Sex

Was ich von Swingerparty-Büffets über Lust gelernt habe

Wenn die Baguettes trocken und unbefriedigend sind, dann ist es das Klientel meistens auch.
9.7.18
Symbol-Büffet, hier wurde wahrscheinlich nicht geswingt || Foto: Cliff | Flickr | CC BY 2.0

Dieser Artikel erschien zuerst auf MUNCHIES UK.

Meine Abenteuer in der Welt der Erwachsenen-Events haben mich vor allem zwei Dinge gelehrt. Erstens: Jeder Orgienveranstalter glaubt, dass ein Gratis-Büffet das Rezept für eine erfolgreiche Sexparty ist. Zweitens: Die angebotenen Speisen und Getränke geben meistens einen guten Vorgeschmack auf den Sex, den du dort haben wirst.

Gerne stelle ich mir vor, dass diese Erfahrungen auf jahrtausendealten Sex- und Ernährungstradition basieren. Dass jede Nacht eine Fortsetzung dieser ausschweifenden Gelage im alten Rom ist, bei denen Fremde zum Klang von Flöten tanzten und es in marmornen Hinterzimmern miteinander trieben, während es sich die restlichen Gäste bei Spanferkel und gegrilltem Kalb gut gehen ließen.


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Der Swingerclub Moon City war meine erste Erfahrung mit dieser Büffet-Sex-Club-Kombination. Bei dem Laden handelt es sich um eine Art Sex-Hamam in Paris. Es gibt dort einen Whirlpool, eine Tiki-Bar, eine Sauna, ein Dampfbad und mehrere Spielräume. Am Eingang bekommt man einen Sarong mit Blumenmuster ausgehändigt, dazu ein Handtuch und drei Kondome. In der Nähe des Whirlpools wacht ein stummer Aufpasser, der energisch auf das "No Sex in the Jacuzzi"-Zeichen zeigt, wenn mal wieder in einer der Ecken ein androgyn-osteuropäischer MMF-Dreier zu sehr in Fahrt kommt. Im Schutz des vernebelten Dampfbads hoffen einsam dreinschauende junge Männer darauf, dass gerade jemand dringend einen Schwanz braucht. Pro-Tipp: Sei niemals die heißeste Person im Dampfbad. Wenn doch, verlass augenblicklich den Raum.

Das Büffet des Moon City wartet vor allem mit französischen Grundnahrungsmitteln auf. Es gibt dort Baguettes, die vor allem gegen Ende einer Nacht oftmals so trocken und unbefriedigend sind wie das Klientel des Ladens. Daneben findest du eine Auswahl an Brie und Camembert, sowie Ratatouille und Mousse au Chocolat. Die Cocktails sind tödlich: leuchtend-orangene Mischungen aus Fruchtsaft, Malibu und Zucker. Drei Gläser bekommst du umsonst, trotzdem solltest du damit sparsam umgehen, wenn dir deine Genitalien, Gehirnzellen und dein Erinnerungsvermögen lieb sind.

Wenn der Geruch von geschmolzenem Käse auf Chlorreiniger und Gleitgel trifft

Mein Partner und ich waren nicht wirklich angetan vom kulinarischen Angebot des Moon City – und genau so wenig haben wir dort spannende Bekanntschaften gemacht. Bei jedem unserer Besuche war der Käse immer schon halb geschmolzen und der Geruch unangenehm mit dem von Chlor und Gleitgel vermengt. Aber auch, was den Sex anging, war irgendwie immer der Wurm drin – wenn auch nicht so, wie du jetzt vielleicht denkst: Mein Partner hatte einmal die Schlange für einen Gangbang übersprungen und wurde dann höflich aber bestimmt zurück auf den Gang geleitet. Ich habe einmal aus Nettigkeit einem Fremden im Dampfbad drei Sekunden lang einen geblasen, aber wirklich Klick gemacht hat es im Moon City für uns nie.

