Das Ende von Shiny Flakes: Aufstieg und Fall eines 20-jährigen Online-Dealers

„Er wollte Gott spielen“. Bis die Polizei ihm auf die Schliche kam und Drogen im Wert von 4,1 Mio. Euro in seinem Leipziger Jugendzimmer beschlagnahmt.

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13 März 2015, 9:00am

Nur ein kleiner Ausschnitt der 320 kg beschlagnahmten Drogen. Alle Bilder (soweit nicht anders angegeben): Theresa Locker | Motherboard

Es ist eine Routinefahrt, als der 51-jährige Georg* am 26. Februar 2015 die Wohnung eines jungen Manns im Norden Leipzigs ansteuert. Obwohl zwischen den beiden ein Altersunterschied von 31 Jahren liegt, verabreden sie sich regelmäßig—zur Übergabe von kiloweise Drogen. Doch diesmal sind sie nicht allein, als sie sich vor dem Wohnhaus an einer Ausfallstraße treffen—die Polizei hatte die beiden schon lange observiert. An diesem milden Wintertag schlägt sie zu.

Als der 20-jährige Empfänger von Georgs Drogenlieferung bemerkt, was vor sich geht, rennt er sofort zurück ins Treppenhaus, stürmt in die Wohnung seiner Mutter und reißt in seinem Zimmer die Kabel aus seinen Speichermedien. Nur eine Festplatte mit belastendem Material kann er nicht mehr erreichen, bevor er festgenommen wird.

>>> Exklusiv: Das Interview mit dem verhafteten Online-Dealer Shiny Flakes

Es ist das Ende einer beispiellosen Dealerkarriere, die den 20-jährigen Moritz* innerhalb von zwei Jahren zu einem der größten Online-Dealer Deutschlands machte. Für die sächsischen Ermittler ist es vor allem der Schlusspunkt einer monatelangen akribischen Ermittlung und ein historischer und gleichermaßen seltener Erfolg gegen den Online-Drogenhandel.

Er hat sich übernommen.

Die Polizei nimmt nicht nur die Festplatten und die beiden Händler mit, sondern auch Moritz' Laptop, 48.000 Euro Bargeld und unglaubliche 320 Kilogramm Drogen aller Art, die wohlsortiert in den Regalen seines Jugendzimmers lagern. Denn Moritz, der sich für unbesiegbar hielt und sein Drogenimperium Shiny Flakes allein aufgebaut und betrieben hat, wohnte noch bei Mama.

Nachdem die Staatsanwaltschaft Leipzig knapp vier Monate später Anklage erhebt, ist klar: Moritz drohen bis zu 15 Jahre Haft. Laut Oberstaatsanwalt Ricardo Schulz hätten die Ermittlungen ergeben, dass er „im Zeitraum Dezember 2013 bis zum 26. Februar 2015 in mehreren tausend Fällen" Bestellungen über insgesamt rund 600 Kilogramm verschickt hatte. Damit beläuft sich die polizeilich registrierte Gesamtmenge, mit der Shiny Flakes handelte, auf rund eine Tonne. (Aktualisiert am 14.07.2015)

Das Viertel Gohlis, in dem Moritz mit seiner Mutter lebte, ist vor allem ein freundliches Wohngebiet im Norden Leipzigs.

Stolz präsentiert die Polizei die bei Moritz sichergestellte Ware: Unter anderem 50.000 LSD-Trips. Alle Bilder (wenn nicht anders angegeben): Theresa Locker / Motherboard.


Drehkreuz Packstation

Die Pakete verschickte Moritz hauptsächlich in den deutschsprachigen Raum, aber auch bis nach Indonesien, manchmal per Einschreiben, oft an Packstationen und Paketboxen und bei größeren Bestellungen auch als nachverfolgbare Sendung mit einer Trackingnummer.

Die Empfänger der Post waren oft nicht die, die sie abholten; die Paketdepots dienten lediglich als tote Briefkästen bzw. als sogenannte Dead Drops. Die Karten und Nummern liefen auf andere Namen und waren gestohlen—Packstation-Cracking als Spezialdisziplin im drogenrelevanten Fraud-Business.

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Die Polizei braucht nur wenige Tage, um aus der beschlagnahmten Festplatte auszulesen, was sie sucht: Auf der unverschlüsselten Harddisk befinden sich praktischerweise die Adressdaten von Shinys Großabnehmern in Deutschland, die bei ihm kiloweise Drogen zum Weiterverkauf orderten.

