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Fero, Mero, Sero el Mero – Eine kurze Analyse der Instagram-Rapper, die gerade Deutschrap fluten

Wer sind die neuen "-ero"-Rapper, wo kommen sie plötzlich alle her und am Wichtigsten: Was können sie?

von Nina Damsch
24 Januar 2019, 11:27am

Foto Fero47: Screenshot von YouTube aus dem Video "Fero47 - JAJA (Official Video)" von Fero47VEVO || Foto Mero: Screenshot von YouTube aus dem Video "MERO - Hobby Hobby (Official Video)" von MERO || Foto Sero el Mero: Screenshot von YouTube aus dem Video "Sero El Mero - Meros Überall (Official Video ∣ Prod. by Zeeko & Veteran)" von 

El Meros 74


Es scheint der erste Trend im Deutschrap-Jahr 2019 zu sein. Rapper, die dank Instagram und Co. innerhalb von gefühlten Sekunden berühmt geworden sind und alle die Silbe "-ero" im Namen tragen. Sero kannten wir schon etwas länger. Aber seit Wochen tauchen immer wieder die Namen Fero47, Mero und sogar die Kombination Sero el Mero in unseren YouTube-Empfehlungen auf.

Als Musikjournalistin reicht es heute nicht mehr, ein Auge beziehungsweise Ohr auf der Straße und eins in den Promomails zu haben. Man braucht inzwischen mindestens noch ein drittes auf Social Media.

So paradox das klingen mag: Der Untergrund findet heute für alle sichtbar an der Oberfläche des Handydisplays statt – zumindest teilweise. Also haben wir Tenshinhans von Noisey uns mal mit dem Phänomen "Ero-Rapper" beschäftigt.

Wer sind sie, wo kommen sie plötzlich alle her und am Wichtigsten: Was können sie?

Mero

Mero – nicht zu verwechseln mit King Mero, einem ehemaligen Kollegen von Deso Dogg – erlangte im Internet erste Bekanntheit. Und zwar durch Handyvideos, in denen er meistens in Autos saß und auf verschiedenste Beats rappte. Mal langsam, mal schnell, mal melodiös. Dank ähnlicher Stimme liegen Referenzen zu Rapkollegen wie Nimo da natürlich nahe.

Auf Facebook und Instagram verbreiteten sich die Sessions wie bekloppt, schnell krähten die Kids nach mehr. Und so setzte sich der Erfolg logischerweise auch auf YouTube fort, als dann endlich was mit Autos, geilen Jogginganzügen und so weiter kam. Sein erstes Video zu "Baller los" vom November 2018 hat inzwischen über 41 Millionen Klicks. 41 Millionen! Wann ist das passiert? Sind wir etwa zu diesen ominösen Mondbewohnern geworden, über die alle Welt immer abfällig scherzt?

Der Nachfolger "Hobby Hobby" konnte jetzt im Januar sogar nach zehn Stunden bereits die Millionmarke knacken. Nicht schlecht für einen 18-Jährigen aus Rüsselsheim. Mero hat eben ein Händchen für Melodien, beherrscht die Technik und kann ziemlich gut mit dem Kopf von links nach rechts wackeln, ohne den Rest des Körpers mitschwingen zu lassen.

Nicht verwunderlich also, dass Xatar bereits eines seiner drei Augen auf den Newcomer aus dem Internet geworfen hat. Er hat "Hobby Hobby" mitproduziert und taucht auch in dessen Video auf.

Der Titel des geplanten Debütalbums ist auch bereits bekannt: Ya Hero Ya Mero soll das Ding heißen – natürlich.

Sero el Mero

Ähnlicher Name, anderer Sound. Was Sero el Mero und Mero jedoch gemeinsam haben (neben dem Namen "Mero"), ist das Talent, zwischen verschiedenen Flows und Styles zu switchen. Die Behauptung ihrer Eltern-Generation, die Jugend könne sich nicht länger als drei Sekunden am Stück auf eine Sache konzentrieren, dürften sie damit bestätigen. Aber in dem Fall kann das auch seine Vorteile haben.

So gibt es bei Sero el Mero mal "Yippi-yo-yippi-yeah"-Lines und dann wieder Doubletime-Parts. Textlich nicht schlecht, wenn auch noch ausbaufähig und soundtechnisch nicht uninteressant. Könnte man sich gut bei Banger Musik vorstellen.

Gestartet hat das Ganze auch via Handyvideo-Welle im Internet, während wir offenbar unsere Mondmilch zum Frühstück unter unserem Steinhaus gefrühstückt haben. Bremerhaven ist jetzt also wohl auf die Deutschrap-Karte gebracht worden. 2019 ist alles möglich.

Fero47

Erst kommen die Follower, dann der Plattenvertrag. Auch Fero47 aus Frankfurt hat ähnlich wie seine Namens-Cousins erkannt, dass hohe Followerzahlen auf Instagram eine gute Voraussetzung sind, um eine Musikkarriere zu starten.

Als wir seine erste Single "JAJA" hörten, dachten wir zuerst, wir hätten aus Versehen Bausas "Was du Liebe nennst" angeklickt. Als der Rappart einsetzte, dachten wir dann, es wäre "Mucielago" von KC Rebell und Summer Cem. Ultimative Radio-Hit-Formel also. Klar, keine Neuerfindung des Rades, aber ein Hit ist ein Hit, ist nun mal ein Hit.

Folglich landete "JAJA" in diesem Monat auch direkt in den Spotify-Charts auf Platz sechs und sammelte inzwischen über vier Millionen Klicks auf YouTube ein. Plus zahlreiche Kommentare, die sich angesichts seiner "Casper meets Bausa"-Stimme fast nass machen.

Kann Zeitgeist-Rap die Länge einer Instagram-Story überdauern?

Klickt man sich so durch die junge Diskografie der Instagram-Rapper, dann fällt einem auf, dass der Sound schon erstaunlich professionell, aber sehr ähnlich klingt. Sowohl im Vergleich zueinander als auch zum im Moment etablierten Radiosound. Das ist auch voll OK und logisch. Jeder erfolgreiche Rapper dieser Welt hat zu seinen Anfängen erstmal den Sound und Style seiner Vorbilder gebitet, bevor er "Seins" finden konnte. Muss ja nicht heißen, dass das Endergebnis schlecht ist.

Das Neue bei den "Ero"-Rappern ist, dass man ihren Prozess der (Sound-)Selbstfindung viel intensiver miterlebt, als es beispielsweise damals bei einem Azad der Fall war. Der Weg, den sie gehen, ist so weit vom Untergrund entfernt wie es nur geht. Sie sind vielmehr die Verkörperung des aktuellen Zeitgeistes. Fair enough.

Ob sie es auch verstehen werden, für eine längere Halbwertszeit als die einer Instagram-Story interessant zu bleiben, wird sich zeigen. 2019 mag die Oberfläche der neue Untergrund sein. Das heißt aber nicht, dass sie trotzdem deeper gehen könnte als man es ihr zutraut.

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