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Klimawandel

Ein Schweizer Gletscher hat zwei neue "Ötzis" ausgespuckt

Die mumifizierten Leichen sind die vor 75 Jahren verschollenen Eltern einer heute 79-Jährigen.

von VICE Staff
19 Juli 2017, 11:55am

Alle Fotos zur Verfügung gestellt von Glacier 3000

Die Entdeckung des Ötzis vor 26 Jahren war eine Sensation – die ganze Welt war fasziniert von der Eismumie, die in einem Gletscher an der italienisch-österreichischen Grenze aufgetaucht war. Letzte Woche gab jetzt auch ein Schweizer Gletscher zwei mumifizierte Leichen frei.

Im Skigebiet Glacier 3000, das auf einem Gletscher liegt, fiel dem Fahrer eines Pistenfahrzeugs ein schwarzer Fleck im Eis auf. Er hielt ihn zunächst für Geröll. "Dann ging er näher, weil das Ganze doch etwas anders aussah als einfach nur Geröll. Da fand er die Überreste eines Pärchens, die größtenteils noch im Eis eingefroren waren", sagte Bernhard Tschannen, Direktor von Glacier 3000, gegenüber der Zeitung Blick.

Der Fundort der Leichen | Foto: Kantonspolizei Wallis
Der Fundort der Leichen | Foto: Kantonspolizei Wallis

Die Kleidung der beiden und Gegenstände wie eine Weinflasche, die sie bei sich hatten, führten zu der Vermutung, dass sie aus einer seit 1926 verschwundenen Seilschaft stammten. Wahrscheinlich sind sie auf einer Wanderung in eine Gletscherspalte gestürzt. Der Kanton Wallis führt seit 1925 eine Liste mit verschollenen Personen, derzeit sind es 280 – mehrheitlich aus dem Hochgebirge. Leichen von Vermissten, die auf Gletschern verunglücken, tauchen oft erst Jahrzehnte später auf, wenn das Eis wegen des Klimawandels abschmilzt.

Am Dienstag meldete sich dann eine 79-jährige Frau bei der Zeitung Le Matin, die vermutete, dass die gefundenen Körper ihre Eltern sein könnten. Unten rechts ist sie mit einem Foto von ihnen zu sehen:

Nun bestätigte eine DNA-Analyse: Es sind die Eltern der damals vierjährigen Marceline Udry-Dumoulin. Sie verunglückten 1942, als sie über die Berge in den Kanton Bern wandern wollten, um dort auf einer Alp zu arbeiten. Nach dem Verschwinden der Eltern wurden die insgesamt sieben Geschwister getrennt und wuchsen in verschiedenen Familien auf.

Udry-Dumoulin will ihre Eltern jetzt angemessen beisetzen: "Ich werde bei der Beerdigung kein Schwarz tragen. Ich denke, Weiß ist angebrachter. Das symbolisiert die Hoffnung, die ich nie aufgegeben habe."

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