Andreas Müller, Joschka Fischer, Marvin Game, Marlene Mortler, Georg Wurth (von links) ||| Collage bestehend aus: Müller: imago | Horst Galluschka || Mortler: imago | photothek || Fischer: imago | APress ||  Wurth: imago | Lars Berg || Marvin Game: Norman Keutgen || Hintergrund: pexels.com

Diese Menschen kümmern sich darum, dass du bald legal kiffen darfst

Ja, auch die Drogenbeauftragte der Bundesregierung gehört dazu. Und neuerdings auch Ex-Außenminister Joschka Fischer.

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Jan. 7 2019, 3:59pm

Andreas Müller, Joschka Fischer, Marvin Game, Marlene Mortler, Georg Wurth (von links) ||| Collage bestehend aus: Müller: imago | Horst Galluschka || Mortler: imago | photothek || Fischer: imago | APress ||  Wurth: imago | Lars Berg || Marvin Game: Norman Keutgen || Hintergrund: pexels.com

Manche Politikerkarrieren bleiben auch nach ihrem Ende spannend, so als habe sie sich ein Serienschreiber von Breaking Bad ausgedacht. Kurz angerissene Handlungsstränge aus einer frühen Staffel finden in der vorletzten ihre Auflösung. So verhält es sich auch mit Joschka Fischer und seinem neuen Job als Cannabis-Lobbyist.

Der ehemalige deutsche Außenminister und Vizekanzler setzte sich schon als Grünen-Politiker für die Freigabe von Cannabis ein. Jetzt zahlt sich sein Engagement zwar nicht in einer Gesetzesänderung aus, aber doch in einem neuen Job. Der 70-Jährige wird beim kanadischen Cannabis-Unternehmen Tilray Mitglied im internationalen Beirat, schreibt der Spiegel.

Die Firma erforscht und produziert medizinisches Cannabis. Deutsche Cannabis-Unternehmen dürften über Fischers Engagement nicht glücklich sein, denn Tilray ist für sie eine Konkurrenz am Markt für medizinisches Cannabis. Wenn Joschka Fischer seine alten Politik-Kontakte jedoch auch für die Legalisierung beharken sollte, könnten Konsumierende hierzulande profitieren.

Und Joschka Fischer ist nicht der einzige wortgewandte Cannabis-Fürsprecher auf den Kifferinnen und Kiffer hoffen können.

Georg Wurth – Der Cheflobbyist

"Wenn wir warten, werden andere Staaten dieses Geschäft übernehmen und wir werden am Ende nur noch Absatzmarkt sein." Es ist die große Politiker-Angst vor der wirtschaftlichen Bedeutungslosigkeit, die Georg Wurth im vergangenen Jahr im Petitionsausschuss des Bundestags ansprach. Als er dort für die Cannabis-Legalisierung plädierte, lieferte er außerdem Zahlen, Daten, Fakten und schlug vor, die Milliarden an potentiellen Steuereinnahmen anzulegen "in Präventionsmaßnahmen und in Hilfsangeboten für die, die tatsächlich Schwierigkeiten mit Cannabis haben".

Der Cheflobbyist des Deutschen Hanfverbands kann es sich in seiner Position nicht leisten, schlecht vorbereitet zu sein. Und so zerlegt Wurth bei Podiumsdiskussionen regelmäßig seine Gegner.


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Denn der Hanfverband fordert keine unkontrollierte Legalisierung. Der 47-jährige Wurth wirbt für einen staatlich regulierten Markt. Davon würden die Unternehmen profitieren, die den Hanfverband finanzieren. Aber Wurth geht auch davon aus, dass dadurch der Konsum allgemein sinken würde und man vor allem problematischen Konsum besser verhindern könnte. Obwohl hinter Georg Wurths Aktivismus also auch wirtschaftliche Interessen stehen, ist er regelmäßig einer der wenigen, die in der Legalisierungsdebatte rational argumentieren.

Andreas Müller – Der Jugendrichter

Wenn die Bild jemanden ehrfurchtsvoll den "härtesten Jugendrichter Deutschlands" nennt, würde man von diesem Richter eher nicht erwarten, dass er Kiffer einfach kiffen lassen möchte. Andreas Müller predigt genau das.

Müllers älterer Bruder habe als Jugendlicher gekifft, sei deshalb von der Schule geflogen und habe irgendwann selbst gedealt, erzählte der 57-Jährige einmal der taz. Schließlich sei der Bruder wegen Cannabis im Knast gelandet. Als er wieder rauskam, habe er mit Heroin begonnen. Müllers Bruder ist inzwischen verstorben. Was bleibt, ist der Wille des Richters, dafür zu sorgen, dass andere Menschen nicht wegen Cannabis in eine Kriminellenkarriere geraten. Mit norddeutscher Kühle und trockenem Humor hat sich Müller zu einem der größten Fürsprecher der Legalisierung entwickelt – oft in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Hanfverband.

Marvin Game – Der rappende CBD-Unternehmer

Kiffende Rapper überraschen in etwas so sehr wie Fitness-YouTuber, die einen Blumenkohl-Erdbeer-Smoothie frühstücken. Daher könnten hier auch Plusmacher, Marteria, Nura oder Juju als bekannte Cannabis-Sprachrohre stehen. Marvin Game hat jedoch neben seiner Musik mit seinem 16Bars-Videoformat Hotbox ein weiteres Schaufenster für öffentlichen Cannabis-Konsum geschaffen. Kurz gesagt, kifft er in diesem Format mit anderen Künstlerinnen und Künstlern in einem Auto – und redet darüber. Klingt jetzt nicht gerade nach einem verantwortungsvollen Konsum. Dafür spricht er sich in Interviews oft für einen gesunden Lebensstil aus – abseits von hängengebliebenen Kiffer-Klischees. Dazu passt auch eine eigene CBD-Gras-Sorte "Obstsalat".

Marlene Mortler – Die unbewusste Unterstützerin

Als Drogenbeauftragte der Bundesregierung scheint Marlene Mortler ihre Aufgabe darin zu sehen, das Cannabis-Verbot möglichst zu erhalten. Diesen Job erledigt sie jedoch so eigenwillig, dass sie der Legalisierung mehr genutzt hat als so manche pro-Cannabis-Aktivistin. Fast schon legendär ist ihre Antwort auf die Frage, warum Cannabis im Gegensatz zu Alkohol verboten sei: "Weil Cannabis eine illegale Droge ist. Punkt."

Während die Befürworter der Cannabis-Legalisierung oft eloquenter argumentieren als Eminem im finalen Battle von 8 Mile, besticht die CSU-Politikerin immer wieder mit irritierender Ahnungslosigkeit. So behauptete sie einmal, in Colorado sei nach der Gras-Legalisierung die Zahl jugendlicher Konsumierender um 20 Prozent gestiegen. Es stellte sich heraus, dass sie diese falsche Information von einem US-amerikanischen Cannabis-Gegner hatte, der alternative Fakten verbreitet. Colorados Gesundheitsbehörde hatte diesen Zahlen widersprochen.

Auch nachdem Kanada im Oktober Cannabis vollständig legalisiert hat, kritisierte Mortler das. Denn der THC-Gehalt von Marihuana sei in den letzten Jahren immer stärker geworden. Auch damit argumentierte sie wieder indirekt für eine Legalisierung. Denn wenn der Staat den Markt regulieren würde, könnte er auch die Inhaltsstoffe von Cannabis kontrollieren.

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