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Küchengerät

Gourmetküche für Leute, die nicht kochen wollen

Unser Autor ist Student, hat viel Hunger und ist gerne faul. Jetzt hat er sich verliebt, in ein Gerät, das vor allem unter Paläo-Anhängern zur Zeit Kultstatus genießt.
31.3.15

Ausgerechnet aus Amerika kommt ein Kochgerät, dass das genaue Gegenteil von Fast ist: ein Kochgerät, das dein Essen stundenlang auf Niedrigtemperatur gart, während du nichts tun musst. Bei den Amis ist der Slow Cooker schon seit den 50ern bekannt und scheint wohl in jedem Haushalt zu stehen, und die Tochter des Erfinders hat sogar ein Buch geschrieben mit dem Titel: My Dad–The inventor of the crockpot.

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Der Langsamgarer ist ein Standard Küchenutensil für die Haushalte der führenden Fressnation, nur auf heimischen Herden ist er noch nicht so richtig warm geworden. Warum das so ist, weiß nur der Kuckuck, denn dieses geile Gerät macht selbst den faulsten Nudel-mit-Ketchup-Afficionado zum absoluten Spitzenchef. Sein Name ist Programm. Der Slow Cooker kocht langsam und gart schonend jede Art von Essen, das langsam gekocht und schonend gegart werden sollte. Also fast alles.

Ob Bollo, Gulasch, Gemüse, Pulled Pork, Fish Chowder, Fonds oder Grünkohl, jedes köchelnde Schmorgericht findet hier seine Vollendung. Der Aufbau und das Prinzip sind dabei denkbar einfach. Es gibt einen Einsatz in meinem Fall aus Keramik mit Deckel, der in eine Form aus stabilem und gut isoliertem Alublech gestellt wird, durch die eine Heizspirale läuft. Energie kommt per Stecker aus der Dose und verschlingt je nach eingestellter Stufe High, Medium & Low 180-300 Watt. Im Vergleich dazu verbraucht eine (!) Herdplatte ca.1500Watt.

Die Idee dabei ist, dass die Temperaturen im Topf unter 100°C bleiben, um die Zutaten über einen langen Zeitraum zu ihrer butterzarten und geschmacklichen Perfektion zu führen. Aroma-Fusions-Implusion! Ich gehe zu meinem türkischen Schlachter um die Ecke und hole mir das knorpeligste, fettigste Stück Suppenfleisch, weil ich weiß, dass mein Homie mich nicht im Stich lassen wird. Gerade bei zähem, durchwachsenem Fleisch, ist eine lange Kochzeit bei niedriger Temperatur wichtig um das harte Kollagen in den Zellen in weiche Gelatine zu verwandeln. Das passiert nur, wenn man die Temperatur für lange Zeit bei um die 70°C hält. Die Muskelfasern lösen sich voneinander und werden so weich, dass an den Braten löffeln kann. Mein Rekord liegt bei 17 Stunden. Science. Fuck yeah!

Und das Beste ist, einmal rein, alles fein. Veggies, Fleisch und Wasser in den Topf, Deckel drauf, Schalter an und vergessen. Es gibt nichts Besseres, als den SlowCooker vor dem Schlafen anzustellen und morgens von betörenden Essensdüften geweckt zu werden. Oder morgens vor der Vorlesung oder dem Gang ins Büro befüllen und Abends zu einem perfekten Fressgelage nach Hause kommen. Selbst wenn man Tanzen geht und drei Tage wach bleibt, kein Problem, der Inhalt wird geschmacklich nur besser, dann allerdings mit einem Strohhalm genießen.

Die große Variante des ca. 50 Euro teuren Teils hat so um die 6,5 Liter Fassungsvermögen und ist somit leistbar und gleichzeitig groß genug, um die ganze WG oder die After Hour zu bekochen. Und selbst danach bleiben noch meistens genügend Munchies für das Tiefkühlfach. Ich denke mein elektrischer Topf und ich werden lange Freunde bleiben. Die kulinarischen Abenteuer, die wir so im Laufe des letzten Jahres erlebt haben, würden Huck & Jim neidisch werden lassen und mit Leichtigkeit eine kleine Kochnovelle füllen. Vielleicht gibt es die ja auch bald. In diesem Sinne.

Foto: Matthew Deighton via Flickr