Kunst

Wie ein Koch mit Essen ins MoMA will

Jasper Udink ten Cates großer Traum ist eine essbare Ausstellung. In seinem Kochbuch beweist er, wie man Essen und Kunst verbinden kann: essbare Strände und ein Times Square aus Käse.

von Felicia Alberding
26 Februar 2016, 2:00pm

Kochen an sich ist schon kreativ. Aber als Koch dreht man schnell durch, wenn man jeden Tag die gleichen Sachen mit den gleichen Leuten kocht. Davon kann auch Jasper Udink ten Cate ein Lied singen. Er hatte genug vom Vollzeitleben als Koch und sich selbstständig gemacht. Unter dem Künstlernamen „Creative Chef" verbindet er Kochen mit Kunst und veröffentlichte das Buch Creative Chef, das man eher als Handbuch denn als Kochbuch bezeichnen könnte: Hier erfährt der Leser zum Beispiel, wie man es schafft, Vegetariern Rindercarpaccio vorzusetzen, indem man es einfach unter einer Schicht Spinat versteckt. Ich habe mit ihm darüber gesprochen, inwiefern sich seiner Meinung nach Kunst und Essen verbinden lassen und wie man mit Essen malen kann.

camouflagecarpaccio

Camouflage-Carpaccio. Alle Fotos aus dem Kochbuch Creative Chef

MUNCHIES: Hi Jasper! Erstmal Gratulation zu deinem neuen Buch. Wen willst du damit erreichen? Jasper Udink ten Cate: Das Buch ist für jeden, der beim Essen auch ein bisschen Spaß haben möchte. Klar, es gibt auch Rezepte, aber ich glaube, dass es für die wenigstens ein Kochbuch im traditionellen Sinne ist. Das Buch soll eine Inspiration für Hobbyköche sein und mal einen anderen Blick aufs Essen vermitteln.

Klingt interessant. Warum nennst du dich selbst „Creative Chef"? Schon lange träume ich davon, mal eine essbare Ausstellung im MoMA zu machen, so kam ich dann zu „Creative Chef". Das war schon immer mein Traum, es wird aber vielleicht nie passieren—oder vielleicht doch irgendwann. Alles, was ich bisher gemacht habe, hat mich diesem Ziel immer näher gebracht, und das Kochbuch ist ein weiterer Schritt. Ich dachte, wenn ich ein kreatives Kochbuch schreibe, nehmen mich die Leute als Künstler wahr, sodass ich dann mehr Aufträge bekomme, die mit Essen und Kunst zu tun haben. Dabei geht es aber nicht um mich als Person, sondern um Dinge, die ich mit anderen Leuten zusammen kreiere. Creative Chef ist also ein Kollektiv aus Designern, Illustratoren, Fotografen, Grafikdesignern und Architekten.

kaas op times square

Der Times Square, nur aus Käse

Siehst du dich selbst als Künstler? Kochen ist eine Sprache, Essen ist ein Werkzeug, aber eben nicht das Ziel an sich. Wenn man Koch, Musiker oder eben Künstler ist, ist es am schönsten, wenn man andere Leute mit seinen Werken berührt. Manche Songtexte sind so bewegend, dass du Gänsehaut bekommst. Das will ich auch mit Essen erreichen.

stilleven

Stillleben mit echtem Essen

Und wie machst du das? Indem ich die Leute kennenlerne, für die ich koche. Bei einer Hochzeit unterhalte ich mich zuerst mit dem Brautpaar, mache ich mir Notizen, wer sie sind, was sie machen und was sie glücklich macht. Ich schaue mir auch ihre Facebook-Seiten an und kreiere so ein Menü, das zu ihnen passt. Kochen ist auch eine Art der Vermittlung. Wenn ich dann das Essen serviere, erzähle ich eine kleine Geschichte dazu.Wenn es gut läuft, kommt so ein Gespräch in Gang und die Gäste werden sich an das Essen erinnern. Wenn ich mich zum Beispiel an den Urlaub mit meinen Eltern als Kind erinnere, hat das immer was mit Essen zu tun.

Eetbaar strand

Ein essbarer Strand

Das leuchtet ein. Warum wolltest du dieses Buch schreiben? Bis 2014 habe ich in einer Eventfirma, die ich mit Freunden gegründet habe, als Koch gearbeitet. Weil ich mich aber ganz auf Creative Chef konzentrieren wollte, habe ich dort aufgehört und zusammen mit den Fotografen Rogier Boogaard und Luc Janssens eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Wir drei haben übrigens auch eine kleine Schokoladenmanufaktur. Wir haben so 14.000 Euro gesammelt und konnten so die Inhalte für das Buch erstellen. Ich hatte mir alle Kapitel schon gedanklich ausgemalt: Präsentation, Musik, Geruch, Geschichten, Spielereien mit Essen und so weiter. Und dazu kam dann das Kochen. Das Gemäldeprojekt zum Beispiel hat ein paar Tausend Euro gekostet. Du servierst das Essen auf der Leinwand und beim Essen entstehen wunderbare Muster. Dann kommt noch eine Schicht Lack drauf und das hat Rogier dann fotografiert. Das sind also Kunstwerke von Jasper, Rogier und 600 hungrigen Leuten.

cover boek

Hat euch ein Food Stylist dabei geholfen? Nein, wir haben uns so durchgewurschtelt und mit der Zeit dazugelernt. Ich hatte ja keine Ahnung, was es heißt, ein Buch zu schreiben.

Vielen Dank für das Gespräch.

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf MUNCHIES NL.