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Die Social Bots aus dem Trump-Lager waren wohl auch bei der Frankreich-Wahl aktiv

Neue Untersuchungsergebnisse legen nahe, dass bei beiden Wahlkämpfen die gleichen Bots mitmischten. Unklar ist, ob die automatisierten Konten von einer Gruppe gesteuert werden oder über einen Schwarzmarkt von jedem gemietet werden können.

von Jordan Pearson
10 Juli 2017, 11:27am

Bild: Shutterstock

Social Bots und die von ihnen verbreiteten Inhalte sind inzwischen ein fester Teil des politischen Diskurses. Dass Twitter-Bots im US-Wahlkampf jede Menge Propaganda für Donald Trump verbreitet haben, ist dank verschiedener Analysen inzwischen weitläufig bekannt. Auch die Dokumente des "MacronLeaks", die den französischen Präsidenten Emmanuel Macron kurz vor der Wahl schwächen sollten, wurden offenbar von Bots verbreitet. Nun weisen neue Untersuchungsergebnisse darauf hin, dass hinter beiden Aktionen dieselben Bots stecken.

Welche enorme Rolle Twitter-Bots in der US-amerikanischen Präsidentschaftswahl spielten, analysierte der Computerwissenschaftler Emilio Ferrara von der University of Southern California bereits 2016. Eine neue Untersuchung von Ferrara zeigt nun, dass viele Trump-Bots nach der US-Wahl zunächst verschwanden und später bei den MacronLeaks wieder auftauchten. Das beschreibt Ferrara in einem neuen Paper, das vergangene Woche auf dem arXiv Preprint-Server veröffentlicht wurde und nun der Peer Review unterzogen wird. Seine Erkenntnisse legen nahe, dass es einen "Schwarzmarkt" für rechte politische Bots geben könnte, die über Monate inaktiv sind, bevor sie für die nächste Propagandaschlacht reaktiviert werden.

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"Das wären hier ein paar Zufälle zu viel. Man kommt zwangsläufig auf den Gedanken, dass es irgendwelche Anlaufpunkte geben muss, an denen Organisationen mit den nötigen Mitteln auf diese Botnetze zugreifen könnten", erklärte Ferrara gegenüber Motherboard.

Trump und Macron im Zwiegepräch beim G20-Gipfel in Hamburg. Foto: Imago

Während der französischen Präsidentschaftswahl im Mai konnte man die Arbeitsweise der Bots sehr gut beobachten. Einen Tag vor der Wahl tauchten eine Reihe vertraulicher Dokumente auf 4chan auf, darunter E-Mails von Macrons Wahlkampfteam, die vermutlich durch Phishing-Attacken abgefangen worden waren. Diese Informationen sollten den liberalen Kandidaten diskreditieren und somit die Position der rechtsextremen Kandidatin Marine Le Pen stärken. Die gehackten Daten wurden mit der Hilfe von "Interpretationen" durch Persönlichkeiten der alt-right-Bewegung zu Leaks weitergesponnen und dann durch automatisierte Bot-Accounts im Netz verbreitet.

Wie Ferrara die Wahl-Bots identifizierte

Für seine Auswertung sammelte Ferrara 17 Millionen Tweets aus den zwei Wochen vor der französischen Wahl und entwickelte einen maschinellen Lernalgorithmus, um Bot-Accounts aus der riesigen Datenmenge herauszufiltern. Sein Algorithmus basiert auf dem Botometer, einem öffentlich zugänglichen Tool, das nach bestimmten Kriterien einschätzt, ob ein Twitter-Konto von einem Menschen oder einem Roboter kontrolliert wird. Ferrara kam zu dem Schluss, dass es sich bei 18.000 von knapp 100.000 untersuchten Konten, die sich an den MacronLeaks-Diskussionen auf Twitter beteiligt hatten, um Bots handelte. Seiner Untersuchung zur Folge wurden einige der Konten, die Macron ins Visier nahmen, bereits im Vorfeld der US-Wahl 2016 erstellt.

"Diese Konten tweeteten vor der Wahl 2016 ungefähr eine Woche lang ihre Unterstützung für Trump und waren dann eine ganze Zeit lang inaktiv", meint Ferrara. "Die selben Konten tauchten nun wieder auf und einige von ihnen tweeteten inzwischen sogar auf Französisch – die bekannten Narrative der alt-right blieben jedoch die gleichen."

Gibt es einen Schwarzmarkt für politische Bots?

Es spricht einiges dafür, dass die Social Bots, die in Trumps Wahlkampf mitmischten, gemietet waren. So legten einige ehemalige Twitter-Bots aus dem Trump-Lager nach der US-Wahl eine erstaunliche Sinneswandlung hin und preisen nun Obama-Fanartikel an.

Auf unsere Anfrage hin verwies ein Twitter-Sprecher uns nur auf die Firmenrichtlinie zu Bot-Konten. Von 15 Bot-Konten, die Ferrara zusätzlich zum Algorithmus auch händisch verifiziert hatte, waren 13 zu diesem Zeitpunkt bereits von Twitter gesperrt oder gelöscht worden.

Auch Ben Nimmo, Sicherheitsexperte für digitale Forensik beim Atlantic Council, ist den Twitter-Bots seit den MacronLeaks-Botschaften am Wahltag auf der Spur. Durch Ferraras Analyse sieht er nun viele seiner ursprünglichen Vermutungen bestätigt, denn diese zeigt deutlich, dass es zwischen den Bot-Einsätzen einen Zusammenhang gibt. Es sei jedoch nicht klar, erklärte Nimmo am Telefon, ob diese Bots tatsächlich Teil eines "Schwarzmarkts" seien, der rein auf Profitgier beruht. Hinter den Bot-Aktionen könne auch eine ideologisch motivierte Person oder Gruppe stecken.


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"Wenn man eine Gruppe an Bots sieht, die im November Trump unterstützten und dann im Mai Macron angreifen, könnte man vermuten, dass es einen Schwarzmarkt gibt und dass diese Bots an politische Akteure vermietet werden", erklärt Nimmo. "Es könnte aber auch sein, dass der gleiche Akteur, der im November für Trump war, nun beschlossen hat, Le Pen zu unterstützen."

Nimmo und Ferrara sind sich einig, dass weitere Analysen nötig sind, um die tatsächliche Verbreitung von politischen Bots zu untersuchen, die weltweit rechte Kandidaten unterstützen. Ferraras Algorithmus, der aus Millionen Tweets Bots herausfiltern kann, könnte bei diesen Nachforschungen eine wichtige Rolle spielen.

"Der Algorithmus hat bewiesen, dass man eine zuverlässige und präzise Analyse von einem sehr großen Datensatz durchführen kann", meint Nimmo. "Diese Technik wird man noch oft verwenden können, weil es da draußen sehr viele mögliche Botnetze gibt."