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Beruf

Menschen, die "schwul" klingen, werden im Berufsleben diskriminiert

Deine Stimme klingt "zu hoch" oder "zu tief" für dein Geschlecht? Laut einer neuen Studie könnte dir das in manchen Fällen den Job kosten – zumindest, wenn der Chef ein Mann ist.

von Sirin Kale
23 März 2017, 9:30am

Photo by Sean Locke via Stocksy

Wenn wir über Diskriminierung am Arbeitsplatz sprechen, geht es häufig um die Hautfarbe, den Namen oder das Geschlecht eines Menschen. Eine neue Studie beweist allerdings, dass die Menschheit noch mehr Wege gefunden hat, Minderheiten oder vermeintlichen Minderheiten Steine in den Weg zu legen.

Die Untersuchung Universität von Surrey konnte zeigen, dass homosexuelle Männer und Frauen aufgrund des Klangs ihrer Stimme regelmäßig von Spitzenpositionen ausgeschlossen werden. Außerdem werden Menschen, die zu "schwul" klingen, häufig bei Beförderungen übergangen. Auch wenn fragwürdig ist, inwiefern sich die Ergebnisse auf die gesamte Gesellschaft übertragen lassen, war ein Detail doch ziemlich aufschlussreich: Im Rahmen der Studie diskriminierten nur Männer vermeintliche LGBTQ-Kollegen. Frauen scheinen sich an diesen Vorurteilen nicht zu beteiligen.

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Im Rahmen der Studie spielte das Forscherteam 40 heterosexuellen Männern Aufnahmen von vermeintlich homosexuellen und heterosexuellen Männern und Frauen vor. Außerdem wurden ihnen Bilder von den Sprechern gezeigt. Über ihre sexuelle Orientierung erzählte man den Teilnehmern hingegen nichts. Nachdem sie die Aufnahme gehört und das Foto des Sprechers gesehen hatten, wurden die Teilnehmer gefragt, welches monatliche Gehalt sie der jeweiligen Person als Führungskraft in einem fiktionalen Unternehmen zuordnen würden.

"Die Teilnehmer hatten nur wenige Informationen über die Kandidaten", erklärt der führende Autor Dr. Fabio Fasoli. Die Audiodateien hätten lediglich den Namen und das Alter der jeweiligen Person enthalten. "Anschließend haben wir die Stimme elektronisch manipuliert, sodass die Hälfte von ihnen [stereotypisch] hetero- beziehungsweise homosexuell klang. Über die tatsächliche sexuelle Orientierung der jeweiligen Person wussten die teilnehmenden Männer nichts."

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Ich frage Dr. Fasoli, woran man festmacht, ob eine Stimme homo- oder heterosexuell klingt. "Grundlage war eine vorherige Studie, bei der wir Menschen gebeten haben, die sexuelle Orientierung von Menschen anhand von Stimmproben zuzuordnen", antwortet er. Zwar hätte sich dabei gezeigt, dass wir eben nicht dazu in der Lage sind, die sexuelle Orientierung eines Menschen anhand seiner Stimme zu beurteilen. Es gibt allerdings nach wie vor das Klischee, dass homosexuelle Männer feminin klingen und lesbische Frauen eine rauere oder "männlichere" Stimme haben.

Dieses Vorurteil wiederum bildete die Basis für die Folgestudie, die wiederum ziemlich entlarvend ist.

"Wir haben festgestellt, dass heterosexuelle Männer auch heterosexuell klingende Stimmen vorziehen und sich seltener für die homosexuell klingende Stimme entscheiden", erklärt Fasoli. "Es könnte sein, dass sie lieber mit heterosexuell klingenden Personen interagieren oder dass sie der homosexuell klingenden Stimme aus dem Weg gehen wollen. Die Ergebnisse lassen Interpretationen in beide Richtungen zu."

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Als sie denselben Versuch mit heterosexuellen Frauen durchgeführt haben, konnten die Forscher kein vergleichbares Muster erkennen. "Die Frauen zeigten keinerlei Präferenz für den einen oder den anderen Sprecher", sagt Fasoli.

Er hofft, dass seine Forschungsarbeit dabei helfen wird, ein tieferes Verständnis für berufliche Diskriminierung unterschiedlicher Couleur zu schaffen. "Wir hoffen, dass den Leuten bewusst wird, dass jeder Mensch eine andere Stimme hat und die Stimme keine Rückschlüsse auf die sexuelle Orientierung eines Menschen zulässt. Unsere stereotype Wahrnehmung von 'homosexuell klingenden' Stimme basiert allein auf Vorurteilen."


Foto: energepic.com | Pexels | CC0

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