Nordkorea

Verdächtige Diplomaten und versuchter Leichenraub: Der Mord von Kim Jong-uns Bruder wird immer bizarrer

Die Liste der Verdächtigen ist noch länger geworden und jemand ist in die Leichenhalle eingebrochen, um Kim Jong-nams Körper zu klauen.

von David Gilbert
23 Februar 2017, 11:41am

Foto: Malaysische Polizisten bewachen das Krankenhaus, in dem Kim Jong-nams Leichnam aufbewahrt wird | Foto: Imago | Kyodo News

Im Mordfall um den abtrünnigen Halbbruder von Nordkoreas Diktator Kim Jong-un hat die malaysische Polizei ihre Liste mit elf Verdächtigen um einen Namen ergänzt. Ein nordkoreanischer Diplomat soll der Königlichen Malaysischen Polizei zufolge mit dem Verbrechen zu tun haben. Die ohnehin schon angespannte Beziehung zwischen beiden Ländern dürfte sich damit weiter verschärfen.

Darüber hinaus meldeten die malaysischen Behörden, dass jemand versucht hatte, in die Leichenhalle von Kuala Lumpur einzubrechen und Kim Jong-nams Körper zu stehlen.

Kim Jong-nam, der ermordete Halbbruder von Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un | Foto: Imago | Kyodo News

Was wir bislang wissen:

- Malaysias Polizeichef Khalid Abu Bakar gab diesen Mittwoch bekannt, dass der 44-jährige Hyon Kwang-song, stellvertretender Sekretär der nordkoreanischen Botschaft, zum Tod von Kim Jong-nam befragt werden soll. Eine hochrangige Quelle aus malaysischen Sicherheitskreisen sagte gegenüber dem britischen Telegraph, dass Hyon der "Drahtzieher des Komplotts" sei.

- Neben Hyon will die malaysische Polizei auch den 37-jährigen Kim Uk-il befragen, einen Angestellten der staatlichen nordkoreanischen Fluggesellschaft Air Koryo. Die Behörden sind davon überzeugt, dass vier weitere Verdächtige unmittelbar nach dem Angriff zurück nach Pjöngjang geflogen sind. Bislang wurden zwei Frauen festgenommen, die des Mordes verdächtigt werden, sowie zwei männliche Verdächtige.

- Die zwei Verdächtigen, die zur Befragung gesucht werden, sollen sich in der nordkoreanischen Botschaft in Malaysia verstecken. Die Behörden haben diese Berichte bislang allerdings noch nicht bestätigt. "Wir hoffen, dass die Botschaft mit uns kooperiert und uns erlaubt, die beiden schnell zu befragen. Ansonsten müssen wir sie zwingen, zu uns zu kommen", sagte Bakar.

- Die traditionell freundschaftlichen Beziehungen zwischen Nordkorea und Malaysia leiden zusehends, seitdem Kim Jong-nam am 13. Februar im Flughafen von Kuala Lumpur ermordet worden war. Südkorea ist davon überzeugt, dass es sich um ein Gift-Attentat handelt, das auf Geheiß von Kim Jong-un ausgeführt worden ist. Bislang konnten keine Beweise für diese Behauptung vorgelegt werden.

- Eine erste Autopsie von Kim Jong-nams Leiche blieb ergebnislos. Die Behörden ordneten daraufhin eine zweite Untersuchung an und verärgerten damit die Führung Pjöngjang. Der nordkoreanische Botschafter Kang Chol warf der malaysischen Regierung vor, dass sie damit Menschenrechte verletzen würde. Sie "versuche, etwas zu verbergen" und würde "mit feindlichen Mächten unter einer Decke stecken". Diese Aussagen führten dazu, dass das malaysische Außenministerium Kang diesen Montag einberief, um seine Wortwahl zu erklären.

- Malaysia hat immer wieder Anfragen der nordkoreanischen Regierung abgelehnt, Kim Jong-nams Leichnam zu überführen. Man wolle die sterblichen Überreste nur Angehörigen überlassen, die ihre Verwandtschaft mit einem Gentest beweisen können. Einer von Kim Jong-nams Söhnen, Kim Han-sol, soll bereits in Kuala Lumpur sein, meldet die BBC. Den Behörden zufolge sei allerdings noch kein Familienmitglied an sie herangetreten. Letzten Freitag tauchte der nordkoreanische Botschafter vor dem staatlichen forensischen Institut von Malaysia auf, wurde dort aber abgewiesen.

- Polizeichef Bakar bestätigte am Mittwoch, dass jemand versucht hatte, in die Leichenhalle einzubrechen, in der sich Kim Jong-nams Körper befindet. Die Nationalität der Täter gab er allerdings nicht bekannt. "Wir wissen, wer sie sind", sagte Bakar. "Es gibt keinen Grund, Ihnen das zu sagen." Nordkorea hat bereits verlauten lassen, dass es jegliche Autopsie-Ergebnisse anfechten wird.

- Am Wochenende waren Aufnahmen von Überwachungskameras, die den Vorfall zeigen, veröffentlicht worden. Darin sieht man, wie eine der Frauen vor Kim Jong-nam steht, um ihn abzulenken, während die zweite Frau ihm eine Flüssigkeit ins Gesicht sprüht oder ihn damit einreibt. Lokalmedien hatten berichtet, dass beide Frauen dachten, Teil eines Fernsehstreiches zu sein. Bakar widersprach diesen Angaben allerdings am Mittwoch und sagte, dass das Paar seine Methode am Tag des Überfalls zweimal in Einkaufszentren in Kuala Lumpur ausprobiert hätte. Welches Gift bei dem Mord zum Einsatz kam, muss von den Behörden noch ermittelt werden. 

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