Nur rund 10 Kilometer nördlich von Leipzig-Gohlis liegt eines der größten europäischen Logistikzentren der DHL. Hier, im Logistik-Hub in umittelbarer Nähe zum Flughafen Leipzig-Halle, kam die Polizei erstmals einem Muster hinter den verdächtigen, nicht zugestellten Sendungen auf die Spur. Pressebild: Deutsche Post AG.

Am 10. März schlägt die Polizei auf Grundlage dieser Informationen dann mit richterlichen Beschlüssen durch konzertierte Hausdurchsuchungen im ganzen Bundesgebiet zu. Insgesamt 38 Orte, unter anderem in Bayern, Baden-Württenberg, Sachsen und NRW werden durchsucht, fünf weitere Personen festgenommen.

Am 11. März werden die tagelang durchs Netz wabernden Gerüchte um das Ende von Shiny Flakes dann endgültig zur Gewissheit. Ab dem Nachmittag macht die Polizei ihren Fandungserfolg öffentlich und schaltet sowohl auf der Clearnet-Website als auch auf der im Darknet gehosteten Onion-Domain von Shiny Flakes eine Werbung für den Beruf des sächsichen Polizisten: „Ein Job—1000 Möglichkeiten."

>> Wilde Gerüchte um Shiny Flakes: Wurde der Clearweb Drogen-Shop hochgenommen?

Die mysteriöse Nachricht auf Shiny Flakes' Händlerprofil in einem einschlägigen Darknet-Schwarzmarkt wirkt spätestens jetzt wie eine Prophezeiung („Händler, lauft um Euer Leben"). Ob sie überhaupt von Shiny stammen kann, der auf drei Deepweb-Märkten als Verkäufer angemeldet war, lässt sich heute nicht mehr abschließend klären—vielleicht wollte Shiny damit auch nur Händler verprellen, die ihn schlecht bewertet hatten.

Seit dem 27. Februar sitzt der Clearnet- und Darknet-Händler Moritz nun in Untersuchungshaft in der Leimener Straße in Leipzig und darf sich statt mit Bitcoin-Transaktionen, Nachschub-Problemen, der Portionierung von Crystal und dem Abwatschen von paranoiden Kunden nun mit dem attraktiven Freizeitangebot einer JVA beschäftigen:

In dieser Leipziger JVA sitzt der Betreiber von Shiny Flakes seit dem 27. Februar ein.

Für einen Profi-Nerd gilt kein Jugendstrafrecht

Angesichts der erdrückenden Beweislage stehen Moritz' Chancen vor Gericht schlecht. Vertreten wird er durch den erfahrenen Leipziger Strafverteidier Stefan Costabel, der bisher noch nicht ausgemacht hat, ob sich sein Mandant nicht letztlich durch ignorante Selbstüberschätzung auch vor Gericht ein Bein stellen könnte.

Fest steht, dass Moritz ein hochintelligenter, aber zur Überheblichkeit neigender junger Nerd ist, mit Realschulabschluss, aber ohne Ausbildung. Dass man nach dem Aufbau eines extrem profitablen Drogengeschäfts auf ein Urteil nach dem entlastenden Jugendstrafrecht plädieren kann, scheint aktuell eher unwahrscheinlich.

„Er hat sich übernommen. Er wollte Gott spielen", sagt einer, der es wissen muss. Die Staatsanwaltschaft geht schon kurz nach der Festnahme davon aus, dass ihn ein Strafmaß von rund 15 Jahren wegen internationalen Handels mit Betäubungsmitteln erwartet.

„Die Polizei kann hunderte Fehler machen. Aber wenn ich als Händler einen Fehler mache, dann ist das tödlich."

Spätestens in den vergangenen Monaten wuchs dem DIY-Drogenboss sein Geschäft über den Kopf. Einerseits zog er ein hochprofessionelles Drogenbusiness auf (dessen Umsatz er als den Profit eines angemeldeten Webdesign-Gewerbes tarnte), andererseits wurde er durch seinen Erfolg und den damit steigenden Druck unvorsichtig und nachlässig: Er nutzte häufig die selben Packstationen für seine Sendungen, und nachdem die Ermittler diesbezüglich einmal durch unzureichend frankierte Sendungen Verdacht geschöpft hatten, mussten sie nur noch auf weitere Muster wie Umschlaggrößen, diverse Stempel und Absender achten.

