Cannabis

Wir haben eure Fragen zu CBD beantwortet

Dabei klären wir unter anderem, wie es sich anfühlt, ob es legal ist, wogegen es hilft, wo du es herbekommst und ob du es deinem Hund geben solltest.

von VICE Staff
24 Mai 2019, 1:47pm

Illustration: Sasa Schrödl

Jeder Generation wird irgendwann ein gehyptes Mittel angedreht, dass sie gesünder, fitter und sexyer machen soll: Weizengrassmoothies, Aloe-Vera-Cremes, Sauerkrautsaft. Aktuell heißt dieses Mittel Cannabidiol, besser bekannt als CBD. Neben THC ist CBD einer der Hauptbestandteile von Cannabis und tatsächlich deutet einiges darauf hin, dass der Stoff eine positive Wirkung auf den Körper hat.

Mediziner verwenden CBD in der Therapie von Epilepsie, Krebs, Darmbeschwerden, Schmerzen und psychische Erkrankungen. Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO hat den gesundheitlichen Nutzen von CBD bestätigt, immer mehr Forschende beschäftigen sich in Studien damit.

Längst gibt es CBD auch als Nahrungsergänzungsmittel, in Form von Öl und Kapseln. Und es gibt Limos, Schokolade, Gummibärchen und Kosmetikprodukte, in denen das Zeug drin steckt. Einige von euch macht dieser Hype offenbar misstrauisch, bei Instagram habt ihr uns jede Menge Fragen zu CBD gestellt.


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Ob man mit CBD Schlösser enteisen könne, wollte keiner von euch wissen. Aber ob es legal sei, wo man es herbekomme und wie man es nehme. Außerdem habt ihr uns Fragen zur medizinischen Wirkung von CBD geschickt. Auf manches können wir dank Studien antworten, für einiges haben wir Expertinnen gefragt. Für ein paar der Fragen gibt es bislang aber keine Untersuchungen, sondern nur Erfahrungsberichte. Generell gilt, dass ihr bei ernsthaften medizinischen Beschwerden immer zu einer Ärztin oder einem Arzt gehen solltet. Aber das wisst ihr ja. Also, let's go.

Ist CBD legal?

Es tut uns leid, aber gleich zu Beginn wird es unbefriedigend. Denn: Es kommt darauf an. Darauf, ob du CBD-Blüten, -Nahrungsergänzungsmittel oder -Kosmetikprodukte kaufen willst.

Bei CBD-haltigen Kosmetikprodukten ist die Antwort simpel. Keine Altersbeschränkung, alles legal.

Bei Nahrungsergänzungsmitteln wie CBD-Ölen wird es komplizierter. Sie sind ab 18 frei verkäuflich, solange sie weniger als 0,2 Prozent THC enthalten. Aber das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat kürzlich verkündet, dass man eigentlich bei jedem dieser Produkte erst klären lassen müsste, ob es nicht doch als Medizin eingestuft werden muss. Zu kaufen gibt es sie trotzdem weiterhin.

Und richtig kontrovers wird es bei Hanfblüten. In Berlin sagt die Polizei: CBD-Blüten an Konsumierende zu verkaufen, ist illegal, auch wenn sie weniger als 0,2 Prozent THC enthalten. Die Münchner Staatsanwaltschaft sieht das ähnlich. Trotzdem kannst du in vielen CBD-Geschäften, die anderer Meinung sind, weiterhin Hanfblüten kaufen. Um ganz sicher zu gehen, müsstest du dir CBD-Blüten also von einem Arzt verschreiben lassen. Die ganze verwirrende Rechtslage erklären wir in diesem Text.

Wie nehme ich CBD-Öl ein?

Die meisten Hersteller empfehlen, das Öl mit einer Pipette unter die Zunge zu tropfen und es zwei Minuten einziehen zu lassen. Dann kannst du den Rest (aus dem Mund) einfach runterschlucken. Um sicherzustellen, dass dein Körper das CBD gut aufnehmen kann, solltest du nüchtern sein und nicht kurz davor gegessen haben.

