Sehr wichtige Internetvideos

Yung Hurn gibt am Openair Frauenfeld das Interview des Jahres

Der Wiener nimmt Rache für das legendäre SRF-Interview von 2017.
9.7.18

Yung Hurn gibt selten Interviews. Doch wenn er am Openair Frauenfeld vor der Kamera von SRF Virus sitzt, scheint Kultpotential vorprogrammiert zu sein. So geht gerade das zweite laut SRF "verstörende" Interview mit dem Wiener viral. Darin nimmt Yung Hurn den Moderator auf jeder Meta-Ebene auseinander.

SRF Virus und Yung Hurn haben eine glorreiche Vorgeschichte: Bereits letztes Jahr trafen die zwei Giganten der Unterhaltungsindustrie aufeinander. Entstanden ist ein sehr amüsantes Video, in dem Yung Hurn überhaupt nichts ernst nimmt: weder die Fragen, die auf ihn einprasseln, noch die SRF-Crew – was er tatsächlich gefragt wurde und folgendermassen beantwortete: "Ihr nehmt mich doch auch nicht ernst." Das untermauerte das SRF wiederum damit, dass es das ungeschnittene Video veröffentlichte und Yung Hurn im Infotext als "eine Art hyperaktives Kind" beschrieb. Das ist ja fast wie ein richtiger Beef.

2018 das Wiedersehen. Der Plan von Virus: Mit Yung Hurn über das letzte Interview zu reden oder ihm noch mal dieselben Fragen zu stellen – genial. Doch Yung Hurn schien seine eigene Agenda zu haben. "Openair 2018, ich bin gerade ein wenig verwirrt", moderiert SRF-Redaktor Ivo Amarilli das Video an. Es folgen zwölf Minuten, in denen der Wiener Rapper seinen Interviewpartner und somit das Schweizer Fernsehen auflaufen lässt, vorführt und dominiert.

Das Interview beginnt mit Yung Hurns Antwort, dass er sich nicht an das letztjährige Gespräch erinnern könnte. Also muss Amarilli auf dieselben inhaltslosen Fragen von 2017 ausweichen. Er weist den sichtlich genervten und gelangweilten Rapper an, in die Kamera zu schauen und fragt dann: "Welche Superkraft hättest du gerne?" Hurn antwortet mit der Gegenfrage, ob sich Amarilli bei ihm entschuldigen könne. Wofür, will der Wiener nicht sagen, bittet seinen Gesprächspartner stattdessen zu sich auf die Couch, damit ins Bild, und fragt nochmal nach einer Entschuldigung. Amarilli leistet Folge. Yung Hurn nimmt die Entschuldigung mit einem abschätzigen Gesichtsausdruck an. Dann folgt der wirkliche Spass.


Wir waren mit Yung Hurn in seiner Hood:


Amarilli stellt noch mal zwei Fragen vom Katalog. Er scheint noch nicht gecheckt zu haben, dass sich Yung Hurn sehr wohl an das Interview erinnern kann und ihn gerade verarscht. Der Rapper schüttelt nur den Kopf und sagt, er wolle nicht auf diese Fragen antworten und stattdessen schöne hören. Das ist der Moment, in dem Yung Hurn das Gespräch so umdreht, dass er dem SRF den Spiegel vorhält. Er labert zwischendurch Nonsense, aber mit gezielten Aussagen lässt Yung Hurn genial zwischen den Zeilen lesen. Er nehme gemeine Sachen zum Beispiel persönlich. Auf die Frage, was er heute Abend noch mache, antwortet er: "Ein paar Dinge müssen getan werden", wendet sich dann zu Amarilli und fragt: "Du musst aber auch in dich gehen und dich fragen, ob du genug Zeit für dich hast." Später sagt er: "Das Ding ist, dass andere Leute mich brauchen." Die letzten zwei Fragen an Amarilli sind dann aber schon klare Ansagen: "Denkst du, dass du wichtig bist?" und "Hat dich dein Klassenlehrer gemocht?"

Der krönende Abschluss der Vorführung ist eine innige einminütige Umarmung, bei der Yung Hurn Amarilli mit der Hand übers Gesicht fährt, in der Nase bohrt und ihm mit wiederholten "Schhhhhs" den Mund verbietet. Der SRF-Mitarbeiter lässt es mit sich machen.

Spätestens nach dieser Szene sind die einzigen offenen Fragen: Warum lässt sich SRF Virus in Person von Ivo Amarilli so erniedrigen und warum wird das Video dann noch online gestellt? Im Nachhinein sei man sich dessen bewusst geworden, schreibt Amarilli auf srf.ch: "Wir haben das Video publiziert, weil es durchaus künstlerischen Wert hat und Yung Hurn schlussendlich so zeigt, wie man ihn bisher noch nie gesehen hat. Dass ich dabei der Spielball bin, nehme ich in Kauf."

Natürlich bleibt ganz am Schluss noch eine weitere offene Frage: Stecken Hurn und Virus hier nicht vielleicht doch unter einer Decke?


Ein ernstes Interview mit Yung Hurns Label-Kollegen:


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