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Wo Donald Trump sein CNN-Prügelvideo herbekam

Die ohnehin schon aufgeheizte Stimmung zwischen Medien und Politik befeuerte der US-Präsident nun mit einem gewaltverherrlichenden Tweet. Die Quelle des Videos ist dabei mindestens so problematisch wie der Inhalt selbst.
3.7.17
Bild: Screenshot, Twitter

Der Feldzug von US-Präsident Donald Trump gegen Journalisten nimmt immer absurdere Züge an: "Mülljournalismus", so bezeichnete Donald Trump die Arbeit des Nachrichtensender CNN am Samstag. Einen Tag später trat er auf seinem Twitter-Kanal nach: Er postete ein Video, in dem er selbst einen Mann verprügelt, dessen Kopf von einem CNN-Logo verdeckt wird – und der dementsprechend einen Journalisten darstellen soll.

Das digital bearbeitete Video zeigt ursprünglich eine Szene des Wrestling-Events Wrestlemania 23 von 2007, an dem Trump teilgenommen hat. Doch wieder einmal ist es der Ursprung des überarbeiteten Videos, der diese Trump-Episode so bezeichnend macht: Denn der Clip stammt aus dem Subreddit /r/The_Donald, das sich bereits in der Wahlkampfphase 2016 durch die emsige Erstellung von Pro-Trump-Memes und dem Verbreiten reißerischer Propaganda gegen Minderheiten wie Muslime, Homosexuelle oder Frauen hervortat.

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Bereits letzten Mittwoch hatte Redditor u/HanAssholeSolo die Szene, in dem Trump den CNN-Mann verprügelt, als GIF in /r/The_Donald gepostet. Wenige Tage später, am vergangenen Sonntag, twitterte der US-Präsident diesen Inhalt – diesmal als Video mit einer abschließenden Einblendung des Logos "FNN" für "Fraud News Network", Trump neueste Form der Beleidigung für CNN.

HanAssholeSolo gehört dabei zu den typischen Postern von /r/The_Donald: Zu seinen gängigen Themen gehört das Anfeinden von Muslimen und Schwarzen, sowie das Teilen von Fake-News-Meldungen neurechten Webseiten. Hier verbreitet der Redditor zum Beispiel die Meldung, dass sich Fäkalien im Kaffee der Kette Starbucks befänden, weil diese zehntausende Flüchtlinge angestellt hätte. Diese Fake News basiert auf einer echten Nachrichtenmeldung über rund 30 Filialen von drei unterschiedlichen Kaffee-Ketten in England, darunter auch Starbucks, deren Eiswürfel verschmutzt waren.

Einige der gelöschten Kommentare von HanAssholeSolo. Bild: Screenshot, Reddit.

HanAssholeSolo zeigt sich jedenfalls begeistert über die Aufmerksamkeit, die sein Video bekommt: "Ich wache auf, trinke meinen Frühstückskaffee und wer retweetet meinen Shitpost? Der MEGA IMPERATOR höchstselbst! Ich fühle mich geehrt!!" Beim Blick auf das Profil des Nutzers fällt auf, dass nach dem Tweet von Donald Trump offenbar viele Kommentare aus alten Threads gelöscht wurden. Entweder von HasAssholeSolo selbst, um sein Profil im Vorfeld der großen Medienaufmerksamkeit zu bereinigen, oder aber von Moderatoren des Subreddits, denen die teils zu Gewalt aufrufenden Aussagen zu extrem schienen. Auf eine entsprechende Anfrage von Motherboard Deutschland reagierte HanAssholeSolo bisher nicht.

Bild: Screenshot: Donald Trump Jr. | Instagram

Schon im Wahlkampf hatte sich Trump an Material aus /r/The_Donald bedient, am bekanntesten wohl in Form von Pepe-Comics und dem "Deplorables"-Gruppenbild: Es zeigt die wichtigsten Figuren der Alt-Right zeigt inklusive Trump selbst, und wurde von Trumps Sohn Donald Trump Jr. höchstpersönlich auf Instagram gepostet.


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Schlimm genug, dass Trump und sein Team sich für seine Twitter-Statements auch weiterhin an fragwürdigem Meme-Material aus einem Subreddit bedienen, das in der Vergangenheit durch rassistische und menschenverachtende Inhalte aufgefallen ist. Darüberhinaus kommt sein gewaltverherrlichender, spätpubertärer Tweet in einer Phase, in der Medien und Politik in den USA von starker Verunsicherung geprägt sind: "Es ist ein trauriger Tag, an dem der Präsident der Vereinigten Staaten Gewalt gegen Reporter fördert", lautet das offizielle Statement von CNN.

Das Video erinnerte nämlich nicht zuletzt an die nur knapp zwei Monate zurückliegende sehr reale Prügelattacke des republikanischen Kongressmannes Greg Gianforte gegen einen Reporter des britischen Guardian. Trump selbst verbrachte die letzte Woche damit, die Moderatoren der MSNBC-Show "Morning Joe" zu beschimpfen. Und auch das Attentat auf den republikanischen Kongressabgeordneten Steve Scalise zeigt nur zu deutlich, dass die bereits aufgeheizte Stimmung auch zu tödlicher Gewalt führen kann.