Die größte Baum des Lebens-Grafik gibt dir den Glauben an die Evolution zurück

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Die größte Baum des Lebens-Grafik gibt dir den Glauben an die Evolution zurück

Die Erde ist zwar keine Scheibe, aber die Entstehung des Lebens ist eine Spirale, wie diese riesige Metastudie zeigt.
5.3.15

Die Entstehung des Lebens ist mindestens ebenso geheimnisvoll wie die Entstehung des Universums selbst. Eine neue, große Metastudie bringt die Evolution nun in eine neue spiralförmige Darstellung des sogenannten Lebensbaumes. Die in Molecular Biology and Evolution von Wissenschaftlern der Temple University veröffentlichte Visualisierung, ist nicht nur hübsch anzuschauen, sondern ist auch dazu angetan, uns den Glauben an den biologischen Fortschritt zurück zu geben, an dem uns ​rationalitätsbefreite Verschwörungstheoretiker, überemotionale ​Heulsusen oder auch organisationsfreie ​BND-Sicherheitspannen gelegentlich Zweifeln lassen.

Basis des Lebensbaumes sind 2.274 Molekularstudien, von denen 96 Prozent in den letzten zehn Jahren veröffentlicht wurden. Das Ergebnis belegt, dass sich das Leben auf der Erde über die Millionen Jahre in konstanter Weise entwickelte. „Die von uns festgestellte konstante Diversifikation zeigt an, dass ökologische Nischenformen nicht aufgefüllt und gesättigt wurden", erklärte der an der Studie beteiligte ​Biologe Blair Hedges bei ​phys.org. „Das steht im Gegensatz zu der allgemeinen Annahme, dass die Diversifikation abnimmt und die Nischen mit Spezies aufgefüllt werden."

So entsteht aus 50,000 verzeichneten Unterspezies eine spiralförmige Galaxie des Lebens zwischen Tintenfisch und Dromedar—der Mensch ist übrigens nicht dabei. Es dauert ungefähr zwei Millionen Jahre, bis eine neue Spezies die Bühne betritt und sich etablieren kann.

Der spiralförmige Baum des Lebens wird ein Teil der interdisziplinären  ​Time Tree of Life-Initiative (TTOL), die seit Jahrzehnten darum bemüht ist, eine anschauliche, möglichst vollständige Chronik des Lebens auf unserem Planeten darzustellen. Dafür gibt es Smartphone-Apps, Bücher, und eben auch Grafiken wie diese hübsche Darstellung. „Letztlich wollen wir herausfinden, wann genau jede Spezies und ihre Vorfahren auftauchten und dafür ganz bis an den Ursprung des Lebens vor vier Milliarden Jahren gehen."

Diese Molekularuhren verwenden Wissenschaftler zum Beispiel, um die Divergenzzeiten von Spezies abzuschätzen und um die Mutationszeiten in DNA zu berechnen. Ein überraschender Fund: „Adaption und Diversifikation sind zwei separate Prozesse, die sich nicht gegenseitig bedingt haben."

Wo auch immer eine evolutionäre Perspektive gebraucht wird, beispielsweise in der Urprungsforschung bei Krankheiten oder Wirkstoffen der Medizin oder auch in der Wirkungsabschätzung des Klimawandels auf Spezies in der Zukunft, kann der Time Tree of Life Einsicht geben. Wer noch nicht genug hat, kann sich ​hier ausführlicher in die Studie einlesen.