So spießig wählen Deutschlands Clubgänger

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So spießig wählen Deutschlands Clubgänger

Im P1 wählt jeder 15. "national“ und im Berghain ist die CDU stärkste Kraft.
14.9.15

Foto: Imago

Raver nehmen Drogen und haben keinen Plan von Politik, im Berghain gibt es nur Touristen und anarchistische Drogendealer. Das erzählt man sich zumindest. Aber manchmal stehst du im Club, beobachtest die Leute um dich herum, und fragst dich, was das eigentlich für Menschen sind, die halbnackt mit tellergroßen Pupillen und bemaltem Körper im Takt der Musik zappeln. Deshalb haben wir uns gefragt, wie der Bundestag aussehen würde, wenn nur Clubbesucher wählen dürften. Durch investigativen Facebook-Datenjournalismus* haben wir eine empirische Sozialstudie betrieben und verglichen, welche Clubbesucher welche Partei wählen würden. Dazu haben wir die jeweils bekanntesten Clubs unserer Millioinsnstädte verglichen, das Ganze hochgerechnet und für dich in Kreisdiagramme gepackt. Schau dir hier die tragischen Ergebnisse an:

Berghain:

Mehr als die Hälfte aller Berghain-Besucher wählen die CDU oder die SPD. Während die Grünen und die Linke mit jeweils fast zehn Prozent weniger Wählerstimmen noch für die Koalition in Frage kommen, bekommt die FDP nur wenige Sitze. Die AfD (2,9%) schafft es nicht in den Berghaintag, weit abgeschlagen findet man die NPD (1,2%) und die PARTEI (0,5%)—letztere nicht vorne zu sehen, enttäuscht uns sehr.

Übel & Gefährlich:

Die Hamburger Clubergebnisse sind recht ausgeglichen. Die PARTEI ist nirgendwo so beliebt wie hier, während die ‚großen vier', also die Grünen, die SPD, die CDU und die Linke jeweils fast ein Viertel der Stimmen bekommen. Verschwindend gering ist die NPD (0,4%) und auch die AfD mit weniger als 3% der Stimmen.

Salon zur wilden Renate:

Die SPD ist mit fast 30 Prozent ziemlich beliebt unter den Renate-Besuchern, ebenso die Linke. Die Renate ist eben doch so links, wie sie immer tut. Nennenswert sind auch die lediglich 0,4 Prozent der NPD und 2,3 Prozent der AfD—Nazis Not Welcome.

P1:

München wieder. Wer hätte hier etwas anderes erwartet, als 37,2 Prozent der Stimmen für die CSU? Was uns allerdings ziemlich Sorge bereitet, sind die 1,5% der NPD und die 5,3% AfD. Das sind die höchsten Werte dieser Parteien in unseren Clubs.

Bootshaus:

Es geht noch krasser als in Bayern. Mit 46,3 Prozent, also fast der Hälfte aller Stimmen, kann die CDU mit jeder Partei außer der NPD und der PARTEI ein Bündnis eingehen. Die AfD kratzt an der 5-Prozent-Hürde. Was ist los, Köln?

Watergate:

Die Ergebnisse des Watergate sind ziemlich nah an den Gesamtergebnissen. Schwarz und rot sind weit vorne, ein paar Grüne und Gelbe—und hin und wieder taucht ein AfDler (3,2%) auf. Die PARTEI und die NPD haben auch im Watergate nichts zu sagen.

Fazit:

Im Endeffekt wären wir damit eine schwarz-rote, eine rot-rot-grüne oder eine Jamaika-Koalition** möglich, was ziemlich realistisch erscheint. Schlusslicht bilden die NPD und die PARTEI, die es, anders als die FDP, nicht über die Fünf-Prozent-Hürde geschafft heben. Raver sind eben auch nur ganz normale Menschen.

Vincent wählt nur noch bei Twitter.

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*Wir haben zunächst die Schnittmenge der jeweiligen Facebookfans (z.B. Grüne und Berghain) ermittelt. Nachdem sich das Verhältnis von realen Wählerverhalten und Facebook-Fans zwischen den jeweiligen Parteien stark unterscheidet, haben wir die gesamten Fan-Zahlen der Parteien mit der aktuellen Allensbach-Sonntagsfrage verglichen und das Ergebnis als Faktor eingebaut. Die Zahlen sind nicht wissenschaftlich untermauert und eine Katastrophe aus Sicht von Statistikern und Meinungsforschern, aber sie stimmen trotzdem. Nachfragen und Kritik bitte in die Kommentare.

**Klugscheißer Jan-Ulrik Günter Heydorn schreibt richtig: Schwarz-Grün wäre auch möglich, da 5% der Stimmen nicht in den Bundestag einziehen und damit die absolute Mehrheit bei 47,5%+X liegt. CDU und Grüne hätten zusammen 48,4% - folglich wäre für die Jamaika Koalition kein Bedarf.

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