Klingt nach Hausarrest

Sohn hört Geräusche und ruft Polizei – jetzt sitzen seine Eltern im Knast

Ein Kriminalfall mit dem Prädikat "kurios".
03 November 2017, 9:36am
Sowas hat sich der Sohn wohl vorgestellt | Foto: imago | MITO

Wenn Kinder Verstecken spielen, gibt es so einige Klassiker-Verstecke. Manche verkriechen sich im Schrank, andere pflanzen sich hinter die Tür. Der absolute Versteck-Klassiker ist aber sicherlich das Bett. Den wählte auch eine Frau aus Hagen – die Teil eines kurioseren Polizeieinsatzes wurde. Aber von Anfang an.

"Am Mittwochnachmittag hörte der 16-jährige Sohnemann verdächtige Geräusche wie ein Kratzen an der Wohnungstür und rief die Polizei", erklärt Ulrich Hanki von der Polizei Hagen gegenüber VICE. Was der Sohn nicht wusste: Seine Stiefmutter (34) und sein Vater (38) wurden per Haftbefehl gesucht. Die Polizei hatte die beiden wegen mehrerer Betrugs- und Diebstahlsdelikte auf dem Zettel_. "_Wenn es die Zeit zulässt, gucken die Kollegen automatisch, ob gegen den Anrufer etwas vorliegt", erklärt Polizeisprecher Hanki.


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Als die Polizei klingelte, öffnete der Vater die Tür und zeigte sich sichtlich überrascht, dass die Beamten ihn festnehmen wollen. Der Grund dafür: "Er wusste lediglich von dem Haftbefehl gegen seine Frau", so Hanki. Just in diesem Moment stieg die besagte Gattin auch schon aus ihrem Versteck – dem Bettkasten – hervor. "Das glaubt man nicht, aber der Bettkasten ist wirklich ein sehr häufiges Versteck", schmunzelt Hanki von der Polizei Hagen. "Da haben wir auch oft schwitzende Leute, die dann voller Federn herauskommen und aussehen wie gerupfte Gänse."

Die Polizei nahm die Eltern gleich mit. "Das Pärchen muss ins Gefängnis, er für 80 und sie für 60 Tage", heißt es von der Polizei Hagen. Hintergrund der beiden Haftbefehle sind sogenannte "Ersatzfreiheitsstrafen". Die Gesuchten wurden vor Gericht zu einer Strafzahlung von 1.400 beziehungsweise 900 Euro verdonnert, zahlten diese aber nie ab. Nach einer Mahnung wurden sie anschließend per Haftbefehl gesucht. "Das ist ein ganz normales Verfahren", erklärt Ulrich Hanki. "In NRW bestehen derzeit über 25.000 Haftbefehle dieser Art. Wenn die beiden vor Ort das Geld gehabt hätten, hätten sie auch noch zahlen können. Das hatten beide aber nicht, also haben wir sie in die JVA gebracht." Was in der Zeit mit dem Sohn passiert, konnte die Polizei nicht sagen.

Und alles nur wegen eines Kratzens – was an diesem Nachmittag ein Rätsel für die Polizisten blieb: "Hinweise auf den Ursprung der verdächtigen Geräusche an der Wohnungstür gab es keine." Vielleicht war es auch Karma, das sich im Bettkasten verstecken wollte.

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