Moritz, so kann man es vielleicht ausdrücken, wurde faul.

„Die Polizei kann hunderte Fehler machen", erklärte uns ein anderer Drogenhändler, der Shiny schon länger kannte, zu den Fallstricken des Online-Dealings. „Aber wenn ich als Händler einen Fehler mache, dann ist das tödlich."

Eine kleine Auswahl der Drogen, die in Moritz' Zimmer gefunden wurden: Hasch, Speedpaste und kiloweise Ecstasy.

Das offizielle sächsische Szenario

Die 320 Kilo mit einem Marktwert von 4,1 Millionen Euro sind einer der größten Drogenfunde in der Geschichte der Bundesrepublik. Entsprechend stolz sind die Behörden und sprechen von einer „Sensation". Als die Ermittler zu einer Pressekonferenz über den Stand des Verfahrens und die Hintergründe der Ermittlung laden, ist der Saal entsprechend gut gefüllt.

„Wir haben auch ein Szenario vorbereitet", freut sich die Polizei auf der Pressekonferenz am Donnerstagmorgen im trutzburgartigen Polizeipräsidium in Leipzig-Mitte. Das Szenario sieht zunächt Redebeiträge—der Leipziger Polizisten und der Staatsanwaltschaft—und dann die große Präsentation der erbeuteten Drogen vor, die gerade noch unter Tischtüchern verborgen sind. „Und dann können Sie ihr tiefschürfendes Fragenfeuerwerk abfeuern", brummt der Polizist Lingslebe mit kaum verhohlener Verachtung.

Wenn es nach der Polizei geht, ist niemand im Darknet vor dem Argusauge des Gesetzes sicher

In der folgenden Präsentation stellt sich die Polizei als High-Tech-Crimewatch dar, die auch Daten im Darknet erbeutet und sich mit hochspezialiserten IT-Cracks in der Ermittlung zusammengetan hätten, um die Operation zum Erfolg zu bringen. Die Nachricht: Keiner ist sicher vor dem Argusauge des Gesetzes, nicht der Straßenhändler, nicht der Darknet-Vendor und auch nicht der Kunde.

Ein Großteil des Ermittlungserfolgs ist jedoch auf eher klassische Polizeiarbeit und insbesondere Observationen zurückzuführen: Die punktgenaue Überwachung von Moritz' Zimmer, die Kontrolle der ein- und ausgehenden Post am Knotenpunkt des DHL-Logistikzentrums direkt neben dem Flughafen Leipzig-Halle und vor allem die Observation einer bestimmten Packstation, die Moritz immer wieder benutzt hat.

Auch Testkäufe sollen die Polizisten auf der Website getätigt haben. Bereits vor dem Zugriff in Gohlis hatten die Ermittler über 40 Kilo Drogen aus Sendungen abgefangen. Hier versteckt sich auch eine überraschende Erklärung für die Lieferverzögerungen, über die Kunden von Shiny Flakes immer wieder klagten, die Moritz selbst jedoch stets als nervige Panikmache seiner Abnehmer abtat.

Die DHL wurde zum stillen Komplizen von Shiny Flakes' Drogengeschäft. Packstationen und Paketboxen, wie diese hier in Berlin Pankow, spielten eine zentrale Rolle in seinem Handel. Bild: Myles Tweedie

Dann lüften die Ermittler im Präsidium die weißen Tischtücher hinter der Absperrung und alle Kameras stürzen sich auf den wirklich beeindruckend großen Haufen aus kästenweise Speedpaste, Haschbergen, Tablettenblistern, Kokspaketen und schier unvorstellbaren Mengen bunter Ecstasypillen, Meth und graulila schimmerndem MDMA. Unter den Pillen sind auch mehrere prall gefüllte Gefrierbeutel mit den hochdosierten roten Burger Kings, die Shiny Flakes angab, exklusiv zu vertreiben.

„Es war nun wirklich kein typisches Jugendzimmer. Obwohl, wer weiß."

„Wie darf ich mir das vorstellen", fragt ein Reporter, „hat er diese riesigen Mengen unter dem Bett versteckt oder wo tut man so etwas hin in einem Jugendzimmer?" „Da er ein ordentlicher Mensch war, hat er das alles in Regalen gelagert", antwortet der Polizist. „Es war nun wirklich kein typisches Jugendzimmer. Obwohl, wer weiß."

