In 'Black Panther' sind selbst die Kostüme revolutionär

Wir haben mit Kostümbildnerin Ruth E. Carter über den Hype um Marvels rekordbrechendes Meisterwerk gesprochen.

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20 Februar 2018, 11:21am

Links: Ruth E. Carter | bereitgestellt von PR || Rechts: Lupita Nyong'o in Black Panther | Matt Kennedy | Marvel Studios

"Ich hatte keine Ahnung, wann der Trailer Premiere feierte. Deswegen musste ich mich richtig beeilen, um den Fernseher noch rechtzeitig einzuschalten", sagt Ruth E. Carter lachend. Zwar ist der Clip zum Superhelden-Blockbuster Black Panther keine zwei Minuten lang, aber er entfachte trotzdem einen Hype, den selbst etablierte Franchises wie Spider-Man oder Superman kaum mehr hinbekommen. Verantwortlich für diese Aufregung sind auch Carters phänomenale Fähigkeiten als Kostümbildnerin.

Inspiriert von den traditionellen Gewändern der Maasai-, Tuareg-, Turkana-, Xhosa-, Zulu-, Suri- und Dinka-Völker, erschuf Carter für den fiktiven afrikanischen Staat Wakanda eine Optik, die einerseits tief in der Geschichte Afrikas verwurzelt ist, andererseits aber auch total zeitgenössisch wirkt. So trägt Schauspielerin Lupita Nyong'o beispielsweise eine aufwendige Perlenrüstung mit goldenen Halsringen, die an den Schmuck der Ndebele-Frauen in Südafrika erinnern. Dazu kommen tödliche Waffen aus Vibranium, dem wertvollen Metall, das Wakanda so reich und technologisch überlegen macht.

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Die Aufmachung der Charaktere ist futuristisch und strahlt Stärke aus, ohne nach klassischen Superhelden-Outfits auszusehen. Oder um es mit den Worten eines Fans auf auf Twitter zu sagen: "Diese Kostüme sind die absolut KRASSESTEN, BESTEN, COOLSTEN, ÜBERWÄLTIGENDSTEN Kostüme die ich jemals in einem Superheldenfilm gesehen habe!"

Natürlich wollten viele Leute wissen, wer hinter dieser Optik steckt. "Bei Twitter kamen immer mehr Fragen rein. Also habe ich angefangen, sie zu beantworten", erzählt Carter. "Ich war überrascht, wie sehr den Leuten die Kostüme gefallen haben." Im Nu hatte die Kostümbildnerin 2.500 neue Follower und war quasi live dabei, als die User jeden festgehaltenen Frame des Black Panther-Trailers genauestens studierten.


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Kostümdesign zählt zu den Künsten Hollywoods, die eher im Hintergrund stehen. Die meisten Zuschauer achten nicht sonderlich auf sie, schließlich ist es der Job des Kostümbildners, die Vision des Regisseurs umzusetzen – nicht, die Outfits in den Mittelpunkt zu rücken und so die Schauspieler zu überschatten. Allerdings wird auch schnell offensichtlich, wenn das Kostümdesign nicht stimmig ist. Ein Beispiel: Die Gumminippel am Batman-Kostüm in Batman & Robin.

Im Lauf ihrer 30-jährigen Karriere hat Ruth E. Carter schon Kostüme für verschiedene Filmgenres designt – egal ob historische Dramen ( Selma), Actionstreifen ( Shaft – Noch Fragen?) oder Rom-Coms ( Love & Basketball). In ihren Outfits steckten Stars wie Halle Berry, Samuel L. Jackson oder Eddie Murphy. Und jetzt ist sie für die Kostüme in Black Panther verantwortlich, dem ersten Marvel-Superheldenfilm, in dem sowohl der Hauptdarsteller (Chadwick Boseman) als auch der Regisseur (Ryan Coogler) schwarz sind. "Ich bin stolz darauf, dass meine Karriere sich so entwickelt hat", sagt sie. "Ich wollte schon immer dazu beitragen, dass schwarze Kultur angemessen repräsentiert wird."

In ihrer Jugend begleitete Carter ihrer Mutter regelmäßig nach New York, wo sich die beiden am Broadway bahnbrechende schwarze Theaterstücke wie For Colored Girls Who Have Considered Suicide / When the Rainbow Is Enuf oder Mama, I Wanna Sing! anschauten. "Ich begeisterte mich schon fürs Kostümdesign, als ich noch nicht mal wusste, dass es sowas gibt", sagt sie.

Ruth E. Carters Zeichnung für Denzel Washington in Malcolm X | Foto bereitgestellt von PR

Während ihres Studiums an der Hampton University, brachte sich Carter schließlich selbst das Schneidern bei. Sie sammelte Erfahrung, indem sie die Outfits für alle Theaterstücke und Musicals der Universität entwarf und nähte. Als junge Bühnendesignerin lernte sie in Los Angeles dann den damals aufstrebenden Filmemacher Spike Lee kennen und willigte ein, die Kostüme für dessen Film School Daze zu designen. Es sollte nicht bei dieser einen Produktion bleiben. Auch für Malcolm X and She’s Gotta Have It arbeiteten die beiden zusammen.

