Der Liveticker des Telegraph offenbart den Wahnsinn von Barcelona

Der Aufholjagd des FC Barcelona gegen PSG konnten sich auch die seriösesten Journalisten nicht entziehen. Die Pressetribüne des Camp Nou verwandelte sich zum Fanblock, die Liveticker zu Tastatur-Tollhäusern.

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09 März 2017, 10:24am

Foto: Screenshot The Telegraph

Es war der absolute Wahnsinn. Nach der 0:4-Niederlage im Hinspiel zieht der FC Barcelona durch die wohl verrückteste Aufholjagd in der Champions-League-Geschichte und ein 6:1 über Paris St. Germain ins Viertelfinale ein. Ja, Wahnsinn trifft es wohl. Das Wort, das durch die häufige Verwendung gemeiner Sportkommentatoren eigentlich seinen Wert verloren hat, passt für diesen Abend so exakt wie der Freistoß von Neymar zum 4:1 in den Winkel – der den Wahnsinn ab der 88. Spielminute erst einleitete. Aber nicht nur die Barça-Fans im Camp Nou rasteten aus, vielmehr stand die ganze Fußballwelt für einen Moment lang still – und postete anschließend den Slogan: „Love this game".

Es sind schließlich diese Momente im Fußball, nach denen wir lechzen. Diese seltenen Minuten, in denen selbst die abgezocktesten Profis wie kleine Kinder feiern – oder auch weinen. Wie sehr einen dieser Abend mitnahm, zeigten die Reaktionen der Menschen, die eigentlich professionell arbeiten mussten: die Sportjournalisten. Der Sky-Kommentator Marc Hindelang erklärte noch, „wenn Barcelona das schafft, ist es die größte Auferstehung seit Jesus Christus." Und sie kam. Im Pressebereich des Camp Nou streckten selbst die seriösesten Reporter – die nach Jahrzehnten im Geschäft wohl dachten, dass sie gar keine Emotionen mehr verspüren – wie Sitzplatzpöbler ihre Fäuste in die Luft.

Nach dem 1:3 durch Cavani hatten wohl auch die hartgesottensten Fans irgendwann die Hoffnung aufgegeben. In der 88. Spielminute brauchte Barça schließlich immerhin noch drei Tore. Dann rollte der Express: Neymar-Freistoß, Neymar-Elfmeter (nach zweifelhafter Entscheidung für den als sterbenden Schwan bekannten Suarez) und der entscheidende Roberto-Treffer zum 6:1. Ihr braucht noch einen Beweis, wie groß dieses Wunder war? Nicht mal die seriösesten Livetickerer dieser Welt konnten sich dem Wahnsinn entziehen.

Beim britischen The Telegraph zum Beispiel. Der Liveticker der Zeitung ist eigentlich vor allem mit Statistiken und taktischen Analysen sowie interessanten Grafiken für Fußballinteressierte aufbereitet. Der Liveticker-Redakteur konnte sich nach dem endgültigen Wunder von Barcelona jedoch auch nicht mehr halten, haute nur noch auf seine Tastatur und schickte es an die Leser raus. Da setzten sich auch mal echte Emotionen gegen die größte journalistische Distanz durch. Anschließend kam nur noch der Satz „I CANNOT BELIEVE THIS." Natürlich in Großbuchstaben, es war ja auch ein großer Abend.

Übrigens konnten sich selbst die englischen Ex-Profis und TV-Experten Michael Owen, Steven Gerrard, Gary Lineker und Rio Ferdinand so gar nicht mehr einkriegen: