Der Onkel eines verstoßenen Hells Angels wurde in Oldenburg erschossen

Seit einem Monat wird der Ex-Hells-Angles vermisst. Der mutmaßliche Täter hat nicht versucht zu flüchten.

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28 Juli 2017, 2:50pm

Hells Angels 2016 in Gießen, Symbolfoto: imago | Schepp

"Wer von euch meint, meine Familie zu bedrohen oder mich zu bedrohen, der wird sehen." Der Bremer Ex-Hells-Angel Abdullah Rezan Cakici bellt diese Worte in die Kamera, wie einer, der sich in die Ecke getrieben fühlt. Das Video dazu kursiert seit August 2014 im Netz. Er war kurz davor von den Hells Angels Nomads Turkey ausgeschlossen worden. Angeblich wurde er sogar für vogelfrei erklärt. "Out in bad standing" bedeutet, dass jeder Hells Angel ihn angreifen darf.

Jetzt hat sich womöglich gezeigt, dass er seine Feinde nicht einschüchtern konnte.

Am Donnerstagabend marschierte ein Mann in den Oldenburger Laden einer Trockenbaufirma der Familie Cakici und tötete den Onkel des Ex-Hells-Angel. Der 65-Jährige wurde durch drei Schüsse getroffen. Auch der 60-jährige Vater von Cakici erlitt schwere Verletzungen durch Schläge und wurde ins Krankenhaus eingeliefert. Ein Sprecher der Polizei sagte gegenüber VICE, der mutmaßliche Täter habe nicht versucht zu flüchten. Die Polizei nahm den 38-Jährigen noch am Tatort fest.


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Haben sich die Hells Angels an Cakicis Familie gerächt? Dass der Tatverdächtige zu der Gruppe gehört oder sie hinter der Tat steht, konnte die Polizei nicht bestätigen, man ermittle aber auch in diese Richtung. "Im Moment sieht es aber nach geschäftlichen Streitigkeiten aus", sagte der Sprecher der Polizei. Dennoch steht der verletzte Mann im Krankenhaus unter Polizeischutz. Ob das auch für die restliche Familie gilt, wollte der Sprecher mit dem Hinweis auf laufende Ermittlungen nicht bestätigen. Laut Bild seien Cakicis Vater nach dem Rausschmiss seines 29-jährigen Sohnes angeblich Patronenhülsen geschickt worden und wie aus Infos des NDR hervorgeht, wurden nach der Schießerei Hells Angels in der Stadt gesichtet.

In seiner Videoansage behauptete Cakici 2014, er sei ausgeschlossen worden, weil er sich bei Facebook positiv zu kurdischen Kämpfern und gegen den IS geäußert habe. Daraufhin habe es Ärger mit den türkischen Rocker-Brüdern gegeben: "Der Hells Angels Club Nomads Türkei hat zu mir gesagt, es gibt kein Kurdistan." Man habe ihn dann wegen seiner kurdischen Herkunft aus dem Club geworfen und weil man ihn um Geld betrogen habe. "Heute bin ich kein Hells Angel mehr und wer ein Mann ist, soll kommen", sagt Cakici und fügt noch hinzu: "Ich kämpfe bis zum letzten Tropfen."

Cakici hat sich später für dieses Video entschuldigt. Ob er eingeschüchtert wurde, ist unklar und ihn zu fragen im Moment nicht möglich. Denn seit dem 3. Juli 2017 ist er verschwunden. Zuletzt wurde er in einer Oldenburger Shisha-Bar gesehen. Einige Tage später meldete ihn seine Familie als vermisst. Inzwischen hat die Polizei Oldenburg laut Nordwest Zeitung eine SOKO Cakici eingerichtet, in der 15 Beamte nach dem Mann fahnden.

Es könne sein, dass Cakici in den Untergrund abgetaucht sei, sagte der Sprecher der Polizei gegenüber VICE. "Wir ziehen aber alle möglichen Szenarien in Betracht und ermitteln auch in Richtung eines Tötungsdeliktes."

Hinweise zu Rezan Cakicis Aufenthaltsort nimmt die Polizei Oldenburg unter 0441/790-4115 entgegen.

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