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Während sie gemeinsam, um ihr Leben und ihre Welt kämpfen, bringt Dustin—gespielt von dem 13-jährigen Gaten Matarazzo—mit seiner Liebe für Schokoladenpudding und seinem bezaubernden Lispeln etwas Leichtigkeit in die schweren Zeiten. Die Zuschauer lernen Dustin schon zu Beginn der Serie kennen, während er von anderen Kindern in der Schule gehänselt wird, weil er noch immer seine Milchzähne hat. Seine herzzereißende Reaktion darauf: Er erklärt, dass er einer Fehlbildung namens kleidokraniale Dysplasie leidet, die dazu führt, dass die Entwicklung seiner Schädelknochen verzögert ist und dass sie das doch mittlerweile wissen sollten—aber er wird seine endgültigen Zähne schon noch kriegen. (Matarazzo hat diese Erbkrankheit auch in Wirklichkeit.)

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Dass Matarazzo sich zum Zuschauerliebling gemausert hat, hat auch das Interesse der Medien geweckt: Es gab Artikel, die von seinen ausgefeilten Karaokefertigkeiten berichteten oder von seinen falschen Zähnen schwärmten, die er stolz auf dem roten Teppich trägt. Wir haben mit Matarazzo über seine Zeit bei Stranger Things und seine verzweifelte Suche nach einem Dungeons & Dragons-Brettspiel gesprochen und haben ihn auch gefragt, wie er es schafft, neben seiner Schauspielkarriere auch noch seinen Pflichten als Pokémon-Trainer nachzukommen.

Broadly: Wie hat sich dein Leben seit der Veröffentlichung von Stranger Things verändert?
Gaten Matarazzo: Es ist verrückt! Ich habe die Serie gesehen und fand sie großartig. Ich finde wirklich toll, wie sich das alles entwickelt hat. Oft gehe ich in den Supermarkt und werde gefragt: „Bist du Dustin aus Stranger Things?"

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Wie findest du das?
Es ist wirklich cool. Einmal wurde ich im Park von einer Gruppe 19- oder 20-Jähriger angesprochen, die auf mich zukamen, während ich gerade Pokémon gespielt habe. Ich liebe alle Fans der Sendung.

Welchem Pokémon-Team hast du dich angeschlossen? Eine äußerst wichtige Frage.
Team Valor, das rote Team. Go, Team Valor!

Als ich für das Projekt vorgesprochen habe, war Dustin ein ziemlich eindimensionaler, stereotypischer Nerd.

Ich habe gehört, dass du die Schauspielerei fast aufgegeben hättest, weil du bei so vielen Vorsprechen warst, aber keine der Rollen bekommen hast. Dann hast du schließlich doch eine Rolle bekommen und bist dabei geblieben. Was war das für eine Rolle?
Das war 2011. Ich war kurz davor, es aufzugeben, noch irgendwo vorzusprechen, aber dann habe ich eine Rolle in [der Broadway-Show] Priscilla, Queen of the Desert bekommen. Als ich die Rolle bekommen habe, war ich 8 und als ich dort angefangen habe, war ich 9. Die Show war wahnsinnig witzig. Damals war ich noch zu jung und habe nicht alles verstanden, weil die Show eigentlich für Leute war, die 16 sind oder älter, aber es war definitiv eine ziemlich witzige Show.

Spielst du gerne Theater?
Ja, das macht mir wirklich Spaß. Man stellt sich einfach vor die Leute, die einem zuschauen und man hört, wenn sie klatschen. Außerdem weiß man manchmal nicht, was passieren wird oder ob vielleicht irgendetwas mit der Kulisse schiefgehen wird. Beim Theater ist alles ziemlich unvorhersehbar und das macht wirklich Spaß.

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Bist du ein großer Sci-Fi-Fan?
Ja, ich liebe Science-Fiction. Die Star Wars-Filme sind meine Lieblingsfilme. Als ich gehört habe, dass ich [bei Stranger Things] mitspielen würde und das Drehbuch gelesen habe, dachte ich mir: „Das ist genau mein Ding."

Das paranormale Drama der Serie entspinnt sich daraus, dass du und die anderen Kinder Dungeons & Dragons spielen. Hast du schon mal D&D gespielt?

Ich und die anderen haben versucht, es zu finden—wie waren wirklich überall. Wir sind in unzählige Läden gegangen und meinten immer nur: „OK, wir nehmen das, das und das—aber haltet die Augen offen nach Dungeons & Dragons." Wir haben es aber einfach nicht gefunden. Vielleicht kaufen wir es nächstes Jahr auf Ebay oder so. Ich habe es noch nie gespielt, aber ich würde gerne.

