Doch als er mit dem billigen Spielzeug-Stethoskop seines kleinen Neffen herumspielte und verblüfft feststellte „dass es gar nicht mal so scheiße war", wie er Mitte August auf einem Vortrag beim Chaos Communication Camp berichtete, entschloss sich Loubani, die Versorgung mit medizinischen Instrumenten in Gaza selbst in die Hand zu nehmen. Ein Jahr später hält Tarek Loubani ein Stethoskop in der Hand, das er gerade frisch aus einem Ultimaker-3D-Drucker im Zelt nebenan gezogen hat.„Dieses Stethoskop aus dem Drucker ist so gut oder sogar besser als der Industriestandard für 200 US-Dollar."

Ein Prototyp des 3D-gedruckten Stethoskops, das Tarek Loubani selbst in seinem Berufsalltag nutzt. Bild: Glia Project
Nach einigen Tagen und vielen Testdrucken entstand eine kollaborativ entwickelte Version—eine Arbeit mit Entwicklungskosten von unter 10.000 Dollar (bezahlt aus eigener Tasche von Loubani selbst)—und einem kostenlos verfügbaren Konstruktionsplan, den sich jeder auf GitHub herunterladen kann. Das Open Source-Stethoskop aus Plastik kostet ungefähr 30 Cent in der Herstellung, was der Qualität aber keinen Abbruch tut.Im Gegenteil: In den Tests schlug das gedruckte Gerät in der Abhörgenauigkeit das Littman Cardio 3—den Goldstandard, wenn es um Stethoskope geht und das für rund 200 US-Dollar gehandelt wird.„Was ich will, sind nicht die besten Geräte, sondern die besten Geräte, die auch noch kostenlos sind."
Hier wird das Stethoskop auf Abhörgenauigkeit mit dem Hello-Kitty-Protokoll getestet—benannt nach den mit Wasser gefüllten Ballons, mit denen die Tests in Köln durchgeführt wurde. Bild: Glia Project
Im Test (die Peer-Review steht noch aus, aber Loubani ist mehr als zuversichtlich) zeigt sich, dass das OpenSource-Stethoskop (blaue Linie) das 200-Dollar-Stethoskop in der Empfindlichkeit übertrifft. Bild: Glia Project
Im Zelt der NeighborhoodNerds unter der Aufsicht von Christian Lölkes dauerte es keine drei Stunden, bis ein ganzes Set Stethoskope fertig gedruckt war. Diese drei Bilder: Julia Sinkowicz / Motherboard.
Loubani ist es wichtig, dass seine Patienten das Beste auf dem Markt bekommen, und nicht nur irgendeinen ausrangierten Schrott, der als Almosen in die Hospitale und Krankenhäuser der 'dritten Welt' geworfen wird. In seinem Talk forderte er die Hacker direkt zur Arbeit an weiterer Hardware auf: „Was ich will, sind nicht die besten Geräte, sondern die besten Geräte, die auch noch frei sind."Dieser Artikel wurde am 16.9. ergänzt und korrigiert.We printed more stethoscopes @trklou #cccamp15 #3dprinting #3ddruck pic.twitter.com/5cQL0oTMm7
— Christian Lölkes (@cloelkes) August 16, 2015
