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Waffenhandel

Fragen, die der Panzer-Import für Harald Glööckler aufwirft

Die wichtigste: Wie konnte jemand illegal zwei Panzer nach Deutschland einführen?

von VICE Staff
28 November 2017, 5:00am

Foto Panzer: Gemeinfrei, Foto Glööcker: imago | Star-Media

Harald Glööckler ist einer dieser Typen, mit denen Menschen alles mögliche verbinden: Glitzer, Wahnsinn, Wangenknochen, Camp, Fremdscham. Jetzt ist noch etwas Absurderes dazugekommen, das weit aus dem üblichen Repertoire der Glööckler-Assoziationen herausfällt: "Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz". Denn seit Montag wissen wir von einem Mann, der offenbar zwei komplette Panzer importiert hat, damit Harald Glööckler sie bemalt – der Mann steht deswegen jetzt vor Gericht.

Von den Panzern wusste man eigentlich schon länger: Im Jahr 2013, berichtet die Nachrichtenagentur dpa, soll ein 49-Jähriger zwei ausrangierte Militär-Panzer vom Typ "Combat Engineer Tractor FV 180" in Großbritannien gekauft und nach Deutschland überführt haben. Dann soll der Mann die beiden Panzer zusammen für insgesamt 30.000 Euro weiterverkauft haben. Die Kampfgeräte sollten am Ende offenbar Teil einer von Harald Glööckler geplanten Ausstellung namens "Kunst gegen den Krieg" werden. Zwar wurden sie nie ausgestellt, es finden sich aber einige Hinweise darauf, dass Glööckler die beiden tonnenschweren Teile wirklich in Empfang genommen und dann auf seine ganz eigene Art bearbeitet hat. Eine Presse-Einladung aus dem Oktober 2013 wirbt damit, dass bei der Ausstellung auch "zu Kunstobjekten stilisierte Panzer!" zu sehen seien sollen. In einem Interview von damals erzählt der Designer, wie er die Dinger verziert hat: "Wenn man viele goldene Spikes und viel Farbe draufmacht und viele Blumen draufmalt, dann lacht sich ja jeder tot, wenn er einem entgegenfährt."


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Warum die Panzer am Ende nie gezeigt wurden, wissen wir nicht. Es könnte aber damit zusammenhängen, dass sie eigentlich nie hätten importiert werden dürfen: Die Panzer waren bei der Einfuhr nämlich noch nicht "demilitarisiert". Für den Import hätte man daher eine spezielle Genehmigung gebraucht, die sich der Kunstfreund aber offenbar nicht besorgt hatte. Deshalb muss er sich jetzt, vier Jahre später, am Mittwoch wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz vor dem Amtsgericht Bensheim verantworten.

Das alles ist so eigenartig, dass wir dazu noch ein paar dringende Fragen haben:

Wie zur Hölle schmuggelt man zwei Panzer am Zoll vorbei?

Laut Wikipedia wiegt ein "Combat Engineer Tractor FV 180" 17,5 Tonnen. Wie zur Hölle transportiert man gleich zwei von den Dingern von Großbritannien – also über einen Meeresarm – nach Deutschland, ohne dass irgendjemand das bemerkt und nach den Papieren fragt? Oder hat es gereicht, einfach ausgehöhlte Wohnmobile über die Dinger zu stülpen, um eine Staatsgrenze heimlich mit tonnenschweren Kriegsgeräten zu überqueren? Wenn ja: ein Glück, dass unsere Vorfahren das nicht gewusst haben.

Warum hat der Mann für eine Anti-Kriegs-Ausstellung ausgerechnet so niedliche Panzer gekauft?

Der "Combat Engineer Tractor". Foto: Gemeinfrei

Wenn man sich Bilder des "Combat Engineer Tractor FV 180" anschaut, fallen einem sofort zwei Sachen auf: Das Ding ist offensichtlich mehr so etwas wie ein gepanzerter Bagger und hat keine sichtbare Bewaffnung. Und es ist ein ziemlich knuddeliger, kleiner Panzer. Der Süße heißt ja sogar "Tractor", er scheint es nie auf darauf angelegt zu haben, jemanden einzuschüchtern. Wenn Glööckler geplant hatte, mit der Glitzerbemalung einen besonders starken Kontrast zu der schrecklichen Tötungsmaschine darunter zu schaffen, hätte er dann nicht lieber Panzer besorgen sollen, die nicht aussehen, als könnte sie einer aus der Gang von "Bob der Baumeister" sein? Das Ding hat ja nicht mal ein Maschinengewehr obendrauf!

Warum verstößt ein Panzer ohne Waffen überhaupt gegen das Kriegswaffengesetz?

Laut dem Bericht der dpa sollen die beiden Panzer "vor allem ihre gegen Handfeuerwaffen und Artilleriesplitter schützende Panzerwanne noch vollständig besessen haben". Das heißt: Sie waren immer noch schwer gepanzert, aber sie hatten eben keine Waffen an Bord. Bei eingehenden Recherchen auf Wikipedia erfährt man auch, dass es sich bei unserem liebenswerten "Combat Engineer Tractor" um einen reinen Pionier-Panzer handelt, also einen, der überhaupt nie mit Waffen ausgerüstet war. Das einzige Vergehen des Combat Engineer Tractor ist also, dass er sich zu viele Sorgen um die Menschen in seinem Bauch macht! Hat er es wirklich verdient, dafür als Kriegswaffe geschmäht zu werden?

Wo bekommt man einen Panzer für 15.000 Euro?

Bei einer kurzen Google-Recherche findet man erstaunlich schnell ein sehr breites Angebot von ausrangierten Panzern aus tschechischen und polnischen Armee-Beständen. Auf Seiten wie panzerverkauf.de und mortarinvestements.eu kann man sogar Panzer mit echten Kanonenrohren und Flugabwehrgeschützen kaufen (die werden vor dem Verkauf aber unbrauchbar gemacht). Die Preise fangen bei rund 100.000 Euro an. Wie hat unser findiger Kunstfreund es geschafft, zwei solche Maschinen für weniger als 30.000 Euro zu besorgen?

Werden wir die Dinger je wieder zu sehen bekommen?

Die beiden Panzer sind immer noch in Deutschland. Das Gericht will aber nicht sagen, wo – nur, dass sie "sicher untergestellt" sind. Das beruhigt uns natürlich enorm, aber trotzdem: Was passiert jetzt mit Pierce und Fergus (ja, wir haben den beiden redaktionsintern mittlerweile Namen gegeben, es hat sich richtig und wichtig angefühlt)? Werden sie bis in alle Ewigkeit in irgendeiner zugigen Halle unter ihrem Glitzergewand vor sich hinrosten, ohne je ihren primären Zweck (Erdhaufen herumschieben) erfüllen zu dürfen? Ist es ihre Schuld, dass ein wahnsinniger Gebrauchtpanzerhändler sie entführt und dann an einen skrupellosen, aufmerksamkeitssüchtigen Modedesigner verschachert hat?

Und vor allem: Wird die Welt je sehen können, was Glööckler und seine Glitzerpistole den beiden angetan haben, nur um uns Menschen klar zu machen, dass Krieg irgendwie gar nicht "pompöös" ist? Was auch immer mit den beiden geschieht – wir verlangen, dass das Gericht zumindest ein aktuelles Foto veröffentlicht. Wir müssen wissen, wie es ihnen geht!

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