Munchies

Wir haben Plastik-Strohhalm-Alternativen ausprobiert, damit ihr es nicht müsst

Plastik-Strohhalme sind für viele Umweltschützer inzwischen Hassobjekt Nummer eins. Aber was taugen die Alternativen überhaupt?

von Eve Peyser
13 Juli 2018, 8:19am

Alle Fotos: Liz Renstrom

Seattle ist die erste US-amerikanische Stadt, die Wegwerf-Plastik-Strohhalme komplett verboten hat. Jetzt hat Starbucks nachgezogen und will bis 2020 alle Einweg-Plastik-Strohhalme aus den Filialen verbannen. Die Lage in den USA ist aber auch mehr als drastisch: Dort werden täglich mehr Strohhalme verbraucht, als es Menschen gibt. In Zahlen: 500 Millionen. Es ist also definitiv nichts Schlechtes, dass sich das Land einer Sache langsam klar wird: Strohhalme aus Plastik sind schlecht für die Umwelt.

So problematisch das Ganze auch sein mag, ich persönlich liebe Plastik-Strohhalme trotzdem. Egal ob nun meinen dritten Energy-Drink oder ein Glas kalten Kakao, wenn ich etwas trinke, dann nur mit Strohhalm (wichtige Ausnahmen: Wasser, heißer Kaffee und alkoholfreies Bier). Welche Alternativen habe ich denn überhaupt? Meinen Mund an ein Glas setzen und mein Gesicht möglicherweise mit einem klebrigen Getränk besudeln? Einen Papier-Strohhalm in meinem Getränk verkommen lassen? Meine Zähne an einem gefährlichen Metall-Strohhalm anschlagen? Nein, danke.

Ich bin auf meinen Strohhalm-Verbrauch aber auch nicht stolz. Dank meinem MUNCHIES-Kollegen Ian Burke weiß ich ja, dass Strohhalme Fische töten und auch anderen Meerestieren das Leben zur Hölle machen. Aber wir schaden der Umwelt doch auch noch anders, zum Beispiel durch unsere kraftstoff-angetriebenen Autos, unsere elektronischen Geräte und unsere Lebensmittel, die teilweise vom anderen Ende der Welt zu uns kommen. Im großen Zusammenhang kann man meinen persönlichen Strohhalm-Verbrauch doch vernachlässigen – und ich als individuelle Konsumentin kann sowieso kaum etwas gegen die bevorstehende Umwelt-Apokalypse tun. Das rede ich mir zumindest immer ein.

Aber seit Starbucks und Seattle eine Anti-Strohhalm-Bewegung losgetreten haben, kann ich meinen Strohhalm-Verbrauch nicht einfach mehr so entschuldigen. Und meine Heimatstadt New York denkt inzwischen auch über ein Verbot nach [in der EU gibt es solche Pläne ebenfalls]. Aus diesem Grund habe ich jedes alternative und umweltfreundlichere Trinkröhrchen, das ich finden konnte, zuerst ausprobiert und dann bewertet.

Letzter Platz: der Strohhalm aus Papier

Wenn wir schon Wegwerf-Plastik-Strohhalme verbieten, dann können dir das gleiche auch direkt mit Papier-Strohhalmen tun. Wer auch immer diese Teile erfunden hat, sollte wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor Gericht kommen. Das Papierröhrchen wird in Flüssigkeit sehr schnell weich und die Struktur so zu einem Albtraum. Außerdem schmeckt das Getränk durch den Strohhalm nach Papier – und das kann ich nicht ignorieren.

Der Strohhalm aus Metall

Ich hasse diesen Strohhalm so sehr. Er fühlt sich auf meinen Zähnen richtig komisch an, er verursacht einen metallischen Geschmack in meinem Mund und er ist verdammt kalt. Als ich das Teil zum ersten Mal ausprobierte, zielte ich mit meinem Mund knapp daneben und das harte Metall kratzte über meine Zähne und mein Zahnfleisch. Anders gesagt: Dieser Strohhalm ist eine Todesfalle. Außerdem ist diese Variante im Gegensatz zum Plastik-Strohhalm kein bisschen weich und man kann nicht geistesabwesend darauf herumkauen. Meiner Meinung nach ein dickes Minus.


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Der kompostierbare Strohhalm

Diese Strohhalm-Variante soll "aus Pflanzen gemacht" sein und erinnert zumindest äußerlich an den Papier-Strohhalm. Zwar hat auch sie diesen komischen papierartigen Geschmack, aber immerhin zersetzt sie sich nicht so schnell und verändert den Geschmack des Getränks nicht so stark. Ich finde diesen Strohhalm jetzt auch nicht wirklich gut, aber er ist auf jeden Fall besser als die Metall- oder Papiervertreter.

Der wiederverwendbare Strohhalm aus Plastik

Bei dieser Art Strohhalm handelt es sich im Grunde um eine härtere Version des klassischen Strohhalms. Damit zu trinken, ist ganz OK, ich könnte mir das Ganze schon als Alternative vorstellen. Dennoch wünschte ich mir die ganze Zeit, dass das Teil biegsamer wäre. Und ich stellte mir immer wieder Frage, ob es wirklich das Problem löst, wenn wir Wegwerf-Plastik mit wiederverwendbarem Plastik ersetzen.

Der Strohhalm aus Silikon

Als ich mir diesen Strohhalm kaufte, sagte die Verkäuferin im Ökoladen, dass ich ihn anzünden müsse, wenn ich ihn loswerden wolle. Soweit kam es aber gar nicht, denn ich finde den Strohhalm gar nicht mal so übel. Er ist so biegsam wie ein normaler Plastik-Strohhalm und man kann so viel darauf rumkauen, wie man will. Es gibt nur ein Problem: Durch die platte Form erinnert mich das Silikon-Trinkröhrchen sehr stark an eine Schnabeltasse für kleine Kinder. Mit jedem Schluck fühlt man sich immer mehr in die eigene Kindheit zurückgeworfen – und man muss viel stärker saugen als bei normalen Strohhalmen. OK, vielleicht ist das aber auch ein gutes Workout für die Kiefer- und Mundmuskulatur.

Erster Platz: Der problematische Wegwerf-Strohhalm aus Plastik

Sorry Leute, aber es gibt einfach keinen besseren Strohhalm als das allgegenwärtige Öko-Desaster. Die Biegsamkeit, der neutrale Geschmack und die Zeitlosigkeit machen das Wegwerf-Plastikröhrchen zum idealen Trinkutensil. So falsch und gleichzeitig so gut. Dagegen kann ich nichts machen – außer meinen Hedonismus mal hinten anstellen und etwas Gutes für die Welt tun.