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Hitlergrüße und Nonnen: So war es beim "größten Neonazi-Treffen Europas"

Roman Möseneder

Wieder einmal haben 10.000 Menschen in Österreich um gestorbene Faschisten getrauert. Der Politik scheint das egal zu sein.

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Auf einem abgelegenen Feld in Kärnten kamen am Samstag erneut etwa 10.000 Menschen, um den Gefallenen der Ustaša-Armee, der SS und der Wehrmacht zu gedenken. Die Ustaša-Armee war Teil des faschistischen kroatischen Staates, der das einzige Nazi-Vernichtungslager ohne deutsche Beteiligung errichtete.

Nicht nur volkstümelnde Politiker und Neonazis reisten für die Gedenkfeier aus Deutschland, Österreich und Kroatien an, sondern auch Priester und Nonnen. Denn die kroatische katholische Kirche hatte die Veranstaltung organisiert, die auf einem von der kroatischen Regierung finanzierten Grundstück stattfand.

Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) spricht vom "größten Neonazitreffen in Europa", verweist aber auch darauf, dass es sich bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern nicht nur um Neonazis und Rechtsextreme handelt. Anderen kritisieren die Veranstaltung aber als rechtsextrem und revisionistisch.

Knapp 100 Demonstrierende protestierten in Bleiburg gegen das Event. Die Bezirksverwaltung und das Innenministerium schweigen. Einen Unterschied zu den Vorjahren gibt es aber doch: Dieses Mal wurde neben eindeutigen Symbolen, politischen Reden und Uniformen auch Alkohol verboten. Trotzdem waren bereits zu Beginn viele der Besucher sichtlich stark betrunken.

Dass es sich auch diesmal überraschenderweise wieder nicht um eine unpolitische Gedenkfeier handelte, wurde schnell klar. Einschlägige Symbole, Runen und Fahnen tummelten sich auf dem Feld. Am Eingang wurden zwei Personen abgewiesen, die T-Shirts mit der Aufschrift "Za Dom Spremni" ("Für die Heimat bereit") trugen – die Shirts hatten sie laut eigener Auskunft letztes Jahr bei der Veranstaltung gekauft. Bei anderen Sprüchen nahm man es weniger genau: Der Aufdruck "ZDS", die Kurzform für "Za Dom Spremni", haben wir mehrfach vor Ort gesichtet, oft getragen von Jugendlichen und Kindern. Der Spruch war der Wahlspruch und Gruß der faschistischen Ustaša.

Der Mann zeigte den Hitlergruß gezählte 13 Mal

Auch Hitlergrüße gab es wieder mehrere, einige sehr unverhohlen gegenüber Kameras, wie ein Foto in diesem Artikel zeigt. Insgesamt gab es während der Veranstaltung sieben Festnahmen wegen Verstößen gegen das Verbotsgesetz.

Alleine der Mann, der den Hitlergruß direkt in meine Kamera zeigte, wiederholte die Geste noch mehr als ein Dutzend Mal, mitunter im Beisein der Polizei. Einen Gruß begleitete er mit einem "Servus" in Richtung eines Polizisten, der nur "Ja, servus" erwiderte und sich wieder seinem Handy zuwandte.


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Auch ein Blick auf das Programm zeigt deutlich, in welche Richtung die Veranstaltung zielte: Tomo Bilogrivic von der "Vereinigten kroatischen Rechten" hielt eine Rede gegen den Antifaschismus.

Trotz all dieser Vorfälle, keiner davon neu oder unerwartet, akzeptieren die österreichischen Behörden das Ustaša-Gedenken jedes Jahr wieder. Auch für 2019 weist nach aktuellem Stand nichts auf ein Verbot des größten Neonazi-Treffens in Europa hin.

"Wir wollen unserer gefallenen Helden gedenken", erklärten die beiden auf Englisch
"Tod dem Faschismus"
Auch junge Besucherinnen begleiten ihre Eltern mit Fahnen zur Veranstaltung
Kroatische Flaggen säumen die Absperrungen
Ein stiller Gebetsmoment
Ein Besucher zeigt den "Hitlergruß". Der Vorfall wiederholte sich mehrmals, auch im Beisein von Polizisten
Nonnen und andere Katholikinnen bei der Andacht
Ein Besucher bei der Kommunion. Das Treffen wird von der katholischen Kirche Kroatiens getragen –auch kroatische Politiker nahmen an der Zeremonie teil
Ein Kranz zum Gedenken des faschistischen Regimes und seiner Gefallenen. Jedoch nicht in Form des kroatischen Wappens, sondern der faschistischen Ustaša. Der Unterschied der Wappen ist an der Farbe des ersten Feldes erkennbar
Mehrere selbstgebastelte Kränze
Die Besucherinnen und Besucher auf dem Loibacher Feld. Nach ersten Schätzungen soll es sich um rund 10.000 Menschen gehandelt haben. Erwartet hatte man 15.000
Die katholische Kapelle
Ein Besucher des rechtsextremen Gedenkens mit einer stattlichen Kroatien-Fahne
Viele kamen in kroatischen Farben und mit Fahnen
Abgang

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