Im folgenden Jahr verlor ihre 2-Jährige Tochter 80 Prozent ihrer rechten Hirnhälfte und unterzog sich insgesamt 12 Hirnoperationen, 20 Chemotherapien und 20 Strahlentherapien. Am Ende war die rechte Hälfte ihres Körpers nahezu gelähmt. In den zwölf Monaten gab es Momente großer Hoffnung und trauriger Ernüchterung. Sahatorn beschreibt die Zeit als eine emotionale Achterbahnfahrt.Let Einz be the first to guide us.
Der zähe Kampf
„Wir versammelten unsere Familie und Freunde, spielten mit Einz und hielten sie in unseren Armen, bevor wir das Lebenserhaltungssystem abschalteten. Um 18:18 Uhr nahmen wir die Last von ihren Schultern", beschreibt Sahatorn ihren letzten gemeinsamen Tag.Einz soll als jüngster Mensch, der je eingefroren und kryokonserviert wurde, weiterleben. Sie wartet jetzt in einem Kältetank auf die Entwicklung neuer Therapien.
Das Versprechen der Kryonik
In den vergangenen Jahren haben die Mediziner und Techniker von Alcor rund 130 Kryokonservierungen durchgeführt. Matheryn ist ihr neuester Patient.
Matheryns Gehirn lagert nun zusammen mit anderen Alcor-Mitgliedern in einem dieser mit Stickstoff gefüllten Container. Bild: Xavier Aaronson.
„Die Eltern haben von unserer Arbeit durch das Internet erfahren", erklärte mir die Alcor-Sprecherin Marji Klima. „Sie sind beide selbst Ärzte. Sie haben uns kontaktiert, als ihnen nach der elften Operationen klar wurde, dass ihre Tochter es nicht schaffen würde."Alcor stimmte zu, Matheryn als Mitglied und Patientin aufzunehmen. Ursprünglich sollte sie für den Eingriff in die USA geflogen werden, um dort die komplizierte und aufwändige Operation durchzuführen.Wie ein Kryonik-Institut aus Kaiserslautern Katzen unsterblich machen will
Zwei Tage vor dem Abflug musste die 2-Jährige jedoch an ein Beatmungsgerät angeschlossen werden. „Das machte die Reise praktisch unmöglich", erklärte mir Aaron Drake, der als Medical Response Director bei der Alcor Life Extension Foundation arbeitet.Alcor musste für den Eingriff zu Einz nach Thailand reisen.VICE: So werden Tote auf der ganzen Welt unsterblich gemacht
Die Alcor-Einrichtung in Scottsdale. Bild: Xavier Aaronson
Die fragilste aller Kryonik-Operationen
Laut Drake beschloss das Alcor-Team, „die schützende Perfusion der Kryo-OP an Matheryns Hirn vor Ort in Thailand durchzuführen." Die Ärzte entschieden sich dagegen, die Operation durchzuführen ohne den Kopf vom Rest des Körpers abzutrennen (wie es sonst üblich ist bei der Kryo-Option für die Einz ihre Eltern angemeldet hatten). „Das sollte sich als effezienteste Möglichkeit für die Abwicklung des Rückführungsprozess in die USA erweisen", erklärt Drake in einer Zusammenfassung der gesamten Prozedur, die er zusammen mit Alcor-Chef Max More verfasst hat.Auf -79 Grad heruntergekühlt verließ Einz schließlich Thailand
Alcor-Chef Max More zwischen den Kryo-Tanks seiner Organisation. Bild: Daniel Oberhaus.
Die Alcor-Zentrale in Arizona. Bild: Daniel Oberhaus.
So lagert das Gehirn von Einz nun in einem „Bigfoot Dewar"—einem rostfreien Vakuum-Stahl-Container, der mit flüssigem Stickstoff gefüllt ist und in dem eine konstante Temperatur von -196 Grad herrscht. Zusammen mit den Gehirnen andere Alcor-Kunden wartet Einz dort nun in Arizona auf die Entwicklung neuer Therapien für ihre Krankheit und ein Verfahren, um ihren Körper nachzuzüchten.Zumindest haben wir das Leben unser Tochter der Wissenschaft gewidmet. Das ist für uns ein Trost. Wir wissen, dass sie lebt—auch wenn wir von ihr getrennt wurden.
Bild: Daniel Oberhaus / MOTHERBOARD.
Hoffnung ist die wichtigste Grundlage für eine Organisation wie Alcor. Aus heutiger Sicht ist vollkommen unklar, ob die Wissenschaft je eine Methode entwickeln wird, die lädierten Körper der Vergangenheit vollständig zu heilen. James Lovelock mag es zwar gelungen sein, eingefrorene Ratten zu reanimieren, doch das heißt noch lange nicht, dass auch das Auftauen von Menschen, die Jahrzehnte lang in einem eisigen Container konserviert wurden, funktionieren muss. Eine Unternehmung wie Alcor braucht überbordenden Optimismus und den Glauben an einen rasanten technologischen Fortschritt. „Wir wissen, dass wir bereits heute kleine Organe regenerieren und ein neues künstliches Herz züchten können", erklärte mir Drake abschließend. „Es sind schon Methoden bekannt, um Zellen und Herzen im 3D-Drucker herzustellen. Eines Tages werden wir den ganzen Körper, oder zumindest die Organe von Matheryn wiederbeleben müssen. Und dann fügen wir alles zusammen und müssten ihr Gehirn noch auf einen neuen Körper transplantieren."Auch ihre Eltern haben sich bereit erklärt, nach ihrem Tod ihr Schicksal in die Hände von Alcor zu legen.
Wie reanimiert man einen verstorbenen menschlichen Körper? Nicht einmal der Alcor-Chef Max More gibt vor, dafür die Lösung zu haben. So wie tausende andere hoffnungsvolle Kryonik-Fans setzt auch er auf den Forscherdrang der Wissenschaft, die eines Tages ein praktikables technisches Verfahren entwickeln. „Zumindest haben wir das Leben und den Körper von Einz dem Fortschritt und der Entwicklung der Wissenschaft gewidmet", sagt auch Matheryns Mutter, Nareerat. „Für unsere Familie ist das ein Trost. Wir wissen, dass sie lebt, auch wenn wir von ihr getrennt wurden." Sollte je der Tag kommen, an dem die Menschheit ihre Verstorbenen technisch wiederbeleben kann, dann wird Einz zumindest nicht alleine sein. Auch ihre Eltern haben bereits zugesagt, sich nach ihrem Tod in die Hände von Alcor zu begeben.Wenn ihr Plan aufgeht, dann werden sie eines Tages gemeinsam in einer besseren Welt wieder auferstehen.So viel kostet es, menschliche Zellen im 3D-Drucker zu reproduzieren