Und die Ermittler haben gleich noch weitere spannende Infomationen für die Bürokratieinteressierten unter den Anwesenden: „Eine Rechnungslegung gab's nicht." Dafür allerdings alle möglichen Paraphernalien zur Portionierung und Verpackung der Drogen. Moritz, das ist mittlerweile klar, hat seine Operation so weit er konnte tatsächlich im Alleingang durchgezogen.

Zudem weiß die Polizei, wie viel er an seinem Geschäft verdient hat: Gewinnmargen zwischen 50% und 300% und ein Umsatz von rund einer Million allein im letzten halben Jahr bei mehreren tausend Kunden machten ihn zu einem sehr jungen, sehr reichen Menschen, der gleichzeitig durch sein Geschäft unter einem enormen Druck stand. Den Löwenanteil seines Umsatzes häufte Moritz tatsächlich erst in den letzten drei Monaten vor seiner Festnahme an.

Die schön hergerichteten Fotomotive auf der Pressekonferenz begeistern Pressevertreter von RTL bis MDR. Man lässt sich von der Polizei auch gerne das Darknet erklären.

Irrlichternde Pakete als Ermittlungsansatz

Für ihre Ermittlungen gingen die Behörden von einem unzureichend frankierten Päckchen aus, das seinen Weg an den (nichtexistenten) Absender nicht zurückgefunden hatte und irgendwann geöffnet wurde. Solche Sendungen tauchten im Raum Leipzig schließlich immer wieder auf. Die Ermittler fragten deshalb an 23 Poststationen bundesweit nach ähnlichen Vorfällen und werteten die Daten aus.

Bis Ende Januar 2015 hatten sie nach der Observation von einigen Packstationen eine Person identifiziert, die dort sowohl verdächtige Päckchen in Empfang nahm als auch auch verschickte.

>> Waffen, Drogen, Dissidenten: Eine Video-Dokumentation über das Darknet

Die Polizei behauptet auf der Pressekonferenz schließlich auch, Bitcoins im Wert von 325.000 Euro sichergestellt zu haben und „aktiv Daten aus dem Darknet beziehen" zu können. Aber eine Antwort auf die Frage, wie sie denn die virtuelle Kryptowährung sichergestellt hätte und Daten im Darknet ermittelt hätten, bleibt sie schuldig. Zudem stehen relevante Server im Ausland. Es ist jedoch möglich, dass die Ermittler bei der Razzia auch Zugriff zu dem Laptop von Moritz erhielten, auf dem er noch in sein Bitcoin-Wallet eingeloggt war.

Die Kunden stehen auf Asoziale, die haben trotzdem weiter bei ihm bestellt

Zu den stolzen Ansagen der sächsischen Ermittler, dass die Polizei jetzt auch im Darknet allgemein durchgreifen könne, erklärte uns Chris*, ein anderer Darknet-Drogenhändler, der den Vehafteten seit über einem Jahr kannte, abwiegelnd: „Da glaube ich nicht dran. Die wollen uns jetzt einfach Paranoia machen."

Auch er meint allerdings, dass Moritz letztlich zu gierig oder zu unvorsichtig geworden sei: „Ich würde niemals länger als ein Jahr den selben Nutzernamen verwenden, auch wenn das praktisch und verlockend ist. Zwei Jahre, wie Shiny es gemacht hast, sind schlicht zu lang. Er ist einfach zu leichtsinnig geworden."

Der DHL Logistik-Hub Leipzig bei Radefeld ist nicht nur ein Paket- und Post-Sortierzentrum, sondern liegt auch unmittelbar neben dem Flughafen Leipzig-Halle. Über diesen Knotenpunkt (hier abgebildet: Dresden-Radeberg) dürfte ein Großteil der nationalen und vermutlich alle internationalen Lieferungen von Shiny Flakes geleitet worden sein. Bild: Deutsche Post AG

Das Logistzentrum in Leipzig, in dem die ersten verdächtigen Sendungen aufflogen. Pressebilder: Deutsche Post AG.

Die Konkurrenz macht Probleme

Aber nicht nur die Polizei war Moritz auf den Fersen, sondern auch die Konkurrenz hatte es in diesem Jahr besonders auf ihn abgesehen.

Shiny war berüchtigt für seinen resoluten Umgang mit Kollegen und Kunden, die er immer wieder fröhlich beleidigte. Davon berichtete uns auch Chris. Für den langjährigen Online-Händler war Moritz' sehr spezielle und resolute Art vor allem eine besondere Form von Humor.

