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Schweinfurter Star Trek-Nerd vollendet einstündige Stop Motion-Hommage

Siebeneinhalb Jahre schuftete der 36-Jährige in seiner Freizeit an „Star Trek—Der Anfang vom Ende“. Als Trekkie will er sich aber nicht bezeichnen.
11.7.16
Screenshot: Motherboard

Jürgen Kaiser ist Messfacharbeiter aus Schweinfurt. Das klingt erst einmal nicht allzu glamourös, doch der 36-Jährige hat gerade einen hollywoodreifen Star Trek-Film gedreht. Siebeneinhalb Jahre—und eine Summe, die dem Preis eines Mittelklassewagens entspricht—investierte der Hobbyfilmer und veröffentlichte nun sein einstündiges (!) Werk Star Trek ENTERPRISE II — Der Anfang vom Ende. Das Besondere an dem gigantischen Fanwerk: Der Film wurde komplett in Stop Motion produziert und die Darsteller sind nur 18 cm große Spielfiguren.

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220 Drehtage benötigte Kaiser allein für die Stop Motion. In Millimeterarbeit bewegte er die Figuren und fotografierte diese mit seiner Spiegelreflexkamera. Eine einzige Sekunde im Film entstand aus 30 aneinandergereihten Einzelbildern und nahm eine volle Stunde Drehzeit in Anspruch. Auch das 53-seitige Drehbuch schrieb er eigenhändig mit einem Freund und bastelte die Kulissen aus Holz, Pappe und Klebstoff. Das gestaltete sich gar nicht so einfach, schließlich musste er nicht nur einen guten Kamerawinkel für die Filmszene erwischen, sondern auch noch genug Platz haben, um mit seiner Hand die Beine, Arme und den Kopf der kleinen Schauspieler zu bewegen.

„Wenn ich was mache, dann richtig."

„Ich bin total penibel und genau", so Kaiser gegenüber der Mainpost. „Wenn ich was mache, dann richtig." Also baute er mit Schaschlikstäbchen Geländer nach, so dass die Schatten realistisch fallen und schliff den Warp-Kern aus Gips, bis er mit dem aus der Serie übereinstimmte.

Als die Stop Motion nach über zwei Jahren im Kasten war, folgten noch einmal vier Jahre, die für die Animation draufgingen. Kaiser arbeitete dafür mit einem Visual Effects-Studio zusammen, welches neben actiongeladener Weltraumflüge auch für die Bewegungen der Münder sorgte. Auch einige professionelle Synchronsprecher begeisterten sich für das Projekt und liehen den Personen wie T'Pol, Tip Tucker oder Scotty ihre Stimmen. Sie alle beteiligten sich für wenig bis gar kein Geld an dem Non-Profit-Projekt. Denn Geld darf Kaiser mit seinem Film nicht verdienen, sonst würden ihm die Rechteinhaber aufs Shuttledach steigen.

Geld darf Kaiser mit seinem Film nicht verdienen, sonst würden ihm die Rechteinhaber aufs Shuttledach steigen.

Es ist nicht Kaisers erstes Fanprojekt in Bewegtbildform: Die Geschichte von „Der Anfang vom Ende" setzt dort an, wo Kaisers voriger Star Trek-Minifilm Der Zeitspiegel aufhörte, in dem Kaiser dem Captain noch selbst seine Stimme lieh. Dort hatte die Crew der Enterprise eine Mission in einem Paralleluniversum vollbracht und kehrt nun in ihre verwüstete Heimatgalaxie zurück. Die Zeichen deuten auf eine riesige Schlacht hin, Trümmer fliegen umher und der Kontakt zur Erde ist abgebrochen. Hier beginnt die Story zu Der Anfang vom Ende, in dem es eine Begegnung mit einer mysteriösen Lebensform, einen Besuch auf Spocks Heimatplaneten Vulkan, und natürlich, als Highlight eines jeden ordentlichen Science-Fiction-Films, eine gigantische Weltraumschlacht gibt.

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Jürgen Kaiser bezeichnet sich übrigens nicht als Trekkie. Er fand es lediglich „schade", als im Jahr 2005 die Serie eingestellt wurde. Nun möchte der Schweinfurter Star Trek-Produzent seinen Film auf diversen Festivals präsentieren. Und sicherlich bietet das handgemachte Werk einen perfekten Gegenpol zu J.J. Abrams Blockbuster-Materialschlacht Star Trek Beyond, der am 21. Juli in die Kinos kommen soll.

Als nächstes Projekt entsteht übrigens ein Ghostbusters-Film im Hause Kaiser. Wir werden jedoch wohl noch einige Jahre auf das fertige Produkt warten müssen.