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Polizei fahndet nach Räuber – mit einem "Bushido"-Phantombild

Warum sieht der in Buxtehude gesuchte Räuber aus wie Bushido? Wir haben bei der Polizeidienststelle nachgefragt.
30.3.17

Foto im Header: Collage von Bildblog.de aus dem Artikel "Polizei und Medien gehen mit Bushido auf Verbrecherjagd"

Bushido kommt einfach nicht zur Ruhe. Nachdem erst im Februar bekannt wurde, dass er zu elf Monaten auf Bewährung verurteilt wurde, hat er es jetzt schon wieder mit der Polizei zu tun. Diesmal allerdings ohne, dass er womöglich überhaupt etwas verbrochen hat. Denn leider sieht das gestern Abend veröffentlichte Phantombild eines in Buxtehude gesuchten Mannes dem Berliner so verdammt ähnlich, dass man beim Lesen der heutigen BILD Hamburg, focus.de und anderen Online-Zeitungen denken könnte, der Berliner Rapper wäre in einen Raubüberfall verwickelt gewesen.

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Eigentlich wird aber ein um die 30-jähriger Mann gesucht, der am 19.03. zusammen mit einem Komplizen eine Frau ausgeraubt hat. Doch Bildblog hat sich bereits die Mühe gemacht, die mutmaßlich verwendete Bushido-Vorlage des Phantomzeichners herauszusuchen und sie mit dem veröffentlichten Bild abzugleichen. Und tatsächlich: Es scheint, als hätte man ein bisschen an Photoshop rumgeschraubt, Bushido ein dunkelrotes Basecap aufgesetzt, den Bart verlängert und für die authentische Phantom-Stimmung einen Strafur-Filter drübergelegt.

Screenshot von Presseportal.de/blaulicht

Wir haben bei der Polizeiinspektion Stade angerufen und den zuständigen Sachbearbeiter Philippsen gefragt, ob es denn üblich sei, sich bei Phantombildern aus einer Datenbank zu bedienen – und dann noch an einem Promi? Da Philippsen selbst nicht dabei war, weiß er nicht, welche Vorlage der Zeichner nun genau genutzt hat, aber: "Letzten Endes muss er damit anfangen, was der Zeuge oder das Opfer erzählt." Dann würde der Zeichner die Gesichtsmerkmale entsprechend der Aussagen verändern. Das Opfer hätte schließlich gesagt, dass das Phantombild dem Täter sehr ähnlich sehe.

Nach Veröffentlichung des Phantombildes seien sogar schon Hinweise eingegangen: "Aber jetzt nicht direkt, dass Bushido gesehen wurde, sondern hier im Umfeld von Buxtehude, Passanten oder Personen. Gar nicht auf die Person des Künstlers hin bezogen." Die Frage, ob Bushido denn jetzt nicht dagegen klagen könnte, verneint Philippsen. Schließlich war es eine Phantomzeichnung und kein Foto. "Wie soll man das verhindern, wenn man in einem Phantombild plötzlich eine Ähnlichkeit erkennt? Gerade Vollbart und Mütze verstellt einem das Gesicht, sodass da nicht mehr veränderliche Kennzeichen zu sehen sind. Ein Vollbart sieht an vielen Gesichtern einfach gleich aus."

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Bushido selbst hat sich jetzt auch schon zu der ganzen Geschichte geäußert:

Update: Das Landeskriminalamt Niedersachsen hat einen Tag später zugegeben, dass es sich bei der Vorlage um ein Bushido-Bild handelt. Der Zeichner fand bei seiner Suche nach geeigneten Bildern "ein Bild von Bushido. Dieses Bild war für den Zeichner nun Grundlage für die Erstellung des später veröffentlichten Phantombildes". Damit ist die vorherige Stellungnahme des Polizeisprechers Stade, die Ähnlichkeit sei rein zufällig vorhanden, inzwischen hinfällig.

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