Ebenfalls in Paris aber etwas gehobener ist das Les Chandelles. Die Zielgruppe: junge, gebräunte Professionelle und alte notgeile weiße Männer in Anzügen. Der Laden gibt sich sehr exklusiv, was sich auch an der Kleiderordnung widerspiegelt. Ich musste meine hochhackigen Schuhe an der Garderobe gegen noch hochhackigere Schuhe umtauschen. Am Büffet gibt es Foie Gras und Trüffel-Pasta. Wenn du es wirklich wissen willst, kannst du auch für 260 Euro ein dreigängiges Menü für zwei Personen bestellen, Champagner inklusive.

Als wir um 2 Uhr morgens dort ankamen, hatten mein Partner und ich allerdings nicht vor, im Les Chandelles zu dinieren. Mit gerade mal 40 Euro für uns beide zusammen lag der Eintrittspreis weit unter unseren Befürchtungen. Sekunden später nahm mich dann aber eine junge, attraktive Russin zur Seite und sagte zu mir: "Pass auf, heute ist DP-Nacht." Doppelpenetration? Kein Wunder, dass der Eintritt so günstig war.

Wie das Essen in Les Chandelles sind auch die Gäste dort etwas zu fein und reich, um den Aufenthalt dort wirklich genießen zu können. Mein Partner wurde von einem selbsternannten Geschäftsmogul in eine öde Unterhaltung über die Finanzindustrie verwickelt. Der Großteil der Action bestand dann auch in dem geflüsterten Gossip der jungen Russinnen, die ihre signifikant älteren französischen Ehemänner dorthin begleitet hatten.

Ei-Mayo-Sandwiches sind kein Aphrodisiakum

CJ's Townhouse in Glasgow war der erste britische Sexclub, den ich besucht habe. Es ist der Lieblingsclub meines Partners. Sobald du ankommst, gibt dir CJ höchstpersönlich eine kleine Führung. Unten befindet sich die Bar, ein paar Räume mit Sofas und Poledance-Stangen, sowie der Büffetraum. Oben, vorbei an einer lebensgroßen Statue des Sensenmanns in roter Reizwäsche, anscheinend ein Halloween-Überbleibsel, sind die sieben Spielzimmer.

CJ's ist ein unprätentiöser Laden. Er ist billiger als die meisten Sexclubs und du kannst dir deinen eigenen Alkohol mitbringen. Softdrinks gibt’s umsonst an der Bar. Das Büffet beinhaltet die Art von Finger-Food, die du in einem schottischen Gemeindezentrum erwarten würdest. Das letzte Mal, als ich dort war, gab es drei verschiedene Sorten Chips, Mini Pork Pies, Würstchen im Schlafrock und randlose Ei-Mayonnaise Sandwiches, natürlich in Dreiecke geschnitten. Ich schaute meinem Partner dabei zu, wie er in kürzester Zeit sechs dieser Sandwiches verdrückte. Ein Aphrodisiakum war das nicht gerade.

Das Essen bei CJ ist einfach aber gehaltvoll, genau wie das Irn-Bru an der Bar – das koffeinhaltige schottische Nationalgetränk. Besonders sexy war das nicht, aber bei CJ's geht es vor allem auch darum, ein angenehmes Umfeld für eine kleine Gruppe Menschen zu liefern, die es müde sind, in den lokalen Clubs nach neuen Partnern zu jagen. Der BYOB-Vibe erlaubt es dir, jedes beliebige Element hinzuzufügen, ohne dafür verurteilt zu werden. Der Sex in CJ's ist so einwandfrei wie das Büffet, aber genau wie das Essen könnte er etwas mehr Würze vertragen.

Sexclub-Büffets mögen in ihrer Qualität variieren, aber bei jeder Party sind sie der ultimative Safe Space. Schließlich kannst du nicht irgendwelche Penisse in deinen Mund nehmen, wenn der schon voll mit gesalzenen Erdnüssen ist. Wenn du eine Pause vom ganzen Dirty-Talk brauchst, dann gibt es nichts Besseres, als sich mit Chips vollzustopfen.

Meine Erkundungstouren in diese hedonistischen Gefilde hat mir gezeigt, dass meine Muschi und mein Magen untrennbar miteinander verbunden sind. Sie sind ein und dasselbe. Und beide können ziemlich wählerisch sein.

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