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Gesundheit

Müssen wir uns wirklich zweimal täglich die Zähne putzen?

Es ist doch sicher nicht schlimm, ab und zu mal aufs Zähneputzen zu verzichten. Wer so denkt, dem droht weitaus mehr als "nur" Karies und Zahnfleischentzündungen.

von Patia Braithwaite
17 September 2017, 8:12am

Foto: Jim Winstead | Flickr | CC BY 2.0

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Das Szenario

Du kommst nachts vom Feiern nach Hause und willst eigentlich nur noch ins Bett fallen. Dann erblickst du jedoch deine Zahnbürste und das schlechte Gewissen packt dich. Schließlich hat man dir von klein auf beigebracht, dass du morgens und abends die Zähne putzen musst. "Ach, mit meinen Beißerchen ist doch alles in Ordnung. Wird schon nicht so schlimm sein, wenn ich mal ohne Zähneputzen schlafen gehe", denkst du dir und schließt die Badezimmertür wieder. Aber stimmt das wirklich? Hast du tatsächlich schon viele Stunden deines Lebens verschwendet, weil du – wie empfohlen – jeden Abend zwei Minuten lang Zähne putzt?


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Die Fakten

Wie jeder weiß, sind unsere Mundhöhlen ziemlich eklig. In dieser warmen und feuchten Umgebung fühlen sich die verschiedensten Bakterien nämlich pudelwohl. "Die häufigste Krankheit, die sich hier ganz einfach verhindern lässt, ist Zahnkaries. Verursacht wird das Ganze durch das Bakterium Streptococcus mutans", erklärt Alex Shalman, kosmetischer Zahnarzt und Dozent am NYU College of Dentistry. "Dieses Bakterium tragen wir alle in unseren Mündern herum, aber unter säuerlichen Bedingungen blüht es erst so richtig auf."

Durch den Kaffee, den Zucker und die ganzen Kohlenhydrate, die wir konsumieren, steigt der Säuregehalt in der Mundhöhle quasi wie von selbst – ein Fest für die Bakterien. Die einzige Möglichkeit, die kleinen Lebewesen noch irgendwie aufzuhalten: sie durch Zähneputzen "durcheinanderbringen". Die American Dental Association empfiehlt, in einem Zeitraum von 24 Stunden mindestens zweimal mit der Zahnbürste zu Werke zu gehen, damit die Bakterien keinen größeren Schaden anrichten können. Zähneputzen hat laut Shalman gleich zwei Vorteile: Zum einen werden so bereits vorhandene Zahnbeläge und Bakterien zersetzt, zum anderen verschwinden die Essensreste, die mit für die säuerlichen Bedingungen sorgen. Das alles verringere das Kariesrisiko.

Das Worst-Case-Szenario

Wenn wir unsere Zähne nicht ausreichend putzen (also mindestens zweimal täglich), dann folgt Shalman zufolge im schlimmsten Fall heftiger Karies – die Zähne entzünden sich und fallen aus. Eine weitere Folge des Nichtputzens: Parodontitis, auch bekannt als Zahnfleischentzündung. Und damit noch nicht genug: "Wenn unser Immunsystem auf die Parodontitis-Bakterien reagiert, dann können auch Knochen und sogar Organe beschädigt werden", warnt Shalman. Es zerstört bei dieser Reaktion nämlich alles, was ihm im Weg steht. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass schlechte Mundhygiene Herzerkrankungen begünstigen kann.

Das wahrscheinliche Szenario

Falls du es vor Müdigkeit wirklich nicht mehr schaffst, noch mal kurz die Zahnbürste in die Hand zu nehmen, dann wirst du am nächsten Morgen natürlich nicht sofort mit einem entstellten Kiefer und fehlenden Zähnen aufwachen. Lediglich dein Karies- und Parodontitis-Risiko steigt.

Tatsächlich ist es sogar am sinnvollsten, dreimal täglich zur Zahnbürste zu greifen.

Es gibt jedoch einen Grund, warum es gerade abends wichtig ist, die Zähne zu putzen: Nachts fährt der Körper seinen Speichelfluss extrem zurück. "Dadurch bleiben mehr Ablagerungen an den Zähnen kleben", sagt Mazen Natour, ein Professor der Parodontologie und Implantat-Zahnkunde am NYU College of Dentistry. Und tagsüber sammle sich nun mal viel auf den Zähnen an, fährt er fort. "Wenn man wirklich nur einmal am Tag Zähne putzen will, dann sollte man das zumindest abends tun."

Das Fazit

Ab und zu aufs Zähneputzen zu verzichten, richtet zwar keinen unmittelbaren Schaden an, aber langfristig ist das Ganze doch sehr ungesund. Tatsächlich ist es sogar am sinnvollsten, dreimal täglich zur Zahnbürste zu greifen. Wir essen ja auch öfter als zweimal am Tag. "Durch jede Nahrungsaufnahme liefern wir den Bakterien neuen Nährboden", erklärt Natour – und damit auch Karies und Parodontitis. Eine aktuelle Studie untermauert diesen Ratschlag: Forscher haben herausgefunden, dass parodontale Erkrankungen bei Koreanern weniger oft vorkommen als bei US-Amerikanern und Australiern. Und die putzen (im Schnitt) dreimal täglich drei Minuten lang ihre Zähne. Also stell dich mal nicht so an, deine Beißerchen werden es dir danken!

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