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3d druck

In Potsdam kann man jetzt beamen

Systemingenieure vom Hasso-Plattner-Institut haben eine Maschine entwickelt, die 3D-Druck und -Scan verbindet, um Objekte zu teletransportieren.

von Theresa Locker
02 Februar 2015, 7:03pm

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf Motherboard Deutschland.

Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung des Hasso-Plattner-Institus Potsdam

Dürfen wir vorstellen: Scotty, eine Kombination aus 3D-Scanner, Kryptographie und 3D-Drucker, der im Dienste von Philosophie und Wissenschaft Objekte teleportiert.

Legt man einen Gegenstand aus Plastik in das Gerät, wird das Original volumetrisch gescannt und dabei scheibchenweise zerschnitten und zerstört. Gleichzeitig reproduziert Scotty eine exakte Replik in einem 3D-Drucker an einem anderen Ort.

Erschaffen wurde der futuristische Beamer von einem Team am Hasso-Plattner-Institut für Mensch-Computer-Interaktion in Potsdam. 

Scotty soll nicht nur ein ingenieurtechnisches Zukunftsprojekt sein, sondern vor allem ein technikphilosophischer Kommentar zum kulturellen Problem von Kopien und Lizensierung: Ein Zerstörungs- und Verschlüsselungs-Mechanismus garantiert, dass nur ein Exemplar des Objekts zu jeder gegebenen Zeit existiert. Damit unterscheidet sich Scotty von früheren Systemen, die Objekte einfach kopieren.

Stefanie Müller, Dr. Patrick Baudisch und vier weitere Forscher haben die Maschine gebaut, die aus MakerBots, einer dreiachsigen Fräse, einer Kamera und einem Mikrocontroller für die Verschlüsselung, Entschlüsselung und Übertragung besteht. 

„Mich interessieren vor allem die philosophischen Fragen, die eher von Künstlern und Sci-Fi-Autoren denn von Ingenieuren bedacht werden“, erzählte mir Herr Baudisch am Telefon. „Was bedeutet es eigentlich, wenn Materie digitalisiert transportiert wird und sich an einem anderen Ort wieder manifestiert? Gibt es dafür eine nicht-physikalische Erklärung?“

Während Scotty ein zu scannendes Objekt Lage für Lage abschleift, scannt das Gerät die jeweilige Schicht volumetrisch und schickt dann eine verschlüsselte Kopie der 3D-Datei an einen Drucker.

Um wieder zur Materie zu werden, muss das Objekt sozusagen eine zweimalige Transformation durchmachen. Der Nutzer sieht den Gegenstand Schicht für Schicht verschwinden, während die Maschine das Objekt das sukzessive in Krypto-Infomationen umwandelt. Das Empfangsgerät entschlüsselt die Informationen in Echtzeit und setzt den Gegenstand daraus an einem anderem Ort wieder zusammen.

Scotty hat seinen Namen von dem Star-Trek-Ingenieur, der einen Teleporter bediente, welcher nach ähnlichen Prinzipien funktioniert wie die Potsdamer Kombo aus 3D-Scanner und -Drucker. Der aktuelle Prototyp basiert auf zwei MakerBot Replicators 2X. 

Scotty ist dabei so gebaut, dass es ein Objekt niemals zweimal gibt. Dafür gibt es nach einigen Experimenten schon verschiedene Einsatzmöglichkeiten: „Wir haben Paare eingeladen, die sich selbst gemachte Erinnerungsstücke geschickt haben.“ So kann Scotty den emotionalen Wert eines einzigartigen Objekts erhalten. 

Für Baudisch ist das Projekt eine Fortsetzung von Diskussionen rund um unser sich ständig veränderndes Verständnis von Physikalität und Materialisierung von Gütern: „Früher glaubte man noch daran, dass die Idee der Musik und die Artefakte des Tonträgers Schallplatte untrennbar verbunden sind. Das hat sich mit Kassetten rasant geändert: Auch Menschen, die die Musik nicht gekauft haben, konnten das Produkt hören, indem sie Radiosendungen mitschnitten. Im Internet haben wir ja auch alle erstmal lustig ein Jahrzehnt lang raubkopiert, bis sich die Fragen der Vergütung des Künstlers durch Abmahnanwälte auf breiter Basis stellten. Den Debatten der Lizensierung, denen wir uns bei digitaler Musik gestellt haben, werden sich bei festen Objekten auch bald auch ergeben.“

Praktische Anwendungen für die nähere Auseinandersetzung mit Lizensierungsfragen bei der schnellen elektronischen Übertragen von Objekten sieht Baudisch schon in naher Zukunft: „Bei Ebay kann ich innerhalb von 20 Sekunden ein Objekt kaufen, aber anfassen kann ich es wahrscheinlich erst übermorgen. Wir werden in zehn Jahren aber erwarten, dass ein gekauftes Objekt auch sofort auftaucht und nicht erst übermorgen—wenn man Objekte elektronisch verschicken kann.“