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Schule

Sächsische Schüler sollen einen simulierten Terroranschlag programmiert haben

Ihr Lehrer, ein AfD-Mitglied, soll sie dabei unterstützt haben, in einem Computerspiel ein Flugzeug in eine Moschee crashen zu lassen.

von VICE Staff
07 März 2019, 11:28am

Symbolfoto | Schüler: imago/Science Photo Library || Explosion: Pixabay || Moschee: Imago/ZUMA Press || Flugzeug: Imago/ZUMA Press

Du kannst ein Leben als Landwirt in der Uckermark führen, als Outlaw im Wilden Westen deine emotionale Bindung zu Pferden testen, oder einfach nur herausfinden, was passiert, wenn du eine Horde Sims in einen Raum ohne Toilette sperrst: In Computerspielen kann man fast alles simulieren, egal wie schräg, egal wie grausam. Das zeigt auch ein Fall aus Sachsen.

Laut Recherchen von Freie Presse sollen zwei Achtklässler einer Oberschule in Auerbach ein Computerspiel programmiert haben, das einen Terroranschlag simuliert: Ein Flugzeug düst übers Meer und stürzt dann in eine Moschee. Am Ende explodiert alles. Ihr Informatiklehrer, Tilman Matheja, soll sie beim Projekt unterstützt haben. Plottwist: Der Mann ist AfD-Mitglied.

Von vorne. Seminaroberschule in Auerbach, Anfang Februar, vierte Unterrichtsstunde: Informatik. Tilman Matheja erklärt, dass die Klasse ein Computerspiel programmieren wird. Er stellt den Achtklässlern zwei Klassiker vor: Snake und Space Invaders. Beim ersten Spiel schlängelt sich eine virtuelle Schlange durch den Bildschirm, die mit der Zeit immer länger wird. In Space Invaders muss man Aliens abwehren. Wer keine Lust hat, eins der beiden Spiele nachzuprogrammieren, kann sich an einem eigenen Projekt versuchen. Zwei Jungs entscheiden sich für Panzer, die sich gegenseitig abballern, zwei weitere wollen ein Flugszenario bauen: Ein Jet, der übers Meer fliegt und dann in eine Moschee kracht. So soll sich der Vorfall vor rund einem Monat laut Freie Presse abgespielt haben.

Matheja soll die Schüler darauf hingewiesen haben, dass das "nicht witzig" sei, habe sie aber auch nicht aufgefordert, eine Alternative zu programmieren. Stattdessen soll er den beiden beim Design des Flugzeugs geholfen haben, um den Absturz realistischer wirken zu lassen. Matheja rechtfertigte sich später vor der Schulleitung damit, dass die Schüler unruhig reagiert hätten, wenn er ihnen den Flugzeugcrash verboten hätte.


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Ob sich der Vorfall tatsächlich so abgespielt hat, ist noch nicht ganz geklärt. Laut FP hat die Schule bereits mit Matheja, der Klassenlehrerin und den Schülern gesprochen und den Vorfall an das Landesamt für Schule und Bildung gemeldet. Ein Sprecher des Sächsischen Kultusministeriums bestätigte, dass der Fall geprüft werde, er könne aber aus Datenschutzgründen keine weiteren Auskünfte erteilen.

Kurz nach der Veröffentlichung des Artikels am 6. März schrieb Matheja auf Facebook: "Ein kleiner Rat: Einfach nicht alles glauben, was man liest." Er werde sich zu den "haltlosen Vorwürfen" zu gegebener Zeit äußern. Bisweilen halte er sich an Absprachen und gebe deshalb keinen weiteren Kommentar ab. Auch eine Anfrage von VICE ließ er unbeantwortet. Mit "Absprache" könnte er vermutlich die Frist meinen, die ihm laut Bild die Schulaufsicht gesetzt hat. Demnach müsste er sich bis Ende der Woche neben den beiden Schülern zum Vorfall äußern.

Falls der Vorfall stimmt, stolpert Matheja über seine eigenen politischen Forderungen als AfD-Mitglied. Die sächsische Landtagsfraktion seiner Partei plante im Oktober 2018 ein "Meldeportal" für AfD-kritische Lehrer. Auch Matheja warb dafür, argumentierte mit dem Neutralitätsgebot der Schulen. Er forderte, man solle "antifaschistische Lieder im Musikunterricht" oder aufgezwängte Kopftücher und Moscheebesuche melden. Matheja sprach von Lehrkräften, die im Klassenzimmer einen "Privatkrieg gegen die AfD" führen würden. Er bezeichnet sie als "schlimme unbelehrbare Typen" und warf ihnen vor, Kinder ideologisch zu beeinflussen. Auf der Website der AfD Sachsen ist bislang noch kein Portal zu finden, anders als beispielsweise in Sachsen-Anhalt. Fingerschnipsende Frage: Ob auch Lehrer, die mutmaßlich Schülern dabei helfen, virtuelle Flugzeuge in Moscheen crashen lassen, zu den "schlimmen unbelehrbaren Typen" gehören?

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