Rechtsextreme sind in VICE-Büro marschiert

Unsere Kolleginnen und Kollegen in Rumänien hatten Besuch von zwei wütenden Typen. Auslöser der rechten Rage war wohl, dass wir sie korrekt zitiert haben.

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Feb. 7 2018, 4:45am

Paul Hitter (links) und Calin Mărincuş (rechts) im rumänischen VICE-Büro in Bukarest

Rechtsextreme haben viele spannende Hobbys: "Lügenpresse!" schreien, Genozide leugnen, Straftaten begehen. Rumänische Ultranationalisten fanden das auf Dauer wohl zu eintönig und suchten sich deshalb was Neues: das VICE-Büro in Bukarest stürmen.

Am 2. Februar bekamen unsere rumänischen Kolleginnen und Kollegen Besuch von zwei wütenden Ultranationalisten, nämlich Paul Hitter, seines Zeichens Impfgegner, und Calin Mărincuş, ehemaliger Kickboxer und aktuell Admin der Facebook-Seite "Keine Islamisierung in Rumänien".

Die beiden verschafften sich Zugang zum Gebäude, indem sie der Empfangskraft sagten, sie hätten ein Meeting mit einem VICE-Mitarbeiter. Natürlich hatten sie das nicht. In den heiligen Hallen angekommen versuchte Mărincuş, das Personal zu beleidigen, indem er unser Unternehmen als "progressiv" bezeichnete. Währenddessen filmte Hitter alles und grinste.

Hitter und Mărincuş werden aus dem Büro geleitet

Mărincuş erklärte, er sei da, um mit Ovidiu Tiţă zu sprechen. Tiţă ist Autor bei VICE Rumänien und hat Mărincuş im Juli 2017 interviewt. Bei dem Gespräch ging es um Mărincuş' Teilnahme an der Gegendemo zur ersten Gay Pride in Cluj-Napoca, der zweitgrößten Stadt Rumäniens. Im Interview sagte Mărincuş, Homosexualität sei seiner Meinung nach eine "Geisteskrankheit", "abartig" und eine bewusste Entscheidung.

Aber Tiţă war nicht da. Warum er so dringend mit unserem Kollegen sprechen wollte, erklärte Mărincuş nicht, aber wir gehen davon aus, dass es damit zu tun hat, dass VICE Mărincuş' Aussagen wahrheitsgetreu zitiert hat.

Als Mărincuş einsehen musste, dass Tiţă nicht zu sprechen war, sagte er stattdessen einer Kollegin, sie sei "schön" und habe "dafür bezahlt". Mehrere VICE-Angestellte eskortierten ihn und Hitter daraufhin zur Tür. "Ihr seid nichts als ein Haufen progressiver Propagandisten", presste Mărincuş hervor. "Schande über euch. Ihr seid nicht die Stimme junger Menschen in Rumänien."


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Vermutlich haben sich die beiden ihre knackige, aber letztendlich sinnlose Invasionstaktik bei anderen Rechtsextremen abgeschaut.

Im Mai 2017 versuchten etwa 50 Anhänger der rechten "Identitären Bewegung", das Bundesjustizministerium in Berlin zu stürmen, um gegen das Netzwerkdurchsetzungsgesetz zu protestieren. Die Polizei verteilte Platzverweise und nahm eine Person fest.

Im selben Monat stürmte Tommy Robinson, Ex-Anführer der rechten Organisation English Defense League, das Londoner Büro der Quilliam Foundation, einem Thinktank gegen Extremismus. Ein Angestellter der Alt-Right-Seite The Rebel Media begleitete ihn.

Wo Rechtsextreme als Nächstes einfallen werden, um gegen wahrheitsgemäße Berichterstattung zu kämpfen, weiß niemand.

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