"Als ich die Zusage für Malcolm X erhielt, sagte Spike mir direkt, dass ich nicht über einen Oscar oder so nachdenken, sondern mit meinem gottgegebenen Talent einfach loslegen solle", erzählt Carter. Die Kostümbildnerin wurde 1992 zwar tatsächlich für einen Academy Award nominiert, musste sich aber Eiko Ishioka ( Bram Stoker's Dracula) geschlagen geben. Fünf Jahre später war sie für Steven Spielbergs Amistad erneut nominiert, dieses Mal ging der Oscar allerdings an Anne Roth und ihre Leistung in Der englische Patient.

"Ich bin seit 25 Jahren Mitglied der Academy", sagt Carter. "Trotzdem hat es sich für mich nie so angefühlt, als würde ich dazugehören."

Die Kostümbildnern ist Teil eines Academy-Kommitees, dass sich für mehr Diversität einsetzt. Umso glücklicher ist sie darüber, dass Hollywood das Thema Inklusion endlich ernstzunehmen scheint. “Spike Lee hat 2015 einen Ehrenoscar bekommen, Ava DuVernay und ihre Regiearbeit finden Anerkennung und jedes Jahr werden immer mehr Menschen dunkler Hautfarbe Mitglied der Academy", sagt sie. Trotzdem ist es auch für sie "ziemlich beängstigend", für ein derart revolutionäres Projekt mit den Marvel Studios zusammenzuarbeiten – immerhin ein Unternehmen, das mit insgesamt 17 Filmen weltweit über 13 Milliarden Dollar eingespielt hat.

"Auch wenn ich mich in dieser Welt nicht auskenne und viel lernen musste, wurde mir klar: Ich muss meinem Bauchgefühl, meiner Leidenschaft, meinem Stolz und meiner Liebe für Kostüme folgen”, sagt Carter. “Ich glaube, ich habe ihnen etwas gegeben, dass sie so vorher noch nie hatten."

Michael B. Jordan und Chadwick Boseman | Foto: Matt Kennedy | Marvel Studios

"Auch wenn ich mich in dieser Welt nicht auskenne und viel lernen musste, wurde mir klar: Ich muss meinem Bauchgefühl, meiner Leidenschaft, meinem Stolz und meiner Liebe für Kostüme folgen", sagt Carter. "Ich glaube, ich habe ihnen etwas gegeben, dass sie so vorher noch nie hatten."

Egal ob für einen Historienfilm oder für ein afro-futuristisches Superhelden-Epos, laut Carter sind beim Kostümdesign zwei Dinge essentiell: Recherche und Teamwork. Wie Hollywood Reporter berichtet, leitete Carter für Black Panther ein Team von fünf Illustratoren, 14 Designern, Stofffärbern, Schmuckherstellern und anderen Kreativen. Für die Recherche flog das Team nach Ghana und Südafrika, um dort nach Textilien und Inspiration zu suchen. Außerdem lassen sich in den Outfits Einflüsse der Mode von Yves Saint Laurent und Issey Miyake finden.

"Die Leute müssen sie sehen und sich damit identifizieren können", sagt Carter über die Kostüme in Black Panther. "Obwohl Wakanda kein real existierender Ort ist, sollen die Zuschauer sagen, dass sie sich diese Welt und die Königin genau so vorgestellt haben."

Mit Königin meint Carter Angela Bassett, die mit Ramonda die Stiefmutter des Black Panther-Protagonisten T'Challa verkörpert. "Ich habe Angela schon in Stellas Groove: Männer sind die halbe Miete eingekleidet und sie zu Tina Turner gemacht. In Black Panther ist sie jetzt die Königin von Wakanda", sagt Carter über die Schauspielerin, die auch schon für einen Oscar nominiert war. "Sie ist sehr majestätisch und spielt die Rolle perfekt. Sie gehört auf jeden Fall zu meinen Lieblingen."

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Obwohl sie schon so lange im Geschäft ist, hätte Carter nicht gedacht, wie sehr Black Panther einschlagen würde. Der Film bricht in den USA einen Zuschauerrekord nach dem anderen, in Deutschland musste er sich an den Kinokassen nur dem dritten und letzten Teil von Fifty Shades of Grey geschlagen geben.

"Das macht mich stolz, weil mir das zeigt, dass wir eine ganze Mentalität geschaffen haben", sagt sie über den Hype. "Wenn man jetzt eine Frau beim Einkaufen oder in der Postfiliale sieht, die typisch afrikanische Ballonhosen und ein Gele-Kopftuch trägt, dann ist man nicht mehr verwundert, sondern sagt eher: 'Hey, das kenne ich aus Black Panther!'" Der Film könne nachhaltig verändern, wie afrikanische Länder im Mainstream gesehen werden: "Obwohl es Wakanda nicht wirklich gibt, zeigt dieser Ort trotzdem sehr gut auf, wie vielfältig Afrika eigentlich ist."

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