Wie viel CBD muss ich nehmen, damit es wirkt?

Das ist abhängig von deinen Beschwerden und ihrer Intensität, anderen Medikamenten die du nimmst, deinem Körpergewicht und deinem Stoffwechsel. Maya Marinic ist Apothekerin in der Frankfurter Bock-Apotheke, die sich seit über fünf Jahren mit medizinischem Cannabis beschäftigt. Einige ihrer Patienten und Patientinnen, die an Angststörungen leiden, genüge es schon zwei Mal täglich fünf bis zehn Tropfen eines zehnprozentigen CBD-Öls zu nehmen, sagt Marinic. Patienten mit Rheuma oder Krebs bräuchten allerdings viel mehr. Sie empfiehlt mit Tropfen und einer niedrigen Dosis anzufangen und die dann schrittweise zu erhöhen. Weil sich CBD-Öle gut dosieren lassen, eigneten sie sich besser für Einsteiger. CBD-Gras ist schwieriger zu dosieren, aber wenn du dafür ein Rezept hast, solltest du dich einfach von deinem Arzt oder deiner Ärztin beraten lassen.

Fällt ein Drogentest positiv aus, wenn ich CBD nehme?

Drogentests schlagen nur positiv auf THC an. Weil rezeptfreie CBD-Produkte in Deutschland maximal 0,2 Prozent THC enthalten dürfen, ist es zwar theoretisch möglich, aber sehr unwahrscheinlich.

Woher bekommt man CBD?

Wo nicht? In größeren Deutschen Städten bekommst du CBD-Produkte in speziellen Hanfläden, die meistens auch einen Onlineshop haben. Aber auch manche Apotheken und dm-Drogeriemärkte führen CBD-Produkte.

Wie fühlt sich CBD an?

Wenn Leute fälschlicherweise behaupten, dass CBD eine Droge sei, muss deine mantrahafte Antwort lauten: Nein, CBD ist nicht psychoaktiv. Es macht dich nicht high, breit oder matschig in der Birne. Stattdessen berichten viele Konsumierende von einer leicht entspannenden oder beruhigenden Wirkung, andere sagen, CBD helfe ihnen dabei, sich zu konzentrieren. Kopfschmerzen oder sogar Migräne soll man mit CBD ebenfalls lindern können. Auch dafür gibt es Erfahrungsberichte, unter anderem von der Neurologin Michele Ross, die CBD gegen ihre Migräne einsetzt und mit VICE über dessen entzündungshemmende Wirkung gesprochen hat.

Hat CBD Nebenwirkungen?

Der WHO sind keine bekannt, auch die auf CBD spezialisierte Apothekerin Maya Marinic sagt, dass ihre Patienten bislang nichts von Nebenwirkungen berichtet haben. Aber hier sollte man bedenken, dass CBD als Medikament noch wenig erforscht ist.

Kann ich CBD zusätzlich zu Schmerztabletten nehmen?

Ja, kannst du. Verschreibungsfreie Schmerztabletten seien neben CBD kein Problem, sagt die Apothekerin Maya Marinic. Zumindest seien bislang keine Wechselwirkungen bekannt. Anders sei das bei manchen verschreibungspflichtigen Medikamenten wie zum Beispiel Opioiden. Da könne CBD die Wirkung verstärken.

Wirkt CBD sofort?

"Wie schnell CBD wirkt, hängt davon ab, wogegen man es nimmt", sagt die Apothekerin Maya Marinic. Bei leichten Beschwerden wie Schlafstörungen könne es schnell gehen. Bei Entzündungen oder gar in der Krebstherapie, könne es Wochen dauern, bis sich der Körper darauf einstellt. Theoretisch kann die Wirkung aber nach einigen Sekunden eintreten, wenn du stark CBD-haltige Blüten rauchst, besser noch vaporisiert. Bei Ölen kann es länger dauern, mindestens einige Minuten.

Verträgt mein Hund CBD?