Findest du, dass dir Dustin ähnlich ist?
Definitiv. Ganz am Anfang, als ich für das Projekt vorgesprochen habe, war Dustin ein ziemlich eindimensionaler, stereotypischer Nerd. Er hatte nicht viel Persönlichkeit. Als ich die Rolle nach dem Vorsprechen bekommen habe, haben sie den Charakter sozusagen um mich herum aufgebaut und ausgestaltet. Das war ziemlich toll. Ich habe mich in meiner Rolle wirklich wohlgefühlt und es hat ziemlich viel Spaß gemacht, jemanden zu spielen, für den sich andere Leute interessieren. Viele Leute haben mir Fragen über ihn gestellt und meinten: „Du bist ein wirklich guter Schauspieler." Ich denke mir aber immer nur: Nein, Dustin ist einfach eine wirklich gute Rolle. Er spielt sich leicht und ist mir sehr ähnlich. Ich konnte meinen Text am Set einfach als ich selbst lesen und es war Dustin.

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Ich habe gelesen, dass du dieselbe Erbkrankheit hast wie dein Charakter: kleidokraniale Dysplasie. Stimmt das?
Ja, das stimmt.

Wie findest du es, dass das Teil deiner Rolle ist? Und wie kam es dazu?
Ich fand das toll, weil man sieht, dass ich diese Erbkrankheit habe, besonders an meinen Zähnen. Ich habe ihnen beim Vorsprechen gesagt, dass ich das habe und habe ihnen den Trick mit dem Arm gezeigt. Erinnerst du dich an die Szene [in Stranger Things], wenn Dustin seine Schultern nimmt und sie vor der Brust verschränkt? Das habe ich ihnen gezeigt und dann haben sie es in die Serie aufgenommen. Es gibt viele Leute, die diese Erbkrankheit haben und manche haben es schlimmer als ich. [Viele von ihnen] sind aus ihrem Schneckenhaus gekommen und haben mir geschrieben, dass ich ihnen Mut gemacht hätte und dass sie es wirklich toll fänden, dass ich in der Sendung so offen damit umgehe und nicht davor zurückgeschreckt bin.

Ich trage in Wirklichkeit nur ziemlich selten Mützen.

Gibt es etwas, was du der Welt über kleidokraniale Dysplasie erzählen wollen würdest?
Es ist eine Fehlbildung, die uns von anderen unterscheidet. Man wird ohne Schlüsselbein geboren und die Entwicklung der Gesichts- und Schädelform ist sehr viel langsamer. Manchmal sind auch die Gelenke in den Beinen—zum Beispiel die Knie oder die Knöchel—betroffen. Manchen Menschen fällt es schwer zu laufen, weil sie sehr platte Füße haben. Für einige ist es ziemlich hart—nicht nur, weil es schwierig ist, mit der Erkrankung zu leben, sondern auch, weil die Behandlungen sehr teuer sind. Viele Leute müssen operiert werden.

Was haben du und Dustin sonst so gemeinsam? Trägst du auch gerne Trucker-Caps?
Nein, ich trage in Wirklichkeit nur ziemlich selten Mützen.

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Interessant. Und wie sieht es mit Pudding aus? Dustin liebt ja ganz offensichtlich Schokoladenpudding.
Ich liebe Pudding. Es gibt nichts Besseres als Pudding! Pudding ist einfach lecker und ich liebe Schokoladenpudding—ganz besonders Schokoladenpudding. Schokoladenpudding ist das Beste!

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Hast du noch Kontakt zu den anderen, seit dem Ende der Show?
Ja, wir wir haben eine große Gruppe, die „das Coolste an Stranger Things" heißt. Es wäre traurig, wenn wir keinen Kontakt mehr hätten, weil wir uns wirklich gut verstanden haben.

Woran arbeitest du im Moment?
Im Moment arbeite ich nicht wirklich. Ich genieße einfach den Sommer und entspanne.

Du musst aber ziemlich viele Interviews für die Serie geben.
Ja. Ich war vor Kurzem in Los Angeles bei einem Presseausflug. Ich wurde von Leuten aus dem ganzen Land und aus der ganzen Welt interviewt. Die Presse war wirklich nett.

Eine letzte Frage: Wer ist dein persönlicher Favorit in Stranger Things?
Ich weiß, das klingt komisch, aber … [flüstert] Dustin natürlich.


Screenshot: „Stranger Things" | Netflix