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Tech

Die DIY-Drohnenschmiede der Ukraine

The People's Project stattet die ukrainische Armee mit privat finanzierten Panzern, Uniformen und Drohnen aus.

von Emiko Jozuka
16 Juli 2015, 11:38am

Screenshot: Motherboard

Dank Crowdfunding lassen sich die unmöglichsten Projekte auf die Beine stellen: Vom Kartoffelsalat über strahlungssichere Unterwäsche bis zu Kung-Fu-Nazi-Dino-Trashfilmen. Eigentlich sollten so vor allem abseitige und schwer finanzierbare Nischenprojekte ihre Spender finden, doch mit dem ukrainischen People's Project wendet sich die kollektive Spendenfinanzierung nun einem eigentlich eher üppig finanzierten Feld zu: Der Entwicklung von Militärtechnologie.

Das People's Project ist eine ukrainische Freiwilligenorganisation, die mit Hilfe von Crowdfunding unter anderem Geld für die Aufrüstung moderner Militärcopter auftreiben will und seit März 2014 insgesamt bereits Spendenbeträge in Höhe von über 1.8 Millionen Euro akquiriert hat. Damit will der IT-Unternehmer und Aktivist David Arakhamiya, der das Projekt gegründet hat, unter anderem Uniformen, medizinische Ausstattung und kleinere Waffen für seine Version einer crowdgefundeten pro-ukrainischen Mini-Armee kaufen, die auch in die Auseinandersetzungen gegen prorussische Seperatisten eingreifen soll.

Das Geld soll unter anderem in die PD1 Drohne fließen, die eines der modernsten unbemannten Flugobjekte wäre, die je über der Ukraine geflogen sind und deren Anschaffungskosten sich pro Stück auf knapp 37.000 Euro belaufen. Die Aufklärungsdrohne PD1 hat eine Flugreichweite von 40 Kilometern und ist bestückt mit Kameras und Wärmebildsensoren, die in Echtzeit Videos aus den überflogenen Gebieten streamen kann.

Die PD1 auf dem Rollfeld. Alle Bilder: Motherboard.

Dmytro Gnap präsentiert seinen Quadrocopter, der als Aufklärungsdrohne ebenfalls den ukrainischen Streitkräften helfen soll.

Das Fernsteuerungs- und Streamingsystem der PD1 am Boden.

Die von der PD1 gestreamten Bilder.

Dank dieser Technologie sollen die ukrainischen Soldaten besser vor prorussischen Angreifern gewappnet sein, die häufig mit einer überlegenen technischen Ausstattung (unter anderem auch Drohnen) in die Schlacht ziehen. Außerdem arbeitet das People's Project auch an kleineren Coptern, die sie der ukrainischen Armee als Zwischenlösung noch schneller für einen Preis von circa 3.000 Euro zur Verfügung stellen will.

Solange kein Ende des Ukrainekonflikts in Sicht ist, werden die Tech-Aktivisten weiterhin daran arbeiten, die chronisch unterfinanzierten ukrainischen Streitkräfte aufzurüsten, damit sie zumindest als ebenbürtiger Gegner in die umkämpften Gebieten in der Ostukraine ziehen können. Für PD 1-Entwickler Jacob Cereteli ist klar, dass der Krieg die Bürger der Ukraine zusammengeschweißt habe—doch trotz aller technologischen Entwicklungen kann es einen echten Frieden nur mit politischem Fortschritt geben.