Auch wenn manche Unternehmen CBD-Snacks für Hunde und andere Tiere anbieten, gibt es nur wenige wissenschaftliche Arbeiten dazu, wie es sich auf sie auswirkt. Die meisten Informationen stammen aus Berichten einzelner Hundebesitzerinnen und -besitzer. Sie geben ihren Fiffis CBD vor allem gegen Angstzustände, Schmerzen und Krampfanfälle.

Die Tierneurologin Stephanie McGrath von der Unitierklinik der Colorado State University hat als eine der wenigen Forscherinnen untersucht, wie Hunde auf CBD reagieren. Sie sagt, ihre Untersuchungen legen nahe, dass Hunde CBD gut vertragen und es relativ sicher sei. McGrath rät aber auch, darauf zu achten, dass das Produkt möglichst wenig, am besten kein THC enthält. Das kann für Hunde nämlich schädlich sein.

Außerdem solltest du Produkte mit mindestens den gleichen Qualitätsstandards auswählen, als wenn du sie selbst nehmen würdest: Achte darauf, wo das CBD-Produkt herkommt und welche anderen Stoffe es enthält, die schädlich für deinen Hund sein könnten. Wenn du dich dafür entscheidest, deinem Hund CBD zu verabreichen, solltest du mit einer geringen Dosis beginnen und wie beim Menschen gegebenenfalls langsam steigern.

Macht CBD müde?

Während im Internet viele Leute berichten, dass CBD sie belebt, hat die Apothekerin Maya Marinic auch Patientinnen und Patienten, die das Gegenteil sagen: "Viele Leute nehmen CBD abends, weil es sie beruhigt und dadurch auch eine schlafanstoßende Wirkung hat."

Wie stark sollte CBD-Öl sein? 5, 10, 20 oder 30 Prozent?

Du musst es ausprobieren. Wenn du eher leichtere Beschwerden wie Schlafstörungen hast, reicht wahrscheinlich auch ein fünfprozentiges Öl. Selbst Schizophreniepatienten, die CBD wegen seiner potentiell antipsychotischen Wirkung nehmen können, genüge oft ein zehnprozentiges Öl, sagt die Apothekerin Maya Marinic, manchmal müsse man aber auch extrem hohe Dosen geben. Dann wird es eventuell etwas eklig, wenn ein ganzer Mund voll Öl nicht dein Ding ist. Denn du müsstest dir sehr viele Tropfen Öl einflößen, um eine Wirkung zu erzielen. Für diese Fälle gibt es Öle mit hoher CBD-Konzentration.

Hilft CBD bei Regelschmerzen?

Es gibt einige Studien, die nachgewiesen haben, dass Cannabis gegen Schmerzen hilft. Aber mit der Wirkung von CBD bei Periodenbeschwerden hat sich seit 1847 keine wissenschaftliche Studie mehr beschäftigt. Es gibt allerdings Erfahrungsberichte. In diesem Artikel haben uns einige Frauen erzählt, dass ihnen CBD-Öle oder -Kapseln bei Regelschmerzen helfen.

Auch Gudrun Lorenz-Eberhardt, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Graz, hat schon mehrere Frauen mit CBD behandelt. In einer Beobachtungsstudie mit 30 Probandinnen hätten die Frauen CBD-Öl entweder unter ihre Zunge oder direkt auf den Tampon gegeben, sagt sie. Das Feedback sei durchwegs positiv gewesen, ausprobieren müsse es aber jede selbst. Noch mehr Infos zu CBD und Periodenkrämpfen haben wir hier für dich zusammengetragen.

Hilft CBD gegen Angststörungen und Depression?

Wie so oft, gibt es auch noch zu wenige Studien, um letztgültig beantworten zu können, wie CBD gegen Angststörungen wirkt. Dennoch gibt es viele positive Berichte von Patientinnen und Patienten. Einige haben wir in diesem Artikel für euch zusammengefasst. Auch die Apothekerin Maya Marinic hat diese Erfahrung bei ihren Patienten, die häufig mit CBD verschiedene Ängste behandeln. Auch für die Behandlung von Depressionen gibt es positive Erfahrungsberichte und erste Studien. Die Forschung steht aber – ihr ahnt es – auch hier noch am Anfang.

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