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Top-'WoW'-Spieler legt seinen eigenen Clan mit DDoS-Attacken lahm

Ein skrupelloser 'World of Warcraft'-Ersatzspieler hat seine Clan-Mitglieder immer wieder gezielt außer Gefecht gesetzt, um selbst im Rampenlicht stehen zu können. Erst jetzt flog sein Verrat auf.

von Dominik Schott
13 Dezember 2017, 12:33pm

Bild: Blizzard

In der Nacht zum 12. Dezember verschickt der World of Warcraft-Spieler "Adois" einen gekürzten und unscheinbar wirkenden Link an die Mitglieder seines Clans. Nur ein Spieler klickt auf Drängen von "Adois" tatsächlich auch auf die URL – und tappt damit in eine hinterhältige Falle. Denn der Link führt zu einem sogenannten IP-Scraper, der die Netzwerkadresse des Mitspielers ermittelt und ihn kurz darauf zum Ziel eines DDoS-Angriffs macht: einer gezielten Betriebssystem-Überlastung des Opfers, die dessen Rechner zeitweise völlig lahmlegt. Aber warum würde "Adois" das seinen Mitspielern antun wollen?

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Kurz nach dem DDoS-Angriff findet der übrige Clan heraus, was "Adois" dazu angetrieben hat, wissentlich die Computer seiner Mitspieler zu sabotieren: Er hatte die Nase von der Ersatzbank voll.

DDoS-Angriffe für ein paar Stunden Ruhm

"Adois" ist Mitglied des Clans "Limit", der zu den erfolgreichsten und bekanntesten Spielgemeinschaften von World of Warcraft zählt. Wie jeder andere größere WoW-Clan ist auch "Limit" straff durchorganisiert und hat jedes seiner Mitglieder einer festen Rolle zugeteilt, die sie in dem Rollenspiel übernehmen: Heiler, Krieger, Schütze, Magier und so weiter. Ähnlich wie beim Fußballsport sind alle Mitglieder gemessen an ihren Fähigkeiten im Spiel außerdem in "Mannschaften" aufgeteilt: Die besten Clan-Mitglieder stellen die "erste Mannschaft", während die übrigen Mitspieler auf die Reservebank müssen. "Adois" gehörte seit seinem Beitritt in den Clan zu dieser Reserve. Und das wurmte den Spieler offenbar sehr.

So entwarf er einen Plan, der ihn endlich von der Ersatzbank holen sollte – auf Kosten seiner Mitspieler: Vor jedem großen Raid, den die "erste Mannschaft" des Clans gemeinsam unternahm, schickte er den teilnehmenden Spielern einen seiner DDoS-Links. Wer auf den Link klickte, verlor vorübergehend den Zugriff auf seinen Computer, konnte an dem anstehenden Raid nicht teilnehmen – und ermöglichte "Adois", der sich bereits startklar gemacht hatte, als Reserve nachzurücken. So einen Vorfall hat es in der gesamten Geschichte des Clans noch nicht gegeben.

"Jeathebelle", ein hochrangiges Clan-Mitglied, wurde angesichts dieses perfekten Timings schließlich misstrauisch und prüfte die infizierten Links, die "Adois" zuvor im Discord-Channel verteilt hatte. So wurde der faul spielende Reservist enttarnt.

Ersatz habe der Clan für ihn trotzdem nicht finden können – auch, wenn die Anführer von "Limit" immer wieder versucht haben, neue Spieler zu einer Bewerbung zu überreden. Ein Grund für die schleppende Organisation eines Ersatzes seien die hohen Anforderungen, die der Clan an potentielle Rekruten stellt. Das offizielle Bewerbungsformular von "Limit" verlangt beispielsweise nach einer detaillierten Auflistung aller bisherigen Clans und den Gründen, warum diese wieder verlassen wurden. Neben den Fragen müssen die Bewerber außerdem mehrere Übungsspiele bestehen, in denen sie gemeinsam mit anderen Clan-Mitgliedern einige Raids spielen, die teilweise mehrere Stunden andauern. So sieht Probe-Arbeiten in der Welt von World of Warcraft aus.

Wie "Adois" nach seinem Rauswurf über seine Taten denkt, wollte er uns auf Nachfrage nicht erklären: Auf die Interview-Anfrage von Motherboard Deutschland hat der Spieler bisher nicht reagiert. So überlässt er weiterhin seinen erzürnten, ehemaligen Clan-Mitgliedern das Feld, die sich wohl noch lange an diesen Verrat erinnern werden.