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Buddhismus

Von Pietro Lombardi können wir alle sehr viel über wahre Haltung lernen

Der Sänger hat 12.000 Euro auf dem Weg zum Rolex-Kauf verloren – dann aber etwas viel Wichtigeres gefunden.

von Henri Tartaglia
07 Mai 2018, 1:25pm

Foto: imago | Deutzmann

Hier mal eine Frage, die sofort sehr viele Bilder im Kopf auslöst: Was würdest du Pietro Lombardi alles zutrauen? Ja, da geht das Feuerwerk der Fantasie los: eine auf Facebook live übertragene, von L'Oréal gesponsorte Sterilisation! Ein schrecklich fehlgeschlagener Versuch, den Weltall-Sprung von Felix Baumgartner im Penis-Kostüm nachzumachen! Ein Song zum Thema "Altersvorsoge" mit Fler und Didi Hallervorden! Seien wir ehrlich: Es gibt fast nichts, was man Pietro Lombardi nicht zutrauen würde. Außer vielleicht das hier: Haltung.

Haltung im Kniggeschen Sinne, von Angebern auch gerne Contenance genannt, bedeutet das gleichmütige Ertragen von Schicksalsschlägen – und es ist wahrscheinlich so ziemlich das Letzte, was irgendjemand mit dem Ex-DSDS-Teilnehmer und Kay-One-Duettpartner Lombardi verbinden würde. Und trotzdem: Pietro Lombardi trägt mehr Haltung in sich als die gesamte Bundeswehr.

Bewiesen hat der 25-Jährige das in einer Insta-Story, die jetzt nicht mehr zu sehen ist, die aber mehrere Investigativjournalisten (zum Beispiel beim Express und bei der Bild) gesehen haben. In der Story erzählt Lombardi demnach folgende Geschichte: Vor Kurzem war er auf der Straße unterwegs, um sich eine Rolex für 12.000 Euro zu kaufen. "Normalerweise habe ich nicht soviel Bargeld bei mir", sagte er Bild später in einem exklusiven Interview. "Als Familienvater bin ich sparsam, aber manchmal schenke ich mir dann selber etwas." Wer sollte ihm das verübeln?


Was Pietro mit dem Geld auch hätte tun können: es als "Cash Slave" einer Domina schenken


Dummerweise kam es auf dem Weg zum Rolexhändler zu einem Unglück: Die 12.000 Euro fielen ihm einfach aus der Tasche. "Ich hatte aus der Seitentasche meines Jogginganzugs meinen Schlüssel genommen, in der auch das Geld war", sagte er Bild. "Leider habe ich diese nicht mehr zugemacht, dadurch ist das Geld unbemerkt rausgefallen."

Es gibt dazu wahrscheinlich keine Umfragen, aber wir behaupten einfach mal, dass 99,99 Prozent aller Menschen auf diesem Planeten komplett ausrasten würden, wenn ihnen 12.000 Euro einfach so aus der Tasche fallen. Selbst die Reichsten unter uns würden das nicht so einfach wegstecken. Bill Gates würde sein iPad über dem Knie zertrümmern. Richard Branson würde vor Wut den am nächsten stehenden Personal Assistant köpfen. Wolfgang Porsche würde schreiend im Kreis laufen und sich dabei mit seiner Krawatte strangulieren. Womöglich. Was sicher niemand machen würde, wenn er gerade 12.000 Euro verloren hat: eine Insta-Story, in der er über den Verlust lacht.

Aber genau das hat Pietro Lombardi gemacht.

"Ich sage euch ehrlich", teilte er laut verschiedener Quellen in dem Video seinen Followern mit, "klar, ich ärgere mich gerade wirklich, aber es ist auch so 'ne kleine Lehre. Man muss auch daraus lernen, weil das wird mir in Zukunft nicht mehr passieren. Weil wenn man so viel Geld dabei hat, muss man einfach besser drauf aufpassen."

Ja gut, das hätten wir Pietro auch vorher sagen können. Aber darum geht es hier nicht: Worum es geht, ist der fast übermenschliche Gleichmut, mit dem Pietro Lombardi angesichts dieses Schicksalsschlages die Fassung bewahrt. Falls ihr davon noch nicht überzeugt seid, dann hört euch an, was der Sänger als Nächstes gesagt hat:

"An denjenigen, der das gefunden hat […]: Tu mir den Gefallen und spende 2.000 Euro, dann bin ich happy!"

Dann. Bin. Ich. Happy. Was für ein Heiliger! Welch selige Entrückung! Lombardi redet, als hätte er wirklich in seinem tiefsten Wesen verinnerlicht, was wir anderen uns immer wieder vorsagen, ohne es je wirklich zu glauben: Geld zählt nicht. Glück ist nicht abhängig von materiellen Dingen. Entspannt euch mal alle, ihr Konsum-Zombies: Es waren doch nur 12.000 Euro.

Wir wissen nicht, wie es Pietro Lombardi gelingen konnte, zwischen all den Terminen als D-Promi und seiner Rolle als Vater von Alessio auch noch zum Bodhisattva zu werden. Aber er hat es geschafft, eine andere Erklärung für seine Seelenruhe kann es nicht geben.

Oder doch?

Ein niederträchtiger Gedanke, wie ihn nur "ein Schweizer" fassen kann. Zugegeben, die einzige Quelle für die Geschichte ist offenbar Lombardi selbst. Zugegeben, es würde sehr gut erklären, warum es ihm so leicht fällt, so großzügig über den Verlust hinwegzusehen. Zugegeben, man könnte sich sogar vorstellen, dass Lombardi irgendwann vorher vielleicht so um die 300 Euro verloren und sich vor Wut mit dem nackten Arsch auf eine Kochplatte gesetzt hat, bis ihm eingefallen ist, dass er mit einer kleinen Übertreibung vielleicht doch noch Profit aus der Sache schlagen könnte … Çüş! Das ist genau die Art zu denken, die unsere Welt zu so einer erbarmungs- und lieblosen Schlangengrube macht, und wir wollen uns daran in keiner Weise beteiligen! Pietro wäre enttäuscht, wenn er wüsste, wie wir es schaffen, auch noch die nobelste Geste in den Schmutz zu ziehen. Der langmütige Lombardi erwartet mehr von uns, und wir wollen ihm gerecht werden!

Der Sänger Pietro Lombardie trägt Hasenohren und ist zufrieden.
Foto: imago | APpress

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