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Popkultur

Diese sieben Serien machen dich zur Feministin

Wenn du es nicht eh schon bist.

von Alexandra Stanic
22 Dezember 2019, 4:00am

Foto: Glow: Ali Goldstein | Netflix || Insecure: HBO || Tuca and Bertie: Netflix || Hintergrund: Pixabay || Bearbeitung: VICE

Winter is coming und mit ihm auch die weihnachtlichen Feiertage, die im besten Fall ganz OK sind, im schlimmsten Fall Thema in euren nächsten Therapiesitzungen. Wenn ihr also nach der nächsten politischen Diskussion mit Verwandten am liebsten alles anzünden wollt, nur nicht die Kerzen am Tannenbaum, krallt euch stattdessen euren Laptop, verzieht euch in euer Kinderzimmer und guckt diese Serien.

1. Tuca and Bertie

Die Netflix-Zeichentrickserie ist alles, wonach sich mein feministisches Herz lange gesehnt hat. Während die TV-Show Rick and Morty die hässliche Seite von Männlichkeit zeigt, beschäftigen sich die zwei Vögel Tuca und Bertie mit sexualisiertem Machtmissbrauch, psychischer Gesundheit und der Bewältigung von Traumata. Das klingt jetzt erstmal hart, aber die Serie ist so witzig gestaltet, dass ich einzelne Folgen immer dann einschalte, wenn ich einen schlechten Tag habe. Das hat auch mit der Star-Besetzung zu tun: Tiffany Haddish als Tuca, Ali Wong als Bertie. Ganz ehrlich? Viel besser wird es nicht.

Tuca ist das weibliche Pendant zu BoJack Horseman – beide sind einsam und fies, beide haben ein Alkoholproblem, beide laufen vor ihren Problemen davon. Währenddessen kämpft Bertie, sehr anständig und schüchtern, gegen ihre Ängste und arbeitet an ihrem Traum von einer eigenen Konditorei. Tuca and Bertie ist die Serie, die uns gefehlt hat: Wie sie Freundschaft zwischen Frauen thematisiert, trifft den popfeministischen Zeitgeist. Umso schmerzhafter ist es, dass Netflix entschieden hat, keine zweite Staffel zu bringen. Ein kleiner Trost: Wer The Last Black Unicorn von Tiffany Haddish noch nicht gelesen hat, sollte das Buch sofort auf seine Leseliste für 2020 schreiben.

2. The Marvelous Mr. Maisel

Wer sich insgeheim für so lustig hält, dass er mit dem Gedanken spielt, ein Stand Up-Programm zu schreiben und zu performen, sollte sich The Marvelous Mr. Maisel auf Amazon Prime ansehen. Nicht umsonst erhielt die Darstellerin Rachel Brosnahan sowohl den Golden Globe als auch den Emmy als beste Schauspielerin in einer Komödie. Die Serie spielt in den späten 50er Jahren in New York: Miriam "Midge" Maisel sollte eigentlich Hausfrau und Mutter sein, darauf hat sie aber keinen Bock. Also startet sie ihre Karriere als Comedian und zeigt, wie sexistisch gerade dieses Business ist. Ihr Erfolgsrezept: Wut. Midge ist stinkwütend und jeder ihrer Takes ist Balsam für geschundene, feministische Seelen. Schritt für Schritt kämpft sich Maisel zusammen mit ihrer Managerin Susi auf die großen Bühnen New Yorks und rüttelt damit ordentlich am Frauenbild der 50er Jahre. "Comedy wird angeheizt durch Unterdrückung, durch Mangel an Macht, durch Trauer und Enttäuschung, durch Aufgeben und Erniedrigung", sagt Midge. "Nun, wen zum Teufel beschreibt das besser als Frauen?"

3. The Handmaid’s Tale

The Handmaid’s Tale ist eine Dystopie, aber sie fühlt sich so realistisch an, dass jede Faser meines Körpers schreit, wenn die Hauptfigur June vor der nächsten furchtbaren Ungerechtigkeit steht. June, die jetzt "Offred" heißt – ihr Kommandant heißt Fred, sie gehört ihm –, erklärt dem Publikum mit inneren Monologen, wie sich die politische Situation um sie herum zugespitzt hat.

Die Serie zeigt einen totalitären US-Gottesstaat, in dem Frauen keine Rechte mehr haben. Sie dürfen weder schreiben, lesen noch arbeiten. Sie haben keinen Anspruch auf Eigentum, dafür sind sie Eigentum der Elite, wenn sie denn gebären können. Wehrt sich eine Magd gegen die monatliche Vergewaltigung, die im Rahmen eines abartigen Rituals passiert, wird sie bestraft, indem man ihr etwa ein Auge entfernt. Gilead, die neuen Vereinigten Staaten von Amerika, ist die Ausgeburt des Patriarchats, der feuchte Traum von Misogynisten. Ohne jetzt wie eine Deutschprofessorin klingen zu wollen: Ich würde das Buch Handmaid’s Tale von Margaret Atwood zuerst lesen und mir dann die Serie geben. Wenn ihr schon dabei seid, lest am besten auch Alias Grace – Atwoods Buch diente auch hier zur Vorlage für die gleichnamige Serie auf Netflix.

4. Insecure

Im Zentrum dieser HBO-Serie steht Issa Rae, die die TV-Show auch schreibt und produziert. Die Serie beschäftigt sich mit dem Alltag Schwarzer Frauen. Insecure gibt Women of Color eine Stimme – endlich. Issa Rae betont in einem Interview, dass sie Insecure nicht für ein Weißes Publikum geschrieben hat, alle wichtigen Darsteller und Darstellerinnen werden von Schwarzen Personen gespielt. Insecure verdeutlicht, wie tief verwurzelt Rassismus in der US-amerikanischen Gesellschaft ist. Das zeigt sich unter Anderem an der Jobsituation von Issa: Sie arbeitet für ein Sozialprojekt in Los Angeles, als einzige Schwarze Frau ist sie umgeben von Weißen Kollegen und Kolleginnen, die sich ihres eigenen verinnerlichten Rassismus nicht bewusst sind. Oder es zeigt sich an der Situation, als Molly einer neuen Schwarzen Mitarbeiterin in ihrer Anwaltskanzlei erklären soll, nicht so "Schwarz" zu reden. Bei Insecure geht es um Freundschaft, Sex und die Struggles, die man als Frau Ende 20 eben so hat. Insecure ist gesellschaftskritisch und unfassbar witzig, eine der besten Szenen ist direkt in der ersten Folge der ersten Staffel zu finden. Issa rappt bei einer Open-Mike-Nacht über Broken Pussy: "Maybe it’s dry as hell, maybe it really smells".

5. Fleabag

Fleabag hat nicht umsonst den Emmy für die beste Comedyserie, das beste Drehbuch und die beste Hauptdarstellerin geholt. Die Tragi-Kömödie spielt in London, Fleabag führt ein schlecht laufendes Café, was vielleicht daran liegt, dass sich ihre Dekoration auf weirdes Meerschweinchen-Zeug beschränkt. Fleabag ist einsam, egoistisch, zynisch. Sie trauert um ihre verstorbene Mutter und ihre beste Freundin. Man könnte meinen, es ist Fleabags Hobby, Tabus zu brechen und Grenzen zu überschreiten; fast so, als würde es ihr einen Kick geben, sich selbst noch tiefer in die Scheiße zu reiten. Aber sie ist auch gnadenlos ehrlich und unfassbar witzig. Fleabag beschäftigt sich mit weiblicher Sexualität, abgefuckten Familienkonstellationen und vor allem: Trauerbewältigung. Die Serie geht tief unter die Haut und zeigt, wie hart Einsamkeit ist. Außerdem lernt man eine ganze Menge über Liebe und wieso wir auf unserer Suche nach intimer Verbindung scheitern. Und: Fleabags Blicke in die Kamera und ihre Kommentare are just everything you need. Läuft auf Amazon Prime.

6. GLOW

Sam Sylvie, der Regisseur in der Serie, verkauft seinen Pitch als das neue Fernsehformat: Frauen würden GLOW gucken, weil es feministisch ist, Männer, weil die Frauen scharf sind. In GLOW geht es um Wrestling-Anfängerinnen, die um Anerkennung und Respekt ringen. Mit ganz viel Neon-Klamotten aus den 80er Jahren, seltsamen Wrestling-Moves und der Auseinandersetzung sexistischer, rassistischer Strukturen. GLOW ist genau so ästhetisch und schrill, wie sie klingt. Die Netflix-Serie veranschaulicht, wie Hollywood in den 80er Jahren funktioniert hat. "Du hast den Männerpart gelesen", sagt Ruth Wilders Agentin nach einem Casting zu der Wrestling-Serie. Schauspielerinnen spielen die Sekretärin, die wirklich wichtigen Rollen mit viel Sprechzeit kriegen Männer ab. So viel anders ist das heute nicht. Für die ausgelaugte Schauspielerin Ruth Wilder, gespielt von Alison Brie, ist die Serie dennoch ein Strohhalm, an den sie sich klammert. Sie braucht dringend einen Job.

7. Orange Is the New Black

Schon klar, OITNB ist kein Geheimtipp, den man nur hinter vorgehaltener Hand weitergibt, weil man nicht möchte, dass die Serie Mainstream wird. Aber in einer Auflistung an feministischen Serien kann und darf OITNB nicht fehlen. Außerdem gibt es ja auch Menschen, die die Sopranos noch nie gesehen haben. Ich gehe also sehr stark davon aus, dass es noch ein paar verunsicherte Individuen unter euch gibt, die den letzten Schubser brauchen, um OITNB endlich zu bingen.

OITNB hat einen scharfen, politischen Blick auf den US-Strafvollzug und wenn euch jemand erzählen möchte, er oder sie stehe nicht auf die moderne Version von Hinter Gittern – streicht diese Person sofort aus eurem Leben. Denn die Darstellerinnen von OITNB sind authentisch, gnadenlos, witzig und ehrlich. Die Protagonistin Piper, gespielt von Taylor Schilling, muss sich mit ihren eigenen Privilegien – ja, auch im Knast –, die sie als Weiße hat, auseinandersetzen. OITNB beschäftigt sich mit strukturellem Rassismus, sexuellem Missbrauch und prekären Lebensumständen, die Menschen in die Kriminalität drängen. Zudem zeigt OITNB einen anderen Zugang zu unserer heteronormativen Gesellschaft, inklusive Sex in der Knastkirche, polygamen Beziehungsmodellen und gefährlicher, machtgeiler Liebe zwischen Wärterinnen und Insassinnen. Merry Christmas.

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