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Die 4 Elemente der Fan-Abrechnung mit dem DFB

Der DFB wollte ein Pokalfinale nach Super-Bowl-Vorbild und Musikantenstadl-Umsetzung. Doch die Fans nutzten die Bühne, um dem Verband eine Ohrfeige zu verpassen – und hievten den Konflikt in die breite Öffentlichkeit.

von Benedikt Niessen
29 Mai 2017, 11:47am

Foto: Imago/Matthias Koch

"Eklat um Helene Fischer", titelte die Bild, "Chöre gegen Fischer", schrieb der Tagesspiegel und "Gnadenlos", war das Fazit der Welt. Borussia Dortmund holte den Pokal, die Pfiffe bei Helene Fischers Auftritt tönten aber noch lauter. Das Pfeifkonzert galt dem Deutschen Fußball-Bund – als Warnung.

Der DFB und der gesamte Profifußball stehen bei vielen Fans schon seit Jahren unter kritischer Beobachtung. Wegen der Kommerzialisierung, der klinischen Inszenierung und der immer neuen Einschränkungen für mündige Fans. Das Pokalfinale erreichte jedoch eine neue Stufe der Kritik: Die goldene DFB-Party und ihre Fischer-Halbzeitshow waren zu viel. Frankfurter, Dortmunder, Steher und Sitzer – sie crashten die Feier. Sie schrien, sie pfiffen, sie stänkerten.

Wie sich das DFB-Selbstbeweihräucherungsfest zur Abrechnung der Fans entwickelte:

Der "Scheiß DFB"-Wechselgesang

"Scheiß DFB", tönte es vom schwarz-gelben Marathontor über den Platz und schallte aus der schwarz-weißen Kurve zurück. Zwei der größten aktiven Fanszenen Deutschlands verbündeten sich vor Anpfiff für eine Abrechnung. Fans von Eintracht und Borussia mutierten zu einer Stimme. Und der Wechselgesang aus zehntausenden Kehlen knallte der Anzugträgersektion des DFB per Rückhand-Schelle direkt ins Gesicht. Der aufgestaute Frust der Allesfahrer und Stimmungsmacher explodierte so leidenschaftlich, dass er sogar der Marco-Reus-Fanboy in der Reihe hinter mir mitschreien musste.

Pfiffe gegen Helene

"Megastar" ­– mit diesem Wort kündigte der Stadionsprecher Helene Fischer vor der DFB-Halbzeitshow an. Es folgte ein gellendes Mega-Pfeifkonzert – da konnte die ARD-Regie noch so viel Stadionatmosphäre herunterpegeln. Die Pfiffe kamen aber nicht nur von der Kommerzkritikerfront – den vom DFB verteufelten Ultras. Auch der Opa vor mir auf der Hauptribüne pustete wild in Zeigefinger und Daumen. Die Halbzeitinszenierung nach Superbowl-Vorbild und Schland-Umsetzung war zu viel für die überreizten Fußballfans. Helene war dabei nur Kanonenfutter. Das eigentliche Ziel war der DFB und dessen stetige Entfernung von der Fußballbasis. Wie wenig Verständnis es gab, zeigt die Twitter-Entschuldigung von Eintracht Frankfurt bei der Schlagersängerin. Denn die Eintracht stellte sich hinter die Fans und gab der DFB-Show auf dem Platz subtil noch eine mit:

Die vernichtenden Reaktionen von Meinungsmachern

"Das hat beim Pokalfinale nichts zu suchen", erklärte sogar Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic über die Halbzeitshow von Helene Fischer. "Weil wir Fußball spielen und die wahren Fans des Fußballs haben in der Halbzeitpause keine Lust darauf." Die Welle, die Twitter-Meinungsmacher schon beim Atemlos-Medley-Leak vorhersagten, schlug so doll ein, dass das Thema "Eventisierung des DFB-Landes" nun auch in ganz Deutschland angekommen ist. Die Headlines der Boulevard-Zeitungen schmissen sich nicht auf die (ansehnlichen) Pyrogelage in den Fanblöcken oder das "Krieg dem DFB"-Banner einiger BVB-Fans. Nein. Der Blätterwald berichtete vor allem über Helene, die Piffe und die volle Nase der Fußballfans. Selbst Ex-Sky-Kommentator Marcel Reif stellte fest: "Wir verlieren die Fans."

Die großartige Stimmung der Fans selber

Als die Eintracht-Hymne "Schwarz-Weiß wie Schnee" samt Schlagzeug vor und mit der SGE-Kurve zelebriert wurde, verstummte sogar der BVB-Block erstaunt und respektvoll. Wenig später erhoben sich schwarz-gelbe Fans und Schals für den Klassiker "You'll Never Walk Alone". Diese Symbiose aus Lautsprechern und Fankehlen sorgte für stramm-stehende Nackenhaare – beim Kutten-Manni in der Kurve genauso wie beim chinesischen Investor in der VIP-Box. Später gab es köstlichen Augenschmaus durch ein Fahnenmeer mit Adler-Transparent sowie südländisches Stadion-Aroma aus gelbem Rauch und Blinkern. Alles untermalt von 90-minütiger Stimmgewalt und Wechselgesängen, besonders aus der imposanten Eintracht-Kurve. Braucht es bei diesen Bildern und Gesängen überhaupt noch künstlichen Schlagerpop mit hampelnden Background-Tänzern? Eher nicht.

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