LGBTI

Ein Mann hat zwei Frauen in einem Bierzelt homofeindlich beleidigt und angegriffen

Am Ende verließ eine dritte Frau die Berliner Biermeile im Krankenwagen.
Symbolfoto: imago | Fotoarena 

Es ist 2018 und offenbar verfallen einige Leute noch immer in eine cholerische Schnappatmung, weil Teile der Weltbevölkerung nicht nach dem biblischen Adam-und-Eva-Prinzip lieben und Sex haben. Rund eine Woche nach dem Berliner Christopher Street Day soll ein 35-jähriger Mann in der Nacht zum Sonntag zwei Frauen homofeindlich beleidigt haben. Dann wurde der mutmaßliche Täter offenbar handgreiflich – und verletzte eine Frau, die eigentlich helfen wollte, so schwer, dass sie im Krankenhaus versorgt werden musste.

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Der Berliner Polizei zufolge ereignete sich der Vorfall kurz nach Mitternacht in einem Bierzelt an der Berliner Biermeile, einem 2,2 Kilometer langen Bierfestival an der Karl-Marx-Allee in Berlin-Friedrichshain. Wie eine Sprecherin der Berliner Polizei gegenüber VICE erklärte, sei der Mann der Auffassung gewesen, die beiden Frauen "als Lesben erkannt zu haben". Diese Erkenntnis hat dem Mann offenbar so zugesetzt, dass er die 18- und 19-jährigen Bierzelt-Besucherinnen beschimpft und mit einer Plastikflasche beworfen haben soll. "Er bezeichnete die Frauen als 'scheiß Lesben'", so die Pressesprecherin.

Laut der Polizeimeldung entwickelte sich daraus ein größeres Gerangel – mit Folgen: Eine dritte Frau und Freundin des Pärchens soll versucht haben, den Angreifer zu treten. Dabei habe sie ihr Ziel verfehlt. Der Typ habe daraufhin allerdings ebenfalls versucht, die 21-jährige Frau zu treten, habe aber ebenfalls nicht getroffen. Doch offenbar hatte er sich so in Rage getreten, dass er zu härteren Waffen griff: Der Mann habe anschließend ein Bierglas gegriffen und es der 21-Jährigen an den Kopf gehauen, schreibt die Polizei. Sie erlitt eine Platzwunde und musste ins Krankenhaus gebracht werden, konnte es nach der Behandlung aber wieder verlassen.


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Der Berliner Polizei zufolge ist die Zahl der angezeigten homo- und transfeindlicher Straftaten seit zwei Jahren konstant hoch. Mit 164 registrierten Straftaten gegen queere Personen wurden in Berlin demzufolge 2016 so viele Vorfälle zur Anzeige gebracht wie noch nie zuvor, im vergangenen Jahr waren es nur drei weniger. Auch in diesem Jahr rechnet das LSBTI-Team der Berliner Polizei nicht damit, dass Straftaten gegen queere Menschen abnehmen, wie Polizeioberkommissarin Anne Grießbach-Baerns dem rbb Anfang des Jahres erklärte. Es gebe zudem "ein großes Dunkelfeld", weil 80 bis 90 Prozent der Fälle nicht angezeigt werden, so Grießbach-Baerns. In Berlin werden mögliche homo- oder transfeindliche Motive bei Straftaten anders als in anderen Bundesländern von der Polizei öffentlich gemacht.

Der Angreifer aus dem Bierzelt wurde nach seiner Attacke festgenommen und in eine Gefangenensammelstelle gebracht. Dort wurden seine Personalien festgestellt und ihm wurde Blut abgenommen. Ob er einen erhöhten Alkoholpegel hatte, konnte eine Sprecherin der Polizei am Montag noch nicht sagen. Der hätte ihm als Ausrede für seine Homofeindlichkeit allerdings ohnehin nicht geholfen: "Gegen den Mann wurde Anzeige erstattet", so die Polizeisprecherin.

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