Fest steht, dass die aggressive Rhetorik seinem Geschäft nicht geschadet hat: „Die Kunden stehen auf Asoziale, die haben trotzdem weiter bei ihm bestellt", so Chris, der Moritz von einem größeren deutschen Online-Verbrechen Forum kannte. „So weit ich den kenne, war er schon immer so großschnäuzig." Im Austausch mit ihm selbst sei Moritz jedoch immer vorsichtig gewesen.

Doch bei allem Respekt voreinander fanden sich Chris und Moritz letztlich auch in einem Konkurrenzkampf wieder. Chris behauptet, dafür mitverantwortlich gewesen zu sein, dass Moritz Mitte Februar seinen PGP-Key wechseln und seine Domain umziehen musste. Schon damals spekulierten nicht wenige im Umfeld von Shiny Flakes, dass die Polizei für die Probleme verantwortlich sei; sollte die Version von Chris jedoch stimmen, gäbe die Aktion einen überraschenden Einblick in die Angriffstaktiken mit denen sich rivalisierende Online-Drogenhändler bekämpfen.

Ob ausgerechnet der Hacking-Angriff dabei helfen könnte, dass die Polizei nach der Razzia ältere, verschlüsselte E-Mails von Shinys .com-Domain nicht mehr auslesen kann, lässt sich heute allerdings noch nicht sagen.

Ein Ausschnitt aus dem Webshop von Shiny Flakes kurz vor der Abschaltung.

Für die Präsentation der sichergestellten Drogen hat die Polizei eine lange Tafel angerichtet. Koks und Ketamin haben nicht mehr aufs Bild gepasst.

„Ein professionelles Warenwirtschaftssystem, wie in einem Kaufhaus" habe sich der junge Mann aufgebaut, staunt die Kripo und freut sich über den Erfolg.

Dazu kam nun auch noch das Problem des Nachschubs: Eine Razzia beim niederländischen Großlieferanten Dutchmaster führte in diesem Monat schon bei anderen deutschen Händlern wie Kollegen von Chris zu Hausdurchsuchungen. Sehr wahrscheinlich hat sich auch Shiny Flakes von Dutchmaster beliefern lassen, die Ermittler geben sich diesbezüglich noch bedeckt und belassen es auf unsere Nachfrage hin bei einem vielsagenden „Vielleicht..."

Woher die Nachricht auf Shiny Flakes' Händlerprofil bei Evolution stammt, erklären auch die Ermittler auf Nachfrage nicht. „Lauft um euer Leben", hatte es da am 3. März geheißen—doch zu diesem Zeitpunkt saß der Geschäftsführer von Shiny Flakes schon im Gefängnis. Auch die Polizei gibt sich unschuldig und hätte wohl auch kaum ein Motiv, Drogenverkäufer vor Hausdurchsuchungen zu warnen. Fest steht, dass Shiny auf einem seiner Darknet-Profil auch lange nach seiner Festnahme noch wiederholt online zu sehen war.

Shiny Flakes ist nun nach knapp zwei Jahren nicht mehr; die öffentlichkeitswirksame Drogen-Sonderausstellung dürfte einigen Online-Diskussionen über Verbleib und die Identität von Shiny Flakes ein Ende bereiten. Dem Handel im Darknet aber wird das wohl kaum einen Abbruch tun. Die Karriere von Shiny Flakes ist nur ein weiteres, kleines Kapitel im gerade erst beginnenden Online-Krieg gegen die Drogen.

Die ursprüngliche Dotcom-Domain von Shiny Flakes ist übrigens nur einen Tag nach der Razzia bei Moritz erneut registriert worden—auf einen Namen und eine Adresse, die diesmal nicht unbedingt die sächsische Polizei als Betreiber vermuten lässt.

Theresa ist nicht nur in Leipzig unterwegs, sondern auch auf Twitter.

Der Artikel wurde nach der Anklageerhebung durch die Leipziger Staatsanwaltschaft am 14.7. um weitere Details zum drohenden Strafmaß ergänzt.

Wenn ihr zusätzliche Informationen zu dieser Geschichte habt, könnt ihr uns eine E-Mail an Motherboard_De@safe-mail.net schreiben. Wir nehmen Hinweise selbstverständlich auch anonym entgegen. Wenn ihr uns eine verschlüsselte Mail senden möchtet, findet ihr den entsprechenden PGP-Key hier.

*Namen